Landau / SÜW
Wildschweine im Pfälzerwald: Wie Jäger den Bestand eindämmen
Der sehr hohe Bestand an Wildschweinen war Ende November die Ursache für eine revierübergreifende Großjagd mit rund 300 Jägerinnen und Jägern. Die Tiere hatten sich im Pfälzerwald rund um Annweiler, Eußerthal, Dernbach und Ramberg in Wald und Flur, auf Streuobstwiesen und in Weinbergen sowie immer öfter auch in den Ortslagen, Gärten und im Straßenverkehr bemerkbar gemacht. Die Schäden waren teils hoch. Auch Begegnungen zwischen Mensch und Wild nehmen spürbar zu. Ziel der Bewegungsjagden ist es, den stark angewachsenen Bestand an Schwarzwild zu reduzieren.
Intensive Jagdmaßnahmen, zuletzt fand eine vor wenigen Tagen statt, zeigen nun Wirkung, wie Kreisjagdmeister Jörg Sigmund auf Anfrage der RHEINPFALZ erklärt. Geschossen wurden seit Ende Oktober etwa 320 Tiere. „Durch die hohen Erlegungszahlen der letzten Wochen sowie durch die kalte Witterung mit starkem Frost hat sich die Schadenssituation durch Schwarzwild deutlich verbessert. Es gibt derzeit keine Schadensmeldungen, auch die Zahl der Verkehrsunfälle mit Schwarzwild ist stark rückläufig“, sagt er.
Ursachen für hohe Bestände
Ein Überbestand an Schwarzkitteln sorge nicht nur für zunehmende Schäden, erklärt er weiter. Auch aus Gründen der Tierseuchenprävention sei es geboten, einen derart hohen Bestand zu reduzieren – insbesondere mit Blick auf die Afrikanische Schweinepest sei dies wichtig.
Die Ursachen für die hohen Bestände sind unterdessen vielfältig, wie der Kreisjagdmeister betont. Milde Winter und trockene Frühjahre begünstigen die Vermehrung. Hinzu komme ein ganzjährig reichhaltiges Nahrungsangebot durch Feld- und Waldfrüchte. Der Landkreis Südliche Weinstraße ist aufgrund seiner Struktur besonders von dem hohen Bestand an Wildschweinen betroffen. Die Vielzahl an Revieren im Pfälzerwald, das große Edelkastanienvorkommen sowie vorgelagerte Weinberge, Streuobstwiesen und Maisäcker bieten besonders günstige Lebensbedingungen. Die Schwarzwild-Dichte im Pfälzerwald sei seit vielen Jahren groß.
Landkreis SÜW besonders betroffen
Sollten durch die anhaltende Krise im Weinbau weitere Flächen stillgelegt werden und verwildern, könnte sich die Lage weiter verschärfen. Solche Areale bieten zusätzliche Rückzugsräume und erschweren eine nachhaltige Bestandsregulierung. Befinden sie sich nahe Wohngebieten oder Straßen, sind sie nahezu nicht bejagbar.
In benachbarten Landkreisen gibt es ähnliche Probleme, wenngleich die Abschusszahlen dort etwas niedriger liegen. Im Landkreis Südliche Weinstraße bewegt man sich derzeit wieder auf eine Rekordstrecke von rund 3000 erlegten Wildschweinen zu – ein Wert, der bereits vor einigen Jahren erreicht wurde. Diese Menge entspricht etwa 75 Tonnen Wildfleisch, das verarbeitet und vermarktet werden muss.Dies stelle Jägerschaft und Vermarktungsbetriebe vor organisatorische Herausforderungen.
Zur Regulierung finden zwischen Anfang November und Mitte Januar in vielen Revieren an nahezu allen Wochenenden Bewegungsjagden statt. Sie gelten als besonders effektiv, erforderten jedoch einen hohen personellen Aufwand, so Jörg Sigmund. Neben zahlreichen Jägern würden vor allem Stöber- und Nachsuchenhunde benötigt. Trotz Unterstützung durch Jäger aus benachbarten Bundesländern komme es dann teilweise zu Engpässen. Auch dort werde zeitgleich gejagt, zudem fehle vielen die Zeit für regelmäßige, mehrstündige Einsätze. Erschwerend komme hinzu, dass sich nicht alle Reviere an dieser Form der Bejagung beteiligten.
Seitens der Obersten und Oberen Jagdbehörde gibt es regelmäßig Appelle an die Jägerschaft zur intensiven Schwarzwildbejagung. Konkrete Zahlen werden in Abschussvereinbarungen zwischen Jagdpächtern und Verpächtern festgelegt, informiert der Kreisjagdmeister. Ein behördlich festgesetzter Mindestabschussplan bestehe derzeit nicht. In einzelnen Fällen seien Abschussanordnungen erlassen worden. Unter strengen Auflagen sei der Abschuss in befriedeten Gebieten zur Gefahren- und Schadensabwehr zulässig.
Kreisjadmeister für Abschussprämie
Besonders betroffene Schwerpunkte liegen laut Kreisjagdmeister im Raum Albersweiler, Annweiler und Rinnthal. Dort werden pro Hektar die höchsten Abschusszahlen erzielt. Sollte sich die Afrikanische Schweinepest in der Region ausbreiten, wären Gegenmaßnahmen im großflächigen Waldgebiet des Pfälzerwaldes kaum umsetzbar. Eine weitere Absenkung der Bestände gilt daher als wichtige Vorsorge. Als zusätzlichen Anreiz bringt Sigmund eine Abschussprämie ins Gespräch, wie sie in anderen Bundesländern bereits existiert.
Ab Februar wird die Bejagung von Wildschweinen wieder eingeschränkt. Mit Beginn der Frischlingszeit erfolgt die Regulierung überwiegend durch selektive Einzeljagd, um den Schutz führender Bachen zu gewährleisten, so der Kreisjagdmeister.
