Dernbach
Wildsau-Galopp durchs Dorf: Was hinter dem Facebook-Video steckt
Ein Facebook-Video lässt die Kommentarspalten überquellen. Gepostet ist es mittlerweile in mehreren Gruppen und vielfach geteilt. Allein der vom Facebook-Profil „Ramberger Geschichte und Geschichten“ weiterverbreitete Video-Beitrag wurde inzwischen weit über 200.000 Mal aufgerufen. In der Pfälzerwald-Gemeinde Dernbach sorgte eine Gruppe Wildschweine für Aufruhr. Die rannte quer durchs Dorf. Und nicht etwa auf Seitenwegen, sondern mitten auf der Ortsdurchfahrt.
Ein Autofahrer filmte den unerwarteten Sprint der Besucher aus dem Wald während er hinterher fuhr – und löste damit gleich noch einen Sturm der Entrüstung aus. Zahlreiche Kommentatoren warfen ihm vor, die Schwarzkittel mit seinem Verhalten gehetzt zu haben. Die Sau durchs Dorf getrieben– sozusagen.
Ortschef: „So etwas habe ich noch nie erlebt“
Ortsbürgermeister Bernhard Dietrich kennt die Geschichte – ist sie doch seit einer Woche das Dorfgespräch. Er wohnt selbst direkt an der Hauptstraße, aber so etwas habe er noch nie erlebt. Auch generell gebe es mit Wildschweinen in Dernbach kein Problem. Auf verwüstete Gärten treffe man hier trotz Waldnähe nicht.
Wir haken beim Kreisjagdmeister nach. Und dort erfährt man, dass diese Begegnung der besonderen Art vielleicht doch mehr als nur eine Ausnahme war. Laut Jörg Siegmund handelte es sich um eine Bache mit ihren drei Frischlingen. Diese lagen wohl in den Hecken beim Dernbacher Haus. „Irgendwie müssen sie dort gestört worden sein. Etwas hat sie aufgescheucht.“ Die Tiere seien zunächst ins Schiff geflüchtet. Weil dort wohl auch zu viele Menschen in der Nähe gewesen seien, hätten sie in Panik nach einem Ausweg gesucht – und der verlief eben quer durch Gärten und Häuserzeilen und schließlich die Straße entlang. „Am anderen Ende des Dorfes Richtung Ramberg sind sie aber unbeschadet wieder in den Wald gelangt.“
Hat der Autofahrer die Wildscheine gehetzt?
Dass der Autofahrer sie gehetzt habe, könne er in dem Video nicht erkennen. Dieser sei ja langsam gefahren. Die Tiere seien sowieso rasant unterwegs gewesen. „Die wollten einfach nur so schnell wie möglich wieder raus.“
Glücklicherweise habe es in dem Moment kaum Verkehr auf der Straße gegeben, wodurch ihnen ein Zusammenstoß mit einem Auto erspart blieb. Siegmund macht deutlich, dass die Situation auch anders hätte enden können. Wenn an einer engen Stelle ein Mensch mit Hund gestanden hätte und sie sich dadurch bedroht gefühlt hätten, hätte es durchaus gefährlich werden können. „Die hatten einen hohen Adrenalinspiegel. Hätte der Hund noch gebettelt, hätte das schon zu einem Angriff der Bache führen können.“
Ein alter Wildschwein-Wechsel
Dass die Schwarzkittel-Familie übrigens solch einen Weg durch den Ort genommen hat, ist gar nicht so ungewöhnlich, berichtet der Kreisjagdmeister. „Ich habe mit Einwohnern gesprochen. Einige ältere haben mir erzählt, dass Dernbach schon seit langer Zeit ein typischer Wildschwein-Wechsel ist – ähnlich wie Rinnthal.“ Es komme immer mal wieder vor, dass Borstentiere das Dorf queren, um von Wald zu Wald zu kommen. „Nur passiert das meistens nachts, wenn es keiner bemerkt.“
