Niederhorbach RHEINPFALZ Plus Artikel Wiesenhof-Hühnermast: Gegner zünden nächste Stufe

Jonas Jung (stehend) stellt sich bei einer Anwohnerversammlung den Fragen und der Kritik der Menschen aus Niederhorbach.
Jonas Jung (stehend) stellt sich bei einer Anwohnerversammlung den Fragen und der Kritik der Menschen aus Niederhorbach.

Die Pläne für eine Hühnermast-Anlage in Niederhorbach sorgen weiter für Unruhe. Die Anwohner entfachen heftigen Gegenwind. Der Protest hat jetzt eine neue Stufe erreicht.

Jonas Jungs Pläne sorgen für mächtig Wirbel im kleinen Niederhorbach. Wie sehr das Ansinnen des Landwirts, eine Hühnermast-Anlage für knapp 30.000 Tiere zu bauen, die Menschen bewegt, wurde bei einer Anwohnerversammlung zum Thema deutlich. Vor einer Woche war aus diesem Anlass das örtliche Festspielhaus beinahe überfüllt. Es mussten noch Stühle herbeigeholt werden, um jedem einen Sitzplatz bieten zu können. Etwa 120 Gäste waren da – eine enorme Anzahl, wenn man bedenkt, dass Niederhorbach gerade mal rund 500 Einwohner zählt. Die Wortmeldungen der Anwesenden hatten fast alle dieselbe Stoßrichtung: Eine derartige Halle für den Hähnchenfleischgiganten Wiesenhof möchten wir hier nicht haben.

Die Argumente, die vorgebracht wurden, sind schnell zusammengefasst. Es ging um einen Mangel an Tierwohl, um eine Zunahme des Lastverkehrs, um Geruchsbelästigung und um die Verschandelung der touristisch so wertvollen Landschaft. Sollte dieser Stall gebaut werden, wäre das ein riesiger Imageschaden für das Dorf und für die ganze Region, sagte einer der Anwohner.

BI: 170 Unterschriften für Bürgerbegehren

Organisiert wird der Widerstand von der jüngst gegründeten Bürgerinitiative (BI) „Südpfalz ohne Hühnermast“. Und die zündet die nächste Stufe im Kampf gegen die Hühnermast-Anlage: ein Bürgerbegehren. Ein entsprechender Antrag inklusive Unterschriftenlisten liege der Verbandsgemeindeverwaltung vor, erklärt BI-Sprecher Dirk Wollenweber. Ihm zufolge haben 170 Menschen unterschrieben. Den Eingang des Bürgerbegehrens bestätigt Thomas Cornet, geschäftsführender Beamter der VG Bad Bergzabern. Die Folgen des Begehrens für Jungs Projekt sind noch nicht absehbar. Cornet erklärt, dass das Bürgerbegehren seitens der Verwaltung auf seine Zulässigkeit geprüft werde.

Klar ist: Jung bläst der Gegenwind heftig ins Gesicht. Mittlerweile kommt der sogar aus mehreren Richtungen. Neben den Anwohnern haben sich mittlerweile auch erste politische Akteure zu den Plänen positioniert. Der SÜW-Kreisverband der Grünen sowie deren Ortsverband Bad Bergzabern lehnen den geplanten Hühnermastbetrieb ebenfalls ab. „Die Südpfalz steht für Lebensqualität, Natur, Weinbau, Tourismus und einen starken Mittelstand. Familiengeführte Handwerks- und Winzerbetriebe, Gastronomie, Direktvermarktung sowie zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen prägen unsere Region. Eine industrielle Tierhaltungsanlage dieser Größenordnung passt weder zu diesem Profil noch zu unserer Vorstellung einer nachhaltigen Entwicklung der Südpfalz“, erklärt der Kreisvorstand laut einer Mitteilung der Partei.

Grüne stellen sich klar gegen das Projekt

Neben Fragen des Tierwohls, der Belastung durch Ammoniak und Bioaerosole sowie zusätzlichem Schwerlastverkehr gehe es auch um den hohen Verbrauch natürlicher Ressourcen. „Gerade in Zeiten, in denen Bürgerinnen und Bürger in den Sommermonaten zum Wassersparen aufgerufen werden, ist ein verantwortungsvoller Umgang mit dieser Ressource unverzichtbar.“ Zur Einordnung: Jung selbst erklärt auf der Anwohnerversammlung, dass der Wasserverbrauch bei etwa 10.000 Litern pro Tag liegt. Das entspricht 50 bis 70 handelsüblichen bis zum Rand gefüllten Badewannen.

Die Grünen betonen, dass die Landwirtschaft ein wichtiger Bestandteil der Südpfalz sei. Man setze sich jedoch für eine Landwirtschaft ein, die bäuerliche Betriebe stärkt, regionale Wertschöpfung fördert und Tierwohl, Umwelt- und Klimaschutz gleichermaßen berücksichtigt. Industrielle Massenproduktion lehnen die Grünen ab.

Gemeinderat soll über Bauvoranfrage debattieren

Wie bei der Anwohnerversammlung zu sehen war, stellt sich Jung der Kritik und argumentiert aus seiner Sicht. Weder sei mit einer Geruchsbelästigung zu rechnen noch entstehe ein massiv erhöhtes Verkehrsaufkommen, erklärte er. Dass eine derartige Haltung für Hähnchen nicht optimal ist, erkennt der Landwirt an. „Jeder hat ein schlechtes Bild von Mastanlagen, jeder will aber auch möglichst günstiges Hähnchenfleisch essen“, stellte er andererseits etwas vereinfacht fest.

Ungeachtet des eingereichten Bürgerbegehrens ist geplant, dass sich am Mittwochabend Bauausschuss und Gemeinderat mit der Bauvoranfrage zur Hühnermast-Anlage beschäftigen. Der Ausschuss sollte das bereits vergangene Woche tun, die Sitzung wurde aber aus formalen Grünen kurzfristig abgesagt.

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