Herxheim
Wenn Ethik boomt: Wie viel Glaube steckt heute noch in der Osterzeit?
Ein Schüler ruft: „Süßigkeiten.“ Ein Klassenkamerad sagt: „Hasen.“ Dabei meint er nicht nur die echten, sondern auch die aus Schokolade. Danach fällt immer wieder das Wort Familie. Die Zeit mit den Lieben zu Hause und den Verwandten, die dann zu Besuch kommen – das verbinden viele mit Ostern, auf das sie sich sehr freuen.
Es ist ein Vormittag im Pamina-Schulzentrum in Herxheim. Katholische Religion, in Kurzform auch Reli genannt, steht auf dem Stundenplan dieser fünften Klasse. Bald beginnen die Ferien. Selbstverständlich freuen sich die Schüler auf die freien Tage. Wobei bis zum Schuljahresende noch einige weitere Feiertage folgen werden: Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Fronleichnam. Welchen kirchlichen Hintergrund sie alle haben, hat nicht jeder verinnerlicht. Das wird auch daran deutlich, dass vor einem jeden Feiertag ganz viele Menschen im Internet danach googeln, also recherchieren. Diesen Pfälzer Kindern allerdings muss man das nicht groß erklären, das zeigt sich beim Besuch der RHEINPFALZ.
Schüler als Messdiener aktiv
Schon relativ früh nennen die Kinder auch die Stichworte Kirche und Ostermesse, bei der die Auferstehung Jesu von den Toten gefeiert wird. Alle waren schon mal in solch einem Gottesdienst dabei, eine Schülerin erzählt, das Ganze auch mal in den frühen Morgenstunden erlebt zu haben. Das sei eine schöne Erfahrung gewesen, nur etwas früh. Ein Klassenkamerad erzählt, dass er das Fest als Messdiener begleiten werde.
Wie sich im Gespräch mit den Zehn- und Elfjährigen zeigt, sind viele gläubig. Einer erzählt, dass er jeden Abend vor dem Abendessen mit den Eltern beten würde. „Wir nutzen dabei eine Bibel-App.“ Auf die Frage, wer denn noch regelmäßig betet, gehen gleich mehrere Finger hoch. Klar wird dann zu Hause auch über Gott geredet.
Kinder können auf eigenen Wunsch Reli aufgeben
Auf den ersten Blick wundert das nicht: Herxheim ist in der Region aufgrund seiner Geschichte und Traditionen als tief katholisch geprägtes Dorf bekannt. Allerdings machen sich verschiedene Trends bemerkbar. Dass immer mehr Menschen den beiden großen christlichen Kirchen den Rücken kehren, ist längst bekannt. Für viele Familien ist es auch nicht mehr selbstverständlich, dass sie ihren Nachwuchs taufen lassen. Relativ neu dagegen ist die Entwicklung im Fach Reli beziehungsweise Ethik.
Landesweit zeigt sich, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler den Ethikunterricht besuchen. Teilweise geschieht das auf Wunsch der Kinder. Das dürfen sie, sobald sie 14 Jahre alt sind. Dann erlangen sie nämlich die Religionsmündigkeit, was nichts anderes heißt, als dass sie selbst über ihre Religionszugehörigkeit entscheiden. Wobei dies am Pamina-Schulzentrum eher punktuell der Fall ist. Das betont Magdalena Mayer, die Leiterin der Realschule.
Ethik wird auch fachfremd unterrichtet
Anders als in Baden-Württemberg können rheinland-pfälzische Schulen auf ihre Religionslehrer zurückgreifen, wenn mehr Ethikunterricht eingeplant werden müsste. Das trifft beispielsweise auf den Leiter des Gymnasiums im Alfred-Grosser-Schulzentrum zu: Pete Allmann. Er unterrichtet in Bad Bergzabern Ethik – und ist voll begeistert. „Mir ist das tatsächlich mein Ethikunterrichten eine große Freude und ein Herzensanliegen – die Verbindlichkeit liegt dann nicht nur im guten Argument, sondern eben im klugen Abwägen von Argumenten.“
An seiner Schule gleichen sich der Ethik- und Reli-Schüler immer mehr an. Gründe dafür könne er nicht nennen. „Klar ist nur, dass die großen Fragen des Lebens virulenter sind denn je, Antworten werden gesucht.“
Schüler legen Wert auf Traditionen
Am Pamina-Schulzentrum wird Ethik bei Bedarf auch fachfremd unterrichtet, dann wird meist auf Deutschlehrer zurückgegriffen, wie Magdalena Mayer berichtet. Schließlich hätten sie die Kompetenzen, Texte mit den Kindern zu analysieren und zu besprechen.
In der Grundschule hat jeder Jahrgang jeweils zwei Stunden Religion oder Ethik im Stundenplan stehen. Das setzt sich in den Klassen fünf und sechs fort. Danach kommt es auf die jeweilige Einrichtung an, wie sich das Stundenkontingent verteilt. In den Realschulen Plus, Integrierten Gesamtschulen und neunjährigen Gymnasien sind sieben Wochenstunden vorgesehen. Die Hintergründe und das Wissen über Ostern wird in allen Klassenstufen behandelt. Deutlich wird dabei auch, dass die Schüler Wert auf Traditionen legen.
Je älter die Schüler, umso tiefgründiger und kritischer sind die Themen. Welche existenziellen Fragen sie sich dabei stellen, das machen Oberstufenschüler des Evangelischen Trifels-Gymnasiums in einer Ausstellung deutlich, zu der sie aktuell in die Gedächtniskirche in Speyer einladen. Sie haben sich mit der österlichen Botschaft in künstlerischer Form auseinandergesetzt. In der historischen Kulisse werden die Schüler der Jahrgangsstufe 12, die Bildende Kunst im Grund- oder Leistungskurs haben, die Ergebnisse ihrer kreativen Spurensuche präsentieren. Die Ausstellung geht noch bis zum 16. April.