Kreis Südliche Weinstraße
Weißenburg: Warum bringen immer mehr Südpfälzerinnen ihr Kind im Elsass zur Welt?

„Ja“ war die spontane Antwort von schwangeren Frauen nach der Infoveranstaltung in der Geburtsstation des Weißenburger Krankenhauses am Samstag. „Ja“, sie würden dort entbinden, sagen sie. Was ist anders bei einer Geburt im Elsass?
Eine Sorge wurde den rund 40 Besuchern, sowohl aus dem Elsass als aus Deutschland, gleich zu Beginn der Infoveranstaltung in der Geburtsstation des Weißenburger Krankenhauses am Samstag genommen. Das Personal spricht perfekt deutsch und französisch. Und es wurden in beiden Sprachen viele Fragen gestellt, von werdenden Müttern und Vätern und von Kinderkrankenschwestern und Hebammen, die sich informieren wollten.
Geringe Kaiserschnittquote
Steffen Ackermann, Chefarzt der Gynäkologie, stammt aus Dresden und hat einige Jahre in Bad Bergzabern gearbeitet. Seit 1997 ist er Gynäkologe an der Klinik in Weißenburg und seit 2004 Chefarzt. Seinen Wohnsitz hat er nur 700 Meter vom Krankenhaus entfernt. „Da bin ich auch zu Fuß schnell da“, sagt er. Die Station für Geburtshilfe hat 16 Betten, mehr als 300 Kinder kommen pro Jahr dort zur Welt, die von insgesamt neun Hebammen betreut werden. Erstaunlich ist die Rate der Kaiserschnitte, sie liegt bei rund 15 Prozent, davon sind im Schnitt zehn Eingriffe geplant. Im Bundesdurchschnitt sind es rund 30 Prozent Kaiserschnitte.
Auch durch die Schließung der Geburtsstationen in Kandel und Germersheim sei Weißenburg für viele Südpfälzer interessant geworden, sagt Ackermann. Im Unterschied zu Deutschland werde eine Geburt in Weißenburg von einer Hebamme eigenständig geleitet. Für ihre Ausbildung sei in Frankreich ein Hochschulabschluss nötig. Der Hebamme zu Seite stehe immer eine Kinderkrankenschwester. Ein Anästhesist stehe im Haus rund um die Uhr zur Verfügung. Die Ärzte seien in Bereitschaft und würden bei Bedarf sofort gerufen.
Verlegung nach Landau möglich
Das Kind bleibe selbstverständlich bei der Mutter oder den Eltern, der Vater könne auch im Zimmer übernachten, sagt Ackermann. In der ersten Nacht sei das kostenlos, für weitere Nächte würden 50 Euro pro Nacht anfallen. In Notfällen sei eine Verlegung nach Landau sehr schnell möglich, betont der Chefarzt. „Auch eine Verlegung nach Straßburg ist möglich, das hatte ich einmal in meiner Zeit hier, weil ein Neugeborenes sehr schnell am Herzen operiert werden musste.“ Wie lange eine frischgebackene Mutter bleiben wolle oder ob sie ambulant entbinden wolle, sei ihre individuelle Entscheidung.
„Die Kosten werden übernommen, wir hatten nie Probleme mit Frauen aus Deutschland“, sagt Ackermann zu der Abrechnung mit den Krankenkassen. Auf jeden Fall sollten die werdenden Eltern mit ihrer Krankenkasse vor der Geburt Kontakt aufnehmen, um die Abrechnungsmodalitäten zu klären. In Notfällen könne eine Gebärende natürlich sofort kommen.
„Wollen keine Massenabfertigung“
„Die Nationalität des Neugeborenen richtet sich nach der Staatsbürgerschaft der Eltern“, antwortet Ackermann auf die Frage, ob ein Kind dann die französische Staatsbürgerschaft habe, wenn es in Frankreich geboren werde. Angemeldet werden müsse der neue Erdenbürger zunächst im Rathaus in Weißenburg, die Geburtsurkunde und den Eintrag ins Stammbuch bekämen die Eltern dann bei der Verwaltung des Heimatortes.
„Wir wollen keine Massenabfertigungen bei der Geburt und nicht alleine gelassen werden“, war die Motivation von Sabrina Karch und ihrem Mann aus der Südpfalz, sich zu informieren. Aus ihrer Familie habe jemand in Weißenburg entbunden und sei sehr zufrieden gewesen, sagen sie. Nach der Informationsveranstaltung sagte sie, sie könne sich vorstellen, in Weißenburg zu entbinden. Zwei weitere Schwangere schlossen sich dem an. Ihr Wunsch für die Geburt seien ein überschaubarer Rahmen und eine gute Einzelbetreuung.
Info
Mit Chefarzt Steffen Ackermann können auch individuell Termine vereinbart werden unter Telefon 0033388541127 oder per E-Mail an maternite@ch-wissenbourg.fr.