Meinung Wahl-Odyssee in Dernbach: Wer will da noch Bürgermeister werden?
Ortsbürgermeister zu sein, ist heutzutage ein hartes Brot. Die bürokratischen Anforderungen steigen stetig, die finanzielle Zwänge lassen kaum Spielräume, der Zeitaufwand reicht an den eines Vollzeitjobs heran, der Umgangston wird rauer. Man muss neben Heimatliebe schon viel Idealismus und eine harte Schale mitbringen, um sich für dieses Amt zu entscheiden. In manchen Orten ist es schon so weit, dass sich gar kein Kandidat mehr dafür findet.
Dernbach blieb dies bislang erspart. Das Dorf könnte sich glücklich schätzen. Doch stattdessen verschleißt es nun schon den zweiten Anwärter innerhalb kürzester Zeit. Beide kapitulierten nach wenigen Metern. Die Gründe dafür findet man in der Vergangenheit. Da sind zum einen zwei Straßen, die Keim anhaltender Kontroversen sind. Und zum anderen ist da ein Amtsvorgänger, der zwar nicht mehr den Chefposten will, aber auch nicht ganz loslassen kann.
Die Dorfgemeinschaft droht zu zersplittern. Diskussionen gehören dazu, und Mandatsträger müssen auch Kritik aushalten können. Doch ebenso verdient jeder, der vom Volk in dieses Ehrenamt gewählt wird, Respekt und Unterstützung. Dernbach bleibt zu wünschen, dass nach dieser Wahl-Odyssee überhaupt noch jemand willig ist und sich in der Lage sieht, den Rucksack eines Bürgermeisters zu tragen. Denn bleibt eine Gemeinde ohne, ist es ihrer Entwicklung gewiss nicht zuträglich. Projekte geraten ins Stocken, frische Ideen fehlen, das Gemeinschaftsgefühl versiegt. Dabei ist es doch gerade dieses Miteinander, von dem ein Dorf lebt. Das sollten sich alle im Dorf ins Gedächtnis rufen.
