SÜW
Verdacht gegen Kita-Erzieher: Warum ein alter Fall neue Brisanz hat
Was muss passieren, damit jemand die Kita-Leitung vor allen Eltern und Vertretern des Trägers als Drecksau beschimpft? Genau das ist kürzlich bei einem Infoabend geschehen, zu dem die Verantwortlichen der katholischen Einrichtung eingeladen hatten.
Bei dem Mann hatte sich offenbar viel Frust angestaut. Es handelt sich um den Vater eines Kindes, das die Kita bereits gewechselt hat. Die Familie war unzufrieden damit, wie mit ihrem Kind umgegangen wurde. Ihre Sorgen seien nicht ernst genommen worden, beklagt sie gegenüber der RHEINPFALZ. Dieser Fall liegt zwar einige Zeit zurück, er hat aber neue Brisanz erhalten. Denn: In gewisser Weise betrifft das nun alle Eltern dieser Kindertagesstätte im Landkreis SÜW. Denn Ausgangspunkt für den Ärger war das Verhalten eines Erziehers gegenüber dem Kind der besagten Familie. Und der steht nun im öffentlichen Fokus.
Beobachtungen im Wickelzimmer
Ob es an den Beschwerden der Eltern lag oder nicht: Vor etwa zwei Jahren verließ der Mann die Kita. Seine Personalie sorgt jetzt für Unruhe. Denn die Staatsanwaltschaft Landau ermittelt wegen des Anfangsverdachts des sexuellen Missbrauchs gegen ihn. Die Taten sollen sich in einer anderen Kita in einem anderen Ort abgespielt haben. Dort wurde er im Oktober vergangenen Jahres freigestellt. Die Beobachtungen seiner Kollegin, die sie im Wickelzimmer machte, hatte die Kirche als Übergriffe gedeutet.
Die Geschehnisse lösen nun Ängste in der Elternschaft seines früheren Dienstortes aus, in der vorherigen Kita, in der es zum besagten Wutausbruchs des einen Familienvaters kam. Eine Mutter, die beim Elternabend war, erzählt: „Natürlich habe ich mich gefragt, ob auch mein Kind irgendwie betroffen ist. Ob ich vielleicht Schilderungen meines Kindes nicht richtig interpretiert habe.“ Diese und andere Fragen hätten sich auch viele andere Familien gestellt, als sie mit den Vorfällen konfrontiert wurden. „Das Problem war, dass wir über die Kita-App benachrichtigt wurden, dass es da einen Vorfall in der anderen Kita gab. Mit dieser Nachricht wurden wir dann allein gelassen.“
Es geht um die Rolle des Kita-Trägers
Nicht nur sie habe sich überfordert gefühlt. Aus dem Reflex heraus hätten manche Eltern versucht, im Gespräch mit ihren Kindern etwas herauszufinden. Dass das jedoch keine gute Idee ist, weil es die Kinder belasten kann, erfuhren sie beim Elternabend. Der Kinderschutzbund habe sie dort sensibilisiert.
In dieser Geschichte geht es aber weniger um die Frage, ob und was der Erzieher getan hat, sondern darum, was die beiden Kita-Träger und das Bistum Speyer nicht getan haben. Ob nicht ausreichend oder schnell genug reagiert wurde, als sich über den Mann beschwert wurde. Bei dem Infoabend hieß es nämlich, die pädagogische Arbeit des Mannes sei nicht zufriedenstellend gewesen. „Was das auch immer heißen mag“, kommentiert eine Mutter. Da hätte sie sich mehr Transparenz von den Verantwortlichen gewünscht.
„Keine Emphatie beim Pfarrer“
Auch aus diesem Grund habe man den Eindruck gehabt, die Sitzung werde nur pro forma abgehalten. „Zumal ich mir das Treffen früher gewünscht hätte, gleich nachdem die Eltern der anderen Kita von den Ermittlungen erfahren hatten.“ Denn es sei doch klar, dass sich solche Sachen schnell in der Elternschaft herumsprechen würden. Und: Von Empathie sei bei den Kita-Verantwortlichen nichts zu spüren gewesen. „Das hätte ich mir mindestens vom Pfarrer gewünscht.“
Die Pressestelle des Bistums möchte sich nicht zum Arbeitsverhältnis des Mannes äußern. Sie verweist auf den Datenschutz. Nur so viel: Dem Einrichtungsträger seien „im Laufe des Stellenbesetzungsverfahrens, bei Beschäftigungsbeginn und auch danach keine Gründe bekannt gewesen, die eine Einstellung des Erziehers nicht möglich gemacht hätten“.
Kritik an Vorgehensweise des Bistums
Das Beratungsteam „Irritierte Systeme“ des Bistums Speyer, das bei Interventionen und Aufarbeitungen sexualisierter Gewalt agiert, unterstützt seit der Bekanntgabe der Ermittlungen das Kita-Team und die Elternschaft. Das hatte eine RHEINPFALZ-Leser aber kürzlich kritisiert. Sie fragt sich, wieso die Aufgabe nicht an eine externe Stelle vergeben wird.
Darauf erwidert das Bistum, dass das Beratungssystem außerhalb der Trägerstruktur der Kitas angesiedelt sei. „Die Berater verfügen über zusätzliche Ausbildungen, um in Situationen, bei denen es zu Grenzverletzungen oder Übergriffen gekommen ist, die beteiligten Personen und Institutionen zu begleiten, zu beraten und zu unterstützen.“ Dies geschehe zusätzlich zu der Arbeit der Interventionsbeauftragten. „Die Einbindung des Kinderschutzdienstes als externes Unterstützungssystem ist ebenfalls ein Mittel.“ Und durch die Meldung an das Landesjugendamt seien externe Stellen unmittelbar eingebunden.