Annweiler
Traditionslokal stand 10 Jahre leer: Kreuzfahrt-Koch wagt den Neustart
Seit fast einem Jahrzehnt sind in dem markanten Fachwerkbau mit seinen ochsenblutroten Holzbalken inmitten der Annweilerer Altstadt die Lichter aus. Doch hinter den dunklen Ornamentscheiben hat sich in dieser Zeit so einiges getan. Der Kopf dahinter ist ein 37-jähriger Annweilerer, der elf Jahre die Weltmeere bereiste und nun wieder im Heimathafen vor Anker gegangen ist.
Generationen von Pfälzern haben es sich im „Storchentor“ schon schmecken lassen. Und das ist jetzt nicht bloß eine Floskel. Denn es liegt nun schon fast 500 Jahre zurück, dass in dem altehrwürdigen Gemäuer, das einst Teil der Stadtmauer war, eine Wirtschaft öffnete. Mit dem ersten Eintrag von 1560 sei es das älteste Gasthaus an der Südlichen Weinstraße, erzählt Dominik Spielberger.
Neun Jahre Umbau hinter verschlossenen Türen
Zusammen mit seiner Mutter kaufte er vor neun Jahren das denkmalgeschützte Haus, nachdem der damalige Wirt es verlassen hatte. Seitdem arbeitete er hinter verschlossenen Türen Schritt für Schritt an der Erfüllung seines Traumes vom eigenen Restaurant. Nun ist es so weit. Am Freitag wird das Traditionshaus wieder öffnen. Doch was sich dann im Inneren abspielt, wird eine ganz andere Nummer sein als bisher.
Denn Dominik Spielberger ist nicht nur ein ziemlich begabter Hobby-Handwerker – die komplette Sanierung und Einrichtung des Hauses meisterte er nahezu alleine, ausschließlich während seiner Heimaturlaube –, sondern er ist vor allem ein ausgezeichneter Koch. „Lokal verwurzelt – global inspiriert“: So wie er seine Küche beschreibt, so könnte auch der Titel seines ganzen Lebens lauten.
Vom Annweilerer Lehrling zum Küchenchef auf See
Aufgewachsen in der Trifelsstadt, machte er seine Kochausbildung im renommierten Restaurant Schneider in Dernbach bei Petra Roth-Püngeler, die 1987 als erste Frau den Weltmeistertitel der Chaîne des Rôtisseurs gewonnen hatte. Dort lernte er das Handwerk der französischen Küche – „und vor allem Disziplin, Präzision und Respekt vor den Produkten“, wie er sagt.
Danach setzte er eine Ausbildung zum Konditor auf, und zwar im Café Escher in Annweiler. „Dort wurde mein Gespür für Süße, Textur und Detailarbeit geschärft.“ Für zwei Jahre arbeitete er im Steigenberger-Hotel Mannheimer Hof, bevor er seinen Jugendtraum wahr machte und zur See fuhr. Und das nicht auf irgendeinem Touri-Dampfer, sondern auf einem der luxuriösesten Kreuzfahrtschiffe weltweit – der MS Europa 2. Der 5-Sterne-plus-Liner der deutschen Reederei Hapag-Lloyd wurde seit seiner Jungfernfahrt 2013 mehrfach als bestes Schiff der Welt ausgezeichnet. Bereits ein Jahr später gehörte auch schon Spielberger zur Crew für die maximal 500 Gäste. „Namen darf ich nicht nennen, aber da war auch schon einiges an Prominenz dabei – von Politik bis Showbusiness“, verrät er.
Blutwurstpraline: Ein Hauch Pfalz in Übersee
Das Schiff spielt auch kulinarisch in einer eigenen Liga und beherbergt sieben Gourmetrestaurants. An Bord arbeitete der Pfälzer zunächst in der Patisserie. „Dann habe ich mich hochgearbeitet – bis zum Küchenchef“, erzählt er. In den letzten 2,5 Jahren war er damit Kopf aller sieben Restaurants. Und das bedeutet auf einem Schiff wie diesem, vier Monate im Voraus Waren zu bestellen, um am Boarding-Tag 80 Tonnen Lebensmittel in den Stahlkoloss zu bugsieren. Bei seinen kulinarischen Kreationen ließ er sich von den fernen Ländern inspirieren, zu denen die MS Europa 2 in See stach. Aber auch ein Hauch Pfalz durfte Einzug in die Küche halten. „Für so etwas wie eine Blutwurstpraline muss man zwar ein bisschen mutig sein, aber ich konnte die Gäste damit begeistern“, freut er sich.
Und genau jene „Hommage an die Heimat“ können Gäste künftig auch in Annweiler probieren. Auf der Karte des neuen „Zum Storchentor“ trifft Pfälzer Bodenständigkeit auf asiatische Aromen-Bomben und frischen Pfiff. „Für mich muss Essen nicht kompliziert sein, sondern ehrlich begeistern“, sagt er.
Zwischen Pfälzer Klassik und Aromen aus aller Welt
A la carte finden sich da etwa Tempura von Wildfang-Rotgarnelen mit Wakame-Alge und Sesamcreme oder Ragout fin vom Hirsch mit Kastanien-Hummus und Ras el-Hanout. Aber natürlich darf auch die Pfalz-Trilogie mit Saumagen, Bratwurst und Leberknödel nicht fehlen. Vegetarische und vegane Alternativen seien auch möglich. Später will er ein Chef-Menü einführen. Drei Gänge sollen dann zum Preis von 50 bis 60 Euro zu haben sein. Auf der „kleinen Weinkarte“ finden sich 55 Weine von 20 Pfälzer und internationalen Spitzenwinzern.
45 Gäste finden in dem detailverliebt von ihm hergerichteten alten Gasthaus Platz – das übrigens, gegen den Öffnungszeiten-Strich gebügelt, montags keinen Ruhetag hat. Mit seinem dunklen Holzmobiliar, den aufgearbeiteten Wandgemälden mit den namensgebenden Störchen und den alten Zeichnungen Annweilerer Wahrzeichen, die er auf Opas Speicher fand, atmet es den Charme alter Zeiten. Modern aufgepimpt mit hellem Wand-Anstrich, selbst verlegtem Steinfliesen-Boden und eleganter Tischgarnitur.
Info
Das Restaurant an der Ecke Altenstraße/Am Storchentor eröffnet am Freitag, 17. April, 17 Uhr. Bei Aperitif und Häppchen können Besucher einen ersten Eindruck bekommen. Öffnungszeiten: Montag 17.30 - 21 Uhr, Dienstag & Mittwoch Ruhetag, Donnerstag & Freitag 17.30 - 21 Uhr, Samstag & Sonntag 12 - 14 Uhr und 17.30 - 21 Uhr. Kontakt: Telefon 06346 3080444, E-Mail info@restaurant-storchentor.de





