Schweigen-Rechtenbach
Tankstelle am Weintor: Anwohner protestieren gegen Investoren-Idee
Der Landauer Unternehmer Thomas Frühmesser, Geschäftsführer des gleichnamigen Mineralölhandels, hat eine Idee: Auf einem Grundstück in Schweigen-Rechtenbach, das ihm gehört, kann er sich eine Tankstelle vorstellen. Das Areal direkt an der Weinstraße/B38 grenzt unmittelbar an die Rechtenbacher Wohnbebauung an und liegt in Sichtweite zum Deutschen Weintor. Öffentlich bekannt sind seine Gedanken, seit sich der Gemeinderat mit einer entsprechenden Bauvoranfrage beschäftigt hat – und diese abgelehnt hat.
Die Dimension sei zu groß, sagte Schweigen-Rechtenbachs Erster Beigeordneter Ronny Bodenseh (CDU) zu den Gründen. Zumal er ebenso wie Ortsbürgermeisterin Sabine Bentz (FWG) wisse, dass nicht jeder im Dorf von Frühmessers Idee begeistert ist. Wie sehr das Thema vor allem die Menschen umtreibt, die in der Nachbarschaft des potenziellen Tankstellen-Standorts wohnen, wird bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats deutlich.
Ungewohnt viele Anwohner in der Ratssitzung
Ungewohnt viele Schweigen-Rechtenbacher wollen an diesem Donnerstagabend im Bürgerhaus mit dabei sein – auch wenn das Thema Tankstelle auf der Tagesordnung nicht auftaucht. Sie nutzen die Einwohnerfragestunde, um ihrem Ärger Luft zu machen und ihre Besorgnis zum Ausdruck zu bringen. Die einhellige Meinung derer, die das Wort ergreifen: Eine Tankstelle an diesem Ort muss unbedingt verhindert werden. Zu denjenigen, die alle Hebel in Bewegung setzen, um die Umsetzung der Idee zu verhindern, zählt Uwe Zwally. Gemeinsam mit weiteren Anwohnern hat er einen offenen Brief in den sozialen Medien veröffentlicht, in dem die Kritikpunkte aufgelistet sind.
„Eine Tankstelle bringt zwangsläufig zusätzlichen Verkehr mit sich“, heißt es in dem Schreiben. Schon jetzt sei die Verkehrssituation rund um das Weintor zu Stoßzeiten angespannt. „Mehr Verkehr bedeutet mehr Lärm, mehr Abgase und ein erhöhtes Sicherheitsrisiko, insbesondere für Fußgänger, Radfahrer und Familien.“
Was gebaut wird, steht noch in den Sternen
Eine weitere Sorge der Rechtenbacher Anwohner ist, dass das Orts- und Landschaftsbild negativ beeinträchtigt würde. Das Umfeld des Weintors sei geprägt von Weinbergen, Naturflächen und historischer Architektur. „Eine Tankstellenanlage mit Beleuchtung, Werbeanlagen und Versiegelung von Flächen würde das gewachsene Erscheinungsbild erheblich verändern und den ersten Eindruck unseres Weinorts nachhaltig prägen.“
Zur Einordnung: Es gibt bei Weitem noch keine konkreten Pläne für eine Tankstelle nahe des Weintors. Die vom Gemeinderat abgelehnte Bauvoranfrage liegt zunächst einmal bei der Kreisverwaltung SÜW. Sie muss darüber befinden, ob das Vorhaben grundsätzlich genehmigungsfähig ist. Selbst wenn die Behörde das bejahen würde, hieße das noch lange nicht, dass die Tankstelle kommt. Frühmesser betont, dass er mit den Verantwortlichen der Ortsgemeinde besprechen wolle, ob man sich an dieser Stelle einen solchen Bau überhaupt vorstellen könne. „Was auf dem Grundstück einmal gebaut wird, steht in den Sternen“, sagt der Unternehmer.