Kreis Südliche Weinstraße „Tag des gelebten Miteinanders“

Sie träumen von einer Karriere in der Hotel- und Gaststättenbranche: 37 junge Spanier im Alter zwischen 18 und 23 Jahre starten nach den Sommerferien in der Hotelfachschule Südliche Weinstraße in Edenkoben das erste Jahr des dualen Ausbildungskonzeptes. Zum Auftakt ihrer Tätigkeit in der Pfalz wurden die Spanier in der Berufsbildenden Schule SÜW bei einem Empfang feierlich begrüßt.

„Heute ist ein großer Tag für Europa, für die Pfalz, die Südliche Weinstraße sowie die Hotelfachschule in Edenkoben“, sagte Schulleiter Helmut Schweder. Er sprach von einem „Tag des gelebten Miteinanders in Europa“. Er zeigte sich erfreut, dass die gemeinsamen Bemühen von Schule, Arbeitsagentur Landau und dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) im Zuge des Mobilitätsprogramms „MobiPro-EU“ spanische Jugendliche für die berufliche Ausbildung in der Gastronomie der Pfalz zu gewinnen, erfolgreich waren. Zur Lösung des Problems, Fachkräftemangel in Deutschland einerseits und Arbeitslosigkeit in Südeuropa auf der anderen Seite, soll das Förderprogramm beitragen. Damals als Bundesarbeitsministerin war Ursula von der Leyen eigens nach Madrid geflogen, um mit ihrer spanischen Amtskollegin ein Abkommen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu unterzeichnen. Die Nachfrage sei mittlerweile größer als ursprünglich angenommen, so Schweder. Während in Spanien jeder zweite Jugendliche arbeitslos und ohne berufliche Perspektive ist, suchen die Gastronomiebetriebe und Hotels entlang der Ferienregion Deutsche Weinstraße händeringend Fachkräfte und Auszubildende. Diese Situation hatte Helmut Schweder zu der Initiative veranlasst, Jugendliche in Spanien anzuwerben, die in der Gastronomie der Pfalz ausgebildet und danach als Fachkräfte übernommen werden. Die jungen Spanier haben in den zurückliegenden Wochen auf Mallorca in einem Intensivkurs Deutsch gebüffelt und sich für die berufliche Ausbildung in der Pfalz vorbereitet. Nach einem zweimonatigen Praktikum in renommierten gastronomischen Betrieben an der Südlichen Weinstraße, im Landkreis Bad Dürkheim sowie im Dahner Felsenland, die auch für die Unterkunft sorgen, beginnt zum neuen Schuljahr „der Ernst des Lebens“. Die berufliche Ausbildung beispielsweise zum Koch dauert drei Jahre und endet mit der Abschlussprüfung vor der IHK. Begleitet wird diese Ausbildung mit entsprechenden Sprachkursen sowie einem Freizeit- und Integrationsprogramm, damit sich die Spanier in der Pfalz wohlfühlen und möglichst viele gut ausgebildete Fachkräfte der Region erhalten bleiben. Nach dem Kennenlernen der Schule und des Unterrichtsablaufs werden die Iberer mit Fahrplänen der öffentlichen Verkehrsmittel vertraut gemacht, erfahren etwas über Ausbildungsvergütung und Versicherungen, bekommen einen Empfang von der Stadt Edenkoben oder treffen sich zum Klettern im Dahner Felsenland. Kreisbeigeordneter Bernd E. Lauerbach unterstrich die Bedeutung von Tourismus und Weinbau an der Südlichen Weinstraße. Der SPD-Landtagsabgeordnete Wolfgang Schwarz lud die Spanier zu einem Besuch nach Mainz ein. Edenkobens Stadtbürgermeister Werner Kastner sagte: „Sie haben ihre Heimat verlassen, um bei uns eine Berufsausbildung zu absolvieren. Damit haben sie Mut bewiesen. Schön, dass sie da sind.“ Konrad Stephan von der Arbeitsagentur in Landau zollte den jungen Spaniern großen Respekt für die Bereitschaft zu dem Abenteuer, weit weg von zu Hause die Ausbildung zu absolvieren. Stephan ging auf die veränderte Arbeitsmarktsituation vor dem Hintergrund ein, dass schon heute jeder dritte Berufstätige älter als 50 Jahre sei. Gereon Haumann, Präsident der Dehoga Rheinland-Pfalz, sieht das Gastgewerbe als das Sprungbrett in die Welt. Derzeit gebe es in Rheinland-Pfalz 5000 Auszubildende in der Gastronomie. Die Perspektiven seien großartig: In fünf Jahren stünden 60 Prozent der rheinland-pfälzischen Bertriebe vor der Entscheidung der Betriebsnachfolge. (som)

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