Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Streit um Radverkehr in Gegenrichtung: Kehrtwende der Stadt

Die Altenstraße ist eng, meist zugeparkt und hat nur einen schmalen Gehweg. Das führte bei beidseitigem Radverkehr immer wieder
Die Altenstraße ist eng, meist zugeparkt und hat nur einen schmalen Gehweg. Das führte bei beidseitigem Radverkehr immer wieder zu Gefahrensituationen.

Zu eng, zu riskant. Nach hitziger Debatte zieht Annweiler die Reißleine und beendet den Gegenverkehr für Räder in der Altenstraße. Wo führt der Queichtalradweg nun entlang?

Schon als die Regel 2023 eingeführt wurde, führte sie zu Unmut in der Trifelsstadt. Und über die Jahre verzog sich der Ärger nicht, sondern bauschte sich nur noch mehr auf. Die Rede ist von der „Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung“. Namentlich geht’s um die Altenstraße.

Radfahren gegen die Einbahnstraße: Das wird in der Altenstraße bald wieder der Vergangenheit angehören.
Radfahren gegen die Einbahnstraße: Das wird in der Altenstraße bald wieder der Vergangenheit angehören.

Bestes Beispiel lieferte die Stadtratssitzung vor Kurzem, in der in der Einwohnerfragestunde beide Seiten wortstark für ihre Sache eintraten. Die Zweiradfans hätten am liebsten noch mehr derart geöffnete Straßen in Annweiler, während Fußgänger und Autofahrer von immer wieder brenzligen Situationen durch den Gegenverkehr berichteten.

Immer wieder Gefahrenlagen auf Altenstraße

Wie in der Sitzung versprochen, hat der Verkehrsausschuss das Thema nun auf die Agenda gesetzt und einen Beschluss gefasst: „Wir haben die Öffnung der Altenstraße für Radfahrer wieder aufgehoben“, berichtet der für Mobilität zuständige Beigeordnete Florian Funk. Grund: „die Gefahrenlage“. Glücklicherweise sei es seit der Einführung zu keinem Personenschaden gekommen, wie ihm die Polizei auf seine Nachfrage hin berichtet habe. Aber ein Zusammenstoß zwischen einem Fahrradreifen und einer Stoßstange sei belegt. Zudem hätten immer wieder Bürger berichtet, dass es gerade für ältere Menschen und Kinder gefährlich würde, wenn sie auf der engen Straße neben Autos auch noch auf Radler aus beiden Richtungen träfen. Wegen der beengten Verhältnisse könne der Überholabstand von 1,50 Meter praktisch nicht eingehalten werden, sagt Funk. So sei Situation einfach nicht tragbar. „Das hat für viel Ärger gesorgt.“

Deswegen hat der Verkehrsausschuss entschieden, die Radfahrer nun auf der anderen Seite des Rathausplatzes – über den Flitschberg – entlangzuführen. Dort dann in Fahrtrichtung der Einbahnstraße. Für den städtischen und touristischen Verkehr auf dem Queichtalradweg heißt es also nun, wer in Richtung Osten durch die Altstadt radeln will, wird über den Südring, vorbei am ehemaligen Krankenhaus, den Flitschberg hinunter, zur Hauptstraße, links in die Quodgasse zurück auf die Wassergasse geführt.

An dieser Stelle finden Sie Kartenmaterial von Google Maps.

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Queichtalradweg alt und neu

Nach der Neuregelung 2022 führte der Queichtalradweg Richtung Osten durch die Altstadt über Altenstraße, Am Storchentor und Gerbergasse – die Altenstraße war dafür in beide Richtungen für Radler freigegeben. Diese Regelung wird nun zurückgenommen. Dann verläuft die Route vom Südring am ehemaligen Krankenhaus vorbei, den Flitschberg hinunter zur Hauptstraße, dann über die Quodgasse zurück auf die Wassergasse.

„Größeren Blödsinn kann man sich kaum einfallen lassen“

Die Verbandsgemeinde hatte die Einbahnstraße für Radler beidseitig geöffnet, um damit eine Lücke des Queichtalradwegs durch Annweiler zu schließen. Schon bei der Anordnung vor zwei Jahren quillten die Kommentarspalten in den sozialen Netzwerken über. Auszug: „Einen größeren Blödsinn kann man sich kaum einfallen lassen.“ oder „Diese Idee ist und bleibt aus Sicht der Verkehrssicherheit bescheuert.“

Die Straße sei jetzt schon für Autos eigentlich zu eng, prophezeiten die Kommentatoren. Schmale Gehwege, rechts geparkte Autos – wohin sollten Radfahrer oder Autofahrer ausweichen, wenn sie an dieser Stelle im Gegenverkehr aufeinandertreffen? Sie behielten recht. Die Neuregelung hielt der Realität nicht stand. Laut Funk ist die Verwaltung gerade dabei, die Neuregelung umzusetzen. Wegen der Verelgung des Radwegs ist dies aufwendiger. Die neue Beschilderung werde dann beim LBM erstellt.

Diese Schilder kommen bald weg. Dann wird der Radverkehr Richtung Stadtmitte entlang des Klinikums und über den Flitschberg gefü
Diese Schilder kommen bald weg. Dann wird der Radverkehr Richtung Stadtmitte entlang des Klinikums und über den Flitschberg geführt.

So reagiert der ADFC auf die Aufhebung der Regelung

Annweiler hatte sich der Einbahnstraße nach einer Novelle der Straßenverkehrsordnung angenommen, die Behörden bundesweit dazu auffordert, aktiv zu werden, indem sie die alte Kann-Bestimmung in eine Soll-Bestimmung für die Öffnung von Einbahnstraßen geändert hat, wie Michael Schindler, Vorsitzender des Kreisverbands Landau-SÜW des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs, festhält. Politisch sei die Radverkehrsförderung durch die Verbandsgemeinde und ihr Klimaschutzkonzept abgesegnet und als klares Ziel formuliert. Mit der Aufhebung der Regelung in der Altenstraße habe sich der Verkehrsausschuss für ein „besonnenes, konzeptionelles Vorgehen“ entschieden. „Die Maßnahmen sollen einerseits den Radverkehr fördern, gleichzeitig aber auch die Unfallverhütung optimieren und für Akzeptanz in der Bevölkerung sorgen“, sagt er.

Gleichzeitig wurde die städtische AG Radverkehr wieder ins Leben gerufen, die sich künftig Radfahrthemen widmen wird.

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