Kreis Südliche Weinstraße So manche Schwachstelle ausgemerzt

Böllenborn. Konsequenz, Visionen und Fleiß brauche man als Ortsbürgermeister, sagt Gerhard Fleck. Der gebürtige Böllenborner hat 30 Jahre lang als Ortschef die Geschicke der Gemeinde gelenkt. Seine Vision von der Erneuerung hat sich erfüllt. „Im Dorf ist alles gemacht“, lautet seine Bilanz. Der Gemeinderat hat Gerhard Fleck kürzlich zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt.

„Man muss wissen, was man will, versuchen, es durchzusetzen und die Argumente dafür und dagegen überdenken, egal von wem sie kommen“, sagt der 66-Jährige, dessen Herz auch für die Annexe Reisdorf schlägt. Er kennt jeden Weg, jedes Haus und jede Schwachstelle. Zurzeit sind es die Leerstände in der Gemeinde, über die er sich Gedanken macht, auch wenn er nicht mehr an verantwortlicher Stelle steht. Hier würde er sich einen kommunalen Gebäudemanager wünschen, als Verbindungsglied zwischen Hausbesitzern und potenziellen Käufern. „Es war Verantwortungsgefühl“, sagt Fleck zu seiner Motivation, im Jahr 1974 den Posten des Ortsbürgermeisters anzunehmen. „Straßen waren nicht ausgebaut, der Dorfplatz war ein unschöner Anblick und ich wollte Fremdenverkehr ins Dorf bringen“, erinnert er sich an die Anfänge. Böllenborn habe als erste Gemeinde der Verbandsgemeinde den dann von vielen Gemeinden beauftragten Dorfplaner Pröll geholt: „Ohne Dorfentwicklungsplan ging nichts“, sagt der Altbürgermeister. Straßen wurden unter seiner Regie ausgebaut, Kanalisation gelegt, Brunnen wieder instand gesetzt oder nachgebaut. 1994 wurde das Bürgerhaus gebaut, an das der Spielplatz und ein Freizeitgelände angrenzen. Auf diesem steht der große, in Eigenleistung gebaute Backofen, in dem beim Brotbackfest wie früher gebacken wird. Gerhard Fleck ist einer der „Bäcker“. Rund 3,5 Millionen Euro sind in all den Jahren in die Dorferneuerung geflossen. Seine Vision von Fremdenverkehr hat sich ebenfalls erfüllt. „In Hochzeiten hatten wir mit Reisdorf zusammen 64 Betten und 7000 Übernachtungen pro Jahr mit einer hohen Verweildauer der Gäste“, erzählt der Altbürgermeister, der ein Händchen für die Finanzen der Gemeinde hatte. 2007 wurde ein großes Dorferneuerungsfest gefeiert. „Trotz Ärger hat es Spaß gemacht zu gestalten“, sagt Fleck. Gelernt hat der seit 1973 mit Frau Brigitte verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes Buchdrucker. Den praktischen Teil absolvierte er bei Pfeifer und Weßbecher in Bad Bergzabern, den theoretischen in der grafischen Fachschule in Neustadt. Nach dem Besuch der Berufsaufbauschule hat er sieben Jahre beim Badenia-Verlag in Karlsruhe gearbeitet. Bis zur politischen Orientierung. 1972 trat Gerhard Fleck in die CDU ein. „Ich habe damals die Politik Helmut Kohls verfolgt und gut gefunden“, sagt er. Ab 1974 war Fleck hauptberuflich in der Geschäftsstelle der CDU in Landau tätig, er kümmerte sich um den Aufbau und die organisatorischen Strukturen von mehr als 100 Ortsverbänden. 1992 wurde er Geschäftsführer des Kreisverbands mit rund 4500 Parteimitgliedern. „Ich hab immer zu knoddle“, sagt Fleck heute. Er ist im PWV-Vorstand, wandert gerne und ist stellvertretender Verwaltungsrats-Vorsitzender der Kirchenstiftung. Fußball spielt er nicht mehr, aber in der Regel hängt ein Fisch am Haken, wenn er angeln geht. „Der Klügere gibt nach, hat bei mir nie gezählt, sonst bestimmen ja die Dummen“, sagt der Altbürgermeister und Ehrenbürger schmunzelnd. (pfn)

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