Kreis Südliche Weinstraße
Schwestern aus Kandel setzten auf vegane Ernährung
Power-Frauen: Zwei Schwestern aus Kandel haben sich ihren Traum von der Selbstständigkeit erfüllt. Sie betreiben jeweils ein Gewerbe, in dem vegane Ernährung großgeschrieben wird. Patricia Rohr bereitet Burger zu, Barbara Zeiss zaubert vegane Desserts. Wie kommt es, dass sie kein gemeinsames Lokal führen?
Patricia Rohr betreibt mit ihrem Mann Pascal einen Burgerladen, in dem nicht nur Fleisch, sondern auch vegane Linsen-Gemüse-Pattys in der Pfanne brutzeln. Ihre Schwester Barbara Zeiss zaubert für Kunden hingegen vegane Nachtische. Patrica Rohr und Barbara Zeiss könnten genauso gut gemeinsam ein Lokal führen, setzen beide doch auf fleischfreie Ernährung. Das wäre aber nur theoretisch möglich. Denn während Patricia Rohr in Landau, nur wenige Kilometer von ihrem Heimatort Kandel entfernt, arbeitet, hat sich ihre ältere Schwester in San Diego/Kalifornien als Unternehmerin selbstständig gemacht.
Patricia Rohr wollte ursprünglich einen Suppenladen eröffnen, ihr Mann Pascal träumte davon, eine Kneipe zu führen. Statt den Suppenlöffel zu schwingen oder Bier und Weizen zu zapfen, stehen sie nun überwiegend am Küchenherd. Am Ende wurde es nämlich ein Burgerladen, den das Paar seit Herbst vergangenen Jahres in der Weißenburger Straße betreibt. „Das hat sich so ergeben“, erzählt Patricia Rohr. Burger würde Menschen jeden Alters schmecken, weshalb sie sich darauf einigten, „Rohrs Craft Burger“ zu eröffnen. Die Burger-Namen Solana Beach und Oceanside sind nicht nur extravagant, sondern auch einfallsreich. Sie erinnern die Rohrs nämlich an ihre Flitterwochen, die sie bei Barbara Zeiss in Kalifornien verbrachten. Solana Beach hieß der Strand, an der Oceanside war die Unterkunft der Rohrs.
Als der Arbeitgeberwechsel platzte
Barbara Zeiss lebt seit knapp zehn Jahren im Ausland. War sie anfangs noch in Sydney heimisch, zog es sie der Liebe wegen vor drei Jahren in die USA. „Ich habe mich schon als Kind für gesunde Ernährung und Lebensweise interessiert“, erzählt Zeiss beim Telefongespräch mit der RHEINPFALZ. So kam es, dass sie den Weg in die Gesundheitsbranche einschlug. Nach ihrem Studium der Fitnessökonomie in Berlin war Zeiss anfangs in einem Fitnessstudio tätig. Als ein Arbeitgeberwechsel kurzfristig platzte, machte sie Urlaub in Australien, um sich zu sortieren. Zeiss verliebte sich jedoch in Land und Leute, weshalb sie beschloss, nach Down Under auszuwandern. Dort nahm sie einen Job bei einem Hersteller von Fitnessgeräten an, dem sie auch später in den USA nachging. Im Mai 2017 machte sie sich selbstständig.
„Rawsome Delights“ lautet der Name ihrer Manufaktur, die sie zusammen mit drei Mitarbeitern betreibt. „Wir stellen vegane Desserts her, beispielsweise Käsekuchen und kleine Bällchen aus Kokosnuss und Datteln. Die Waren verkaufen wir an Cafés und Restaurants, auch für besondere Anlässe können wir gebucht werden“, erzählt die Südpfälzerin. 5000 Euro habe sie anfangs für Geräte ausgegeben, im Laufe der Jahre kamen noch weitere hinzu. Die Investitionen lohnten sich, es geht voran.
Wenn die Pläne verworfen werden
60.000 Euro erwirtschaftete Zeiss im vergangenen Jahr. Diese Marke hat sie bereits zur Jahresmitte erreicht. Der Gewinn sei aber relativ niedrig, da die Ausgaben in San Diego vergleichsweise hoch seien. Nichtsdestotrotz hat Zeiss bereits eine Lokal im Auge, wo sie sich niederlassen möchte. Damit sie ihre Köstlichkeiten auch an einem festen Standort betreibt. Den Kundenkontakt hat sie bislang nur auf dem Wochenmarkt, wo sie immer mit einem Stand vertreten ist.
Eigentlich wollten die Rohrs sich erst im Laufe dieses Jahres in der Südpfalz selbstständig machen. Patricia Rohr steckt nämlich noch mitten in ihren Abschlussprüfungen. Sie studiert Psychologie, Germanistik und Politikwissenschaften. Doch als das Ehepaar davon Wind bekam, dass der Vorbesitzer des Ladens in der Weißenburger Straße aufgibt, ergriffen sie früher als geplant die Chance, ihr eigener Chef zu sein.
Patricia und Pascal Rohr haben 30.000 Euro investiert, um sich den Traum von einen eigenen Laden zu erfüllen. Das Geschäft laufe gut. Die Rohrs erwarten einen Jahresumsatz im sechststelligen Bereich. Und das, obwohl ihr Burgerladen nicht von Laufkundschaft leben kann. Befindet er sich doch abseits der Innenstadt. Doch schon bald sind die Rohrs näher an den Bürgern.
Über Heim- und Fernweh
Die Landauer wollen demnächst mit einem Foodtruck durch die Stadt touren. Allerdings werden sie dabei nicht Burger, sondern Hot Dogs verkaufen. „Die sind schneller fertig, außerdem ergänzt das unser Angebot gut“, erzählt Patricia Rohr. 10.000 Euro haben die Landauer investiert, um einen alten, roten Piaggio in einen Foodtruck umzuwandeln. Geplant sei, mit dem Wagen auf dem Wochenmarkt und bei diversen Festen Halt zu machen. Bis Herbst soll das zweite Standbein stehen.
Aber ist es möglich, dass die Schwestern doch irgendwann ein gemeinsames Lokal führen? In Deutschland zumindest nicht. Barbara Zeiss kann sich eine Rückkehr nach Deutschland nämlich nicht vorstellen. Sie sei glücklich in den USA, vor allem wegen der positiven Einstellung der Menschen und der hohen Lebensqualität dort. Und doch kann es sein, dass die Schwestern in ferner Zukunft wieder vereint sind. Patricia Rohr verrät: „Wir könnten uns gut vorstellen, irgendwann auszuwandern. Kalifornien würde uns reizen.“