Annweiler
„Schneise der Verwüstung“: Lkw-Ärger auf der B10-Umleitung
Das Schild steht nicht mehr. Flach liegt der rot-weiß gestreifte Mast mit dem blauen Rundschild auf der kleinen Verkehrsinsel vor dem Hohenstaufensaal. Ein niedergestreckter Hinweis auf querende Fußgänger an dieser Stelle der Straße, als hätte die B10-Umleitung ihm im Vorbeirauschen eine mitgegeben. Ein paar Meter weiter: herausgebrochene Platten an einer Treppe, bröselnder Stein, grauer Staub. Und eine blaue Autostoßstange, vorne aufgerissen.
„Eine Schneise der Verwüstung“ hinterließen fehlgeleitete Trucker mit ihren Großkalibern auf Rädern im Trifelsstädtchen. Martin Graf ist wütend. Wieder einmal. Seit die Tunnel dicht sind, hat der Ärger für ihn einen Namen: B10-Umleitung. Und wer den engagierten Annweilerer Bürger kennt, weiß: Leise Zwischentöne sind dann eher nicht sein Hauptinstrument. Graf wohnt nicht irgendwo an der langen Ortsdurchfahrt, sondern an ihrer übelsten Reibestelle – an der zentralen Doppelkurve am Hohenstaufensaal. Jeden Tag hat er das Asphalt-Chaos vor Augen.
Kaputte Treppen, kaputte Autos, kaputte Schilder
Und dabei beobachte er auch regelmäßig Lastwagenfahrer, die durch die Innenstadt fahren, obwohl diese für Lkw gesperrt und zudem viel zu eng für solch rollende Brocken sei. Und was tun die verirrten Brummi-Fahrer dann? „Sie bahnen sich mit brachialer Gewalt in verbotener Weise einen eigenen Weg“ durch den Stadtkern. Zurück bleiben kaputte Treppen, kaputte Geländer, kaputte Schilder, kaputte Autos.
Wie jener blaue Kia. Letztens habe sich ein litauischer Lkw-Fahrer in der Altstadt verirrt, sei nicht weitergekommen und habe versucht, rückwärts wieder herauszufahren, erzählt Graf. Am Morgen noch vor 6 Uhr habe sich das Ganze abgespielt, wie auch der Polizeibericht bestätigt. Darin heißt es, dass der Lkw beim Einbiegen in die Nachtweide mit seiner Front den geparkten Kia touchierte. Und wenn ein großer Lkw einen kleinen Kia touchiert, ist das mehr als ein kleiner Kratzer. Schaden: 5000 Euro. Und für den Fahrer ein Verwarnungsgeld. Und bei diesem Fall bleibe es nicht, sagt Graf. Und meist sei danach „von den Tätern keine Spur“.
Lampenmast wie „Schiefer Turm von Pisa“
„Wo nichts mehr geht, wird rücksichtslos alles zermalmt, was hinderlich im Weg ist“, echauffiert er sich. Wie an der Treppenanlage der Zahnarzt-Praxis in der Hauptstraße. Dort seien Platten herausgebrochen, Stein bröselt, das Geländer ist beschädigt. Für Graf ist klar: Das sind Spuren der Laster. Dann meldet sich noch Günter Frey bei ihm, mit Graf im Verein „Rettet die Kapelle“ aktiv. Dieser habe kurz vorm schon den nächsten Schaden entdeckt: Ein Lampenmast steht schief „wie der Turm von Pisa“. Das touristische Hinweisschild zur Kapelle „Zu unserern lieben Frau“ zeige nicht mehr dorthin, wo Besucher hinwollen, sondern in den Himmel.
Dazu kommt das umgelegte Schild am Hohenstaufensaal. Geknickt liegt es auf seiner Verkehrsinsel und schaut sich die Blechlawine von unten an.