Südpfalz Südpfälzer zur Entbindung in Weißenburg willkommen
Das Weißenburger Krankenhaus und der Eurodistrict Pamina in Neulauterburg mussten sehr dicke Bretter bohren, bis die nahe liegende Lösung für Schwangere aus der Südwestpfalz und der Südpfalz, die in Grenznähe leben, zur Normalität werden konnte. In Notfällen konnten deutsche Frauen bisher schon nach Weißenburg in das Hospital am Ortseingang aus Richtung Dahn fahren. Das passierte laut Steffen Ackermann, dem in Weißenburg seit 26 Jahren arbeitenden Gynäkologen, rund 30 Mal im Jahr. Aber eben nur im Notfall und nicht bereits zur Geburtsvorbereitung und Nachsorge.
Dabei ist die Lösung mit Weißenburg für Frauen im Grenzbereich attraktiv. Zum Teil sind die Schwangeren schneller in Frankreich als in Pirmasens oder in der einzigen Entbindungsstation der Südpfalz im Vinzentius-Krankenhaus in Landau. Pluspunkt dort ist allerdings die Kinderklinik, die sich auch um Neugeborene kümmert oder sie in andere Fachhäuser überweist. Die Verantwortlichen in der Landauer Klinik fürchten nicht um sinkende Geburtenzahlen bei ihnen, weil Frauen nun auch in Weißenburg niederkommen können.
Auch für Südwestpfälzer verkürzen sich die Wege. Eine Fahrt von Bundenthal nach Pirmasens dauert in der Regel eine halbe Stunde, während die schwangere Bundenthalerin in 16 Minuten in Weißenburg wäre. Ähnliches gilt für Fischbach, Nothweiler, Schwanheim, Darstein, Busenberg oder gar Bobenthal und Niederschlettenbach.
Zunächst ein Jahr
Am 12. Juni wurde in Landau die Vereinbarung unterzeichnet, mit der es ganz normal werden soll, in Weißenburg regulär zu entbinden. Das Projekt soll laut Annabell Schlösser, Pressereferentin des Eurodistrict Pamina, ein Jahr laufen und auf 30 Frauen beschränkt werden. Generell gilt es für Frauen aus den Kreisen Südwestpfalz und Südliche Weinstraße. In Ausnahmefällen auch für Landauerinnen und Bewohnerinnen des Kreises Germersheim. Wobei Schlösser sicher ist, dass es nach dem ersten Projektjahr weitergehen wird.
Die Projektpartner wie deutsche Krankenkassen und die französische Agence regionale de Santé (ARS) hätten schon die Bereitschaft für eine Fortsetzung bekundet, wenn es gut laufe. Laut Schlösser hat sich bisher noch keine deutsche Frau für die Geburt in Weißenburg angemeldet, obwohl es seit 12. Juni möglich sei. Es fehlt noch die offizielle Unterzeichnung des Dokuments, die im Juli folgen sollte, aber verschoben wurde. Jetzt ist es für September terminiert. Anmeldungen würden aber jetzt schon angenommen, betont Schlösser.
Deutsch oder Französisch?
Das Weißenburger Krankenhaus ist bereits seit Längerem auf Patienten aus Deutschland vorbereitet. Nicht nur in der Geburtshilfe sprechen viele Ärzte und Pflegekräfte deutsch. Wer im Centre Hospitalier Intercommunal de la Lauter, so der offizielle Name des Weißenburger Krankenhauses, anruft, wird gleich gefragt, ob er auf französisch oder auf deutsch angesprochen werden will. Und so geht es weiter an der Krankenhauspforte.
In Weißenburg gibt es seit 1234 ein Hospital, das zunächst als Klosterhospital betrieben wurde, aber schon 200 Jahre später in städtische Hand überging. 1962 fusionierte das Haus mit Lauterbourg und war fortan das interkommunale „Centre Hospitalier de la Lauter“. 1973 wurde der Neubau am Ortsausgang in Richtung Dahn errichtet, in dem das Krankenhaus heute noch ist. In dem Haus finden sich 105 Betten für das eigentliche Krankenhaus sowie rund 30 Betten für ein Rehazentrum und über 400 Betten eines Seniorenheims.