Pfälzerwald RHEINPFALZ Plus Artikel Pfälzerwald-Hütte: Hier kann die Bratwurst mit Karte bezahlt werden

AUf der Landauer Hütte kann mit EC-Karte bezahlt werden, sagt PWV-Vorsitzender Alexander Rapp.
AUf der Landauer Hütte kann mit EC-Karte bezahlt werden, sagt PWV-Vorsitzender Alexander Rapp.

In Pfälzerwald-Hütten kann meist nur bar bezahlt werden. Denn: wo kein Netz, da keine Kartenzahlung. Dieses Ausflugsziel hat Internet – und zeigt, was damit möglich ist.

Auf der Landauer Hütte am Zimmerbrunnen geht es so modern zu wie bei kaum einem anderen Ausflugsziel im Pfälzerwald. Wer dort draußen Platz nimmt, kann einen Blick auf die digitale Speisekarte werfen. Einfach das Smartphone nehmen und am Tisch den QR-Code abscannen. Später an der Kasse können Gäste die Gerichte und Schoppen nicht nur mit Bargeld, sondern ebenso mit EC-Karte bezahlen. Auch das ist nicht üblich in der Natur. Diesen digitalen Service kann man nur deshalb bieten, weil es auf der Landauer Hütte Internet gibt.

Die Landauer Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins (PWV) hat vor einigen Jahren die Vorarbeit dafür geleistet. 440Es mussten Versorgungsleitungen von Frankweiler und Dernbach hoch zur Hütte verlegt und finanziert werden, was laut dem PWV-Vorsitzenden Alexander Rapp eine Herausforderung war. Die Kartenzahlung sei aber nicht selbstverständlich. „Das macht bei uns nur deshalb Sinn, weil wir vergleichsweise viele Tage im Jahr geöffnet haben und dadurch so hohe Umsätze erzielen können, dass sich das System lohnt“, sagt Rapp, der in der Region auch für seine Barfußwanderungen bekannt ist.

Welche Ideen es noch gibt

Im Monat fallen laut Rapp Kosten in Höhe von 150 Euro an, beispielsweise für Wartung und Updates, damit das EC-Gerät auf der Landauer Hütte benutzt werden kann. Die Erfahrung zeige aber, dass sich die Ausgaben lohnen. Denn die Kartenzahlung werde immer beliebter, sagt Rapp. Selbst Trinkgeld können die Gäste darüber geben. Früher war es möglich, vorgeschlagene Prozentsätze auszuwählen, inzwischen ist die Funktion aber raus.

Draußen kann per Scan des QR-Codes die Speisekarte auf dem Handy abgerufen werden.
Draußen kann per Scan des QR-Codes die Speisekarte auf dem Handy abgerufen werden.

Und die PWV-Gruppe hat bereits weitere Ideen, welche neuen Angebote sich durch die digitalen Möglichkeiten schaffen lassen. Rapp nennt beispielsweise eine digitale Werbetafel. Was die Verantwortlichen freuen wird: Sie werden noch eine bessere Internetverbindung erhalten als bisher. Bund und Land stellen nämlich ausreichend Mittel zur Verfügung, damit abgelegene Orte wie die Pfälzerwald-Hütten überhaupt beziehungsweise mit schnellerem Internet versorgt werden. Der Kreis trägt bei diesen Bauprojekten zehn Prozent der Kosten. Solch ein geförderter Ausbau unterscheidet sich vom privatwirtschaftlichen Breitbandausbau, bei dem Anbieter auf Eigeninitiative in Kommunen tätig werden, weil sich aufgrund der Vielzahl an Kunden die Arbeiten lohnen.

Wer schon Glasfaser hat

Manche Ziele im Pfälzerwald sind inzwischen ans Glasfasernetz angeschlossen, etwa die St.-Anna-Hütte bei Burrweiler oder das Waldhaus Gommersheim. Das geht aus einer Liste der Firma Inexio hervor, die mit dem Unternehmen Deutsche Glasfaser unter einem Dach agiert. Bei der nächsten Runde des geförderten Ausbaus wirkt nun die Telekom mit ihrer Glasfaserplus mit. Sie wird neben der Landauer Hütte unter anderem die Böchinger Hütte mit Internet beziehungsweise einer höheren Bandbreite versorgen.

Die Landauer Hütte erzielt jährlich Umsätze im sechsstelligen Bereich.
Die Landauer Hütte erzielt jährlich Umsätze im sechsstelligen Bereich.

Diese Anbindung der Hütten an stabiles Internet sei zwar begrüßenswert, sagt PWV-Hauptgeschäftsführer Florian Bilic. Doch das habe keinen Vorrang. Wichtiger wäre es, wenn die Hütten im Pfälzerwald, jene wie das Schweizer Haus bei Weyher, über Strom sowie Wasser- und Abwasserleitungen verfügen würden. Was das für Vorteile bringt, lässt sich wieder am Beispiel der Landauer Hütte zeigen.

Wer den Glasfaserausbau ablehnt

Seitdem das Notstromaggregat der Vergangenheit angehört, können dort Tiefkühlwaren gelagert werden. Dazu gehöre auch das Eisangebot, das man aus Dahn beziehe. Das nächste Ziel sei, auf eine PV-Anlage umzuschwenken, um die Stromkosten so gering wie möglich zu halten, sagt Rapp. Dann bliebe auch „mehr an der Hütte hängen“. Außerdem sei geplant, Ladestationen für E-Bikes zu installieren.

Und: Nicht alle jubeln in den Hütten, wenn es heißt, sie bekommen Glasfaser. Vor einigen Jahren hatte man in Gleisweiler bereits begonnene Bauarbeiten gestoppt. Denn: Die Trifelsblickhütte, die der Gemeinde gehört und an die PWV-Ortsgruppe verpachtet ist, ist noch autark. Versorgungsleitungen wären zwar wünschenswert, aber kostspielig. Und da man dort kein Strom hat, war auch der Nutzen von Internet nicht gesehen worden, weshalb man die Anbindung an Glasfasernetz ablehnte.

Info

Diese Ausflugsziele im Pfälzerwald haben laut der Firma Inexio bereits Glasfaser: Hüttenbrunnen, Forsthaus Heldenstein, Rietburggaststätte (alle in Edenkoben), St.-Anna-Hütte, Drei Buchen, Rietania-Hütte, Waldhaus Gommersheim, Haus an den Fichten und Schützenhaus in St. Martin, Totenkopfhütte und Forsthaus Breitenstein in Maikammer sowie Ringelsberghütte in Frankweiler.

Diese Ausflugsziele erhalten nach Angaben der Kreisverwaltung SÜW durch die Telekom Internet: Böchinger Hütte, Landauer Hütte, Nello Hütte, Amicitia Hütte, Kolpinghaus, Naturfreundehaus Kiesbuckel, Geldmünzhütte.

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