Offenbach
Offenbacher möchten einen Offenbacher Bürgermeister
Jens Nord (SPD) lud Menschen aus der Verbandsgemeinde Offenbach dazu ein, sich mit ihm bei einem Döner auszutauschen. Simon Wingerter (FWG) organisierte aus demselben Grund einen Foodtruck, mit dem er an diversen Plätzen anzutreffen war. Und auch der dritte im Bunde, Lukas Wingerter (CDU), hatte eine ähnliche kulinarische Idee. Er lockte unter anderem mit Flammkuchen und Schorle.
Parallel zum klassischen Wahlkampf an den Infoständen und Haustüren verfolgten die drei Kommunalpolitiker auch mit diesen Methoden das Ziel, mit Leuten aus Offenbach und Umgebung ins Gespräch zu kommen und sie von ihrer Kandidatur für das Amt des Verbandsbürgermeisters zu überzeugen.
Absolute Mehrheit im ersten Wahlgang
Etwas mehr als 7100 Wähler beziehungsweise 70 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. 50,9 Prozent von ihnen schenkten Simon Wingerter das Vertrauen. Somit gelang es dem Kandidaten der Freien Wählergruppe, gleich im ersten Wahlgang das Rennen zu machen.
Dieses Kunststück war bei den jüngsten Bürgermeisterwahlen nur Christian Sommer (FWG) in Herxheim geglückt. Er gewann 2023 gegen zwei Mitbewerber. Stichwahlen hatte es dagegen ein Jahr davor in Bad Bergzabern und Edenkoben gegeben. 2025 hatte die Maikammerer Amtsinhaberin Gabriele Flach (CDU) einen Gegenkandidaten, ähnlich erging es Torsten Blank (SPD) 2019 in der Verbandsgemeinde Landau-Land. In Annweiler gab es dagegen keinen Kontrahenten für Christian Burkhart (CDU).
Mit diesem Ergebnis hatte Simon Wingerter angesichts des starken Kandidatenfelds nicht gerechnet. „Das ist ein überwältigendes Ergebnis“, betont der 40-Jährige, der sich ab Sommer mit dem Eintritt in das Hauptamt noch stärker auf das kommunalpolitische Geschehen fokussieren kann. Seit 2024 ist er bereits Ortsbürgermeister von Offenbach.
SPD-Bewerber enttäuscht, aber auch zufrieden
Jens Nord, der 15,6 Prozent der Stimmen erhielt, hätte sich natürlich ein anderes Wahlergebnis gewünscht. Wobei er mit sich selbst im Reinen ist. Er sei zufrieden mit dem, was er und sein Team im Wahlkampf geliefert haben. „Wir haben das Beste rausgeholt.“ Dass es am Ende nicht zu mehr gereicht hat, habe auch damit zu tun, dass er die schlechteren Rahmenbedingungen gehabt habe.
So seien die Sozialdemokraten nicht nur im bundesweiten Trend, sondern auch in seiner Verbandsgemeinde nicht mehr so stark wie die CDU und die FWG, die bei den jüngsten Kommunalwahlen 2024 die meisten Sitze holten, während die SPD damals wiederholt Stimmen eingebüßt hatte. „Unabhängig davon ist Simon als Ortsbürgermeister präsenter und leistet dabei eine gute Arbeit“, betont Nord. Insofern gönne er ihm den Erfolg.
Trotz dreier Erolge hat CDU-Kandidat das Nachsehen
Ähnliches sieht es Lukas Wingerter. Der Erfolg von Simon Wingerter sei anzuerkennen. Der Christdemokrat selbst aber hatte es spannend gemacht. Im Gesamtergebnis kam er auf 33,5 Prozent. Und wenn man ins Detail geht, wird verständlich, wieso der 30-Jährige von einem „bitteren Ergebnis“ spricht. Lukas Wingerter ist es nämlich gelungen, in Essingen, Hochstadt und in seiner Heimatgemeinde Bornheim die meisten Stimmen auf sich zu vereinen. Der Vorsprung betrug zwischen drei und zehn Prozent. „Die Ergebnisse sprechen für sich. Doch das ist Demokratie, wenn die am Ende nicht ausreichen“, betont der Polizeibeamte, der nach einem langen Wahlkampf Normalität einkehren lassen möchte. Immerhin sei seit seiner Nominierung zum Bürgermeisterkandidaten fast ein Jahr vergangen. Auch Nord möchte wieder die Familie in den Mittelpunkt rücken.
Dass Lukas Wingerter am Ende die Stichwahl und damit ein Familienduell mit Simon Wingerter knapp verpasste, mit dem er über drei Ecken verwandt ist, liegt auch daran, dass das Ergebnis in Offenbach so eindeutig für den FWG-Mann ausfiel. In den dortigen Wahllokalen kam dieser auf etwa 65 Prozent, Lukas Wingerter dagegen auf rund 20 Prozent. Wobei hier zu berücksichtigen ist, dass auch Jens Nord aus Offenbach kommt, somit der „Heimvorteil“ nicht einzig zugunsten von Simon Wingerter ausfiel. 15 Prozent der Wähler stimmten für den Sozialdemokraten.
Im Sommer ist Amtsübergabe
Simon Wingerter wird sich nun auf sein neues Amt vorbereiten. Im Juli wird es so weit sein. Wobei er das Glück habe, sich in der Materie bereits auszukennen. Hat er doch schon als erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Einblick in die Verwaltungsarbeit erhalten.
Dass der Ortsbürgermeister gleichzeitig auch Verbandsbürgermeister ist, hat in Offenbach Tradition. Axel Wassyl (parteilos) hatte die beiden Ämter mehr als 20 Jahre inne, auch in der Zeit von Manfred Seefeldt (CDU) gab es eine Personalunion. Daran anknüpfend wiederholt Simon Wingerter das, was er im Wahlkampf schon gesagt hatte: Dass er in der Rolle des Verbandsbürgermeisters Wegbereiter für die gesamte Verbandsgemeinde sein wolle. Zumal Entscheidungen nicht von ihm, sondern vom Verbandsgemeinderat getroffen werden.
