Klingenmünster Neue Ortschronik: Kirchengeschichte von Luthers Zeit bis heute

Auch ein Ereignis, das Teil der Protestantischen Kirchengeschichte von Klingenmünster ist: die Glockenweihe von 1937.
Auch ein Ereignis, das Teil der Protestantischen Kirchengeschichte von Klingenmünster ist: die Glockenweihe von 1937.

Wie sich Reformierte und Lutheraner bekämpften und versöhnten. Warum ein Pfarrer nach Französisch-Guyana deportiert werden sollte. Und warum ein Kirchturm plötzlich nur noch halb da war. Das alles wird in der protestantischen Kirchengeschichte Klingenmünsters thematisiert.

60 Seiten umfasst das Heft, das den Titel „Die Geschichte der protestantischen Kirchengemeinde Klingenmünster“ trägt und am Wochenende vorgestellt wird. Autor ist Erich Laux, ein alter Bekannter in Sachen Dorfhistorie.

Für den „Arbeitskreis Altes Klingenmünster“ hat Erich Laux schon einiges erforscht und publiziert. Diesmal aber ist der Auftraggeber ein anderer: der Protestantische Kirchbauverein Klingenmünster. Er ist laut Satzung nicht nur für Mauern und Türme zuständig, sondern „trägt dazu bei, die Geschichte und die Bedeutung der Protestantischen Kirche Klingenmünster (…) bekannt zu machen“. Deshalb haben zunächst Presbyter Erwin Grimm, dann Bernhard Pfeifer, Pfarrer im Ruhestand und bis vor Kurzem Vereinsvorsitzender, ihn, Erich Laux, gebeten, zu forschen und zu schreiben.

Startpunkt: das Jahr 1565

Der Heimatforscher, mit viel Geduld gesegnet, tauchte etwa ein halbes Jahr lang tief in die Archive ein, wälzte verstaubte Akten und entzifferte Schriften, die sonst kaum mehr jemand kennt. Das Ergebnis ist eine Chronik von Luthers Zeit bis heute. Seine Hauptquellen waren das örtliche Pfarrarchiv, das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche in Speyer und das Landesarchiv Speyer.

Als Geburtsjahr der reformierten Pfarrei Klingenmünster gilt 1565. In diesem Jahr hob Kurfürst Friedrich III., ein Anhänger Calvins, das Stift Klingenmünster auf und wies den Protestanten die katholische Stiftskirche zu. Die blieb bis 1684 in ihrem Besitz. Andersgläubige, so ist nachzulesen, hatten zu der Zeit einen schweren Stand. So zeigte der Pfarrer 1650 ein katholisches Ehepaar an, „das schon seit Jahren nicht mehr in der Kirche gewesen war und erklärt hatte, lieber aus dem Dorf wegzuziehen als den reformierten Gottesdienst zu besuchen“.

Zoff, Streit, Versöhnung

Die von Friedrich I. verkündete Religionsfreiheit hatte zur Folge, dass sich in Klingenmünster auch eine lutherische Pfarrei gründete. Zwischen den Glaubensrichtungen gab es anscheinend öfter Zoff. Ein lutherischer Pfarrer beschwerte sich zum Beispiel, sein reformierter Amtskollege habe die Gemeinde aufgefordert, „daß sie die auf den lutherischen Gräbern gesteckten Kreuze wegreißen und über den Kirchhof hinaus schmeißen“ sollte. Der Pfarrer selbst sei mit schlechtem Beispiel vorangegangen. Es sollte bis 1818 dauern, bis Reformierte und Lutheraner sich versöhnten und zusammenschlossen.

Die Französische Revolution, deren Ideen aus dem nahen Nachbarland herüberschwappten, wirbelte die Gemeinden kräftig durcheinander. Pfarrer und Lehrer sollten einen Eid auf die französische Fahne ablegen. Ein Pfarrer Wendt weigerte sich und zog mit Kollegen nach Weißenburg. Ein Aktenvermerk hält fest: „Man bedeutete uns in den drohendsten Ausdrücken, daß hier keine Ausnahme statt habe, und wo wir uns weigerten, würde man uns entweder in das Innere von Frankreich führen und daselbst gefänglich aufbewahren oder (…) uns einschiffen und nach Französisch-Guyana deportieren lassen“. Pfarrer Wendt floh stattdessen nach Speyer.

Als ein Rückbau nötig wurde

Ausführlich geht Erich Laux auf die Kirchenbauten ein, die für die Gemeinden vor allem eine finanzielle Herausforderung darstellten. Mit „Kollektenpatenten“ sammelten die Klingenmünsterer immer wieder in anderen Gemeinden Spenden, um sich den Traum vom eigenen Kirchturm und klangvollen Glocken zu erfüllen. Einer der Türme, 1848 fertiggestellt, sollte das Ortsbild mehr als 100 Jahre lang prägen. Dann aber geriet der markante Bau gewaltig ins Wanken, wurde sozusagen zum schiefen Turm von Klingenmünster. In der Nachkriegszeit wurde festgestellt, dass er sich 68 Zentimeter zum Dorf hinneigte. An einem Rückbau ging kein Weg vorbei, stehen blieb nur noch ein Stummel.

Eine weiterer Aufnahme von der Glockenweihe von 1937.
Eine weiterer Aufnahme von der Glockenweihe von 1937.

Die Kirche selbst erlitt das gleiche Schicksal: Erich Laux berichtet von Schäden und Mauerrissen. 1956 fand der letzte Gottesdienst vor dem Abbruch statt. An ihrer Stelle entstand ein moderner Stahlbetonbau mit hohem Glockenturm. Auch dieser inzwischen verhüllte Turm, so weiß man heute, muss wohl abgerissen werden – wegen gravierender Betonschäden. „Viele ältere Gemeindemitglieder“, heißt es in der Chronik, „fühlten sich an die Nachkriegszeit erinnert, als sich der Kirchturm der alten reformierten Kirche hangabwärts neigte und umzustürzen drohte“.

Pfarrer Pfeifer macht sich im Nachwort seine Gedanken darüber. „Die Lesenden der Broschüre“, schreibt er, „werden möglicherweise bedenken, wie sich das heutige Nachlassen der Kirchenbindung in der Indifferenz um Abriss oder Erhalt der gegenwärtigen Kirchengebäude spiegelt.“ Die Kirche im Dorf und in der Pfalz habe „die Deutungsmacht über Leben und Glauben verloren, nicht aber ihre Hoffnungskraft“. Es gelte, die Menschen im Dorf wieder an den „Brennpunkten des Lebens“ aufzusuchen.

Termin

Am Sonntag, 23. Juni, 15 Uhr, wird „Die Geschichte der protestantischen Kirchengemeinde Klingenmünster“ im Gemeindehaus vorgestellt. Bernhard Pfeifer führt in das Werk ein und würdigt den Autor. Wie die Publikation zustande gekommen ist, berichtet anschließend Verfasser Erich Laux. Die Veranstaltung wird vom Gitarrenduo Thomas Beck und Ulrich Harsch musikalisch umrahmt. Das historische Heft kann an diesem Tag erworben werden; danach in der Reben-Apotheke, bei Sport-Müller, zu den Öffnungszeiten in der Gemeindebücherei und Donnerstagsvormittags im Pfarrbüro.

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