Landau / SÜW RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Bestattungsformen, mehr Lücken: Gemeinden denken Friedhöfe neu

Bettina Krell hat unter anderem den Friedhof in Herxheim mitgeplant. Für sie ist das ein gelungenes Beispiel, wie ein Friedhof a
Bettina Krell hat unter anderem den Friedhof in Herxheim mitgeplant. Für sie ist das ein gelungenes Beispiel, wie ein Friedhof aussehen kann.

Die starke Nachfrage nach Feuerbestattungen wirken sich auch in der Südpfalz auf das Friedhofsbild aus. Die Gemeinden passen sich den Wünschen an. Die Folge: steigende Kosten.

Nachdem sie nach längerer Zeit wieder am Grab ihres Opas war, sagt eine Pfälzerin zu ihrer Großmutter: „Du, Oma, der Friedhof ist ganz schön leer geworden.“ Sie meint die Lücken, die sich im Laufe der Zeit zwischen den Gräbern aufgetan haben. Was die Enkelin zum Ausdruck bringt, fällt inzwischen immer mehr Menschen auf: dass sich das Friedhofsbild stark verändert.

Es ist nicht neu, dass der Trend zu Feuerbestattungen geht. Welchen Verantwortlichen in Landau und Umgebung die RHEINPFALZ auch dazu befragt, die Antworten decken sich meist: Bis zu 80 Prozent der Bürger entscheiden sich für eine Urne. Das liegt nicht nur daran, dass diese Bestattungsform für sie kostengünstiger ist. Ganz gleich, ob die Urne in eine Stele gestellt oder im Rasen vergraben wird – beides erfordert im Vergleich zu einem klassischen Erdgrab auch einen geringeren Pflegeaufwand. Das kommt beispielsweise den Angehörigen zugute, die nicht mehr in ihrem Dorf leben.

Friedhofsfläche wird zu Bauland

Welche Auswirkungen dieser Trend auf die Friedhöfe in Landau und Umgebung hat, wird erst jetzt deutlich, weil die Liegezeiten der bestehenden Gräber enden und nur noch selten neue Gräber auf herkömmliche Art angelegt werden. Das beobachtet zum Beispiel Wernersbergs Ortschef Dominik Rubiano Soriano. Er geht davon aus, dass der Friedhof in seinem Dorf nicht mehr in seiner aktuellen Größe benötigt werde.

Amtskollege Reinhard Pross sieht die gleiche Entwicklung bei sich in Weyher. Der Friedhof, der sich ehemals nur rund um die Kirche befand, wurde aus Platzgründen einst erweitert. Diese Fläche, die sich auf dem Grundstück darunter befindet, könnte irgendwann wieder aufgelöst werden. „Das wird aber noch eine Weile dauern“, meint Pross. In Godramstein ist dieser Fall schon vor einigen Jahren eingetreten. Ein Teil der Anlage wurde abgezwackt, die freigewordene Fläche wurde für Bauplätze verwendet.

Ortsbürgermeister sieht negative Entwicklungen

Auch auf anderen Friedhöfen wurde reagiert. „In Insheim wurde ein Grabfeld bereits geschlossen, das derzeit nur noch für Nachbeisetzungen genutzt wird“, teilt die Verbandsgemeinde-Verwaltung Herxheim mit. Was folgt, seien offenere, parkähnliche Friedhöfe. Dieser Effekt könne sich auf das Friedhofsbild positiv auswirken. Der Landauer Hauptfriedhof dagegen ist schon jetzt durch parkähnliche Grünflächen geprägt, weshalb die Lücken durch wegfallende Erdgräber nicht so stark ins Gewicht fallen.

Eschbachs Ortsbürgermeister Frank Laux bewertet die Sache anders. Er sieht darin eher ein Problem. Denn mehr Lücken würden auch mehr Graswuchs bedeuten, was wiederum mit mehr Pflegearbeit und mehr Kosten verbunden sei. Die Folge: Die Grabgebühren werden auf Dauer nicht mehr ausreichen, um die Friedhöfe instandzuhalten, ist Laux überzeugt.

Externe Firma kümmert sich um Friedhofsareal

Dies hält auch Offenbachs Ortschef Simon Wingerter fest. Weil seine Gemeinde mit ihren eigenen Leuten der Aufgabe nicht mehr nachkommen könne, alle Grünflächen im Ort zu pflegen, wurde erstmals eine externe Firma beauftragt, sich um das Friedhofsareal zu kümmern. Der jährliche Kostenpunkt: etwa 60.000 Euro. Günstig sei es nicht, sagt Wingerter. Aber auf die Friedhofspflege werde viel Wert gelegt. Außerdem sei die Pflege durch die Vielfalt an Bestattungsformen aufwendiger geworden. Strukturiert und weniger dicht als früher. So ließe sich in Kürze zusammenfassen, was den Friedhof heute ausmacht.

Vor dem Hintergrund, dass mehr Bürger sich für kostengünstige Bestattungsformen entscheiden oder, begünstigt durch das neue Bestattungsgesetz im Land, bald gar nicht mehr auf dem Friedhof zur Ruhe kommen, sondern ihre Asche im eigenen Garten oder auf dem Meer verstreut haben möchten, müssen die verbleibenden Friedhofsnutzer und die Gemeinden die steigenden Gebühren finanzieren.

Wenn die Trauerhalle zu teuer wird

Zumal neben der Pflege auch Kosten für die Trauerhalle obendrauf kommen. In Offenbach hat man es sich einiges kosten lassen, um diese zu erhalten. Rund 350.000 Euro wurden in die Sanierung des Gebäudes investiert. Allerdings war die Maßnahme im Jahr 2014. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert und die Kommunen haben aufgrund höherer Belastungen immer weniger Geld für solche Projekte übrig.

Beispiel Weyher: Ortschef Pross betont, dass 81 Prozent der Einnahmen aus seiner Gemeinde über Umlagen an die Verbandsgemeinde Edenkoben und den Landkreis SÜW abgeführt werden. Weil das Geld knapp ist, sieht man davon ab, die bestehende Trauerhalle zu sanieren und damit für den Winter nutzbar zu machen. Geschätzt bis zu 30.000 Euro wären dafür nötig. Wenn man bedenke, dass im Jahr nicht einmal eine Handvoll Menschen in Weyher sterben, würde sich der Aufwand nicht rentieren.

Kritisch werde es nur im Winter. Wenn der Verstorbene konfessionslos beziehungsweise aus der Kirche ausgetreten ist, wird die Trauerfeier meist in das benachbarte Dorfgemeinschaftshaus verlegt. Pross kann nicht nachvollziehen, wieso die Kirche bei Trauerfeiern nur für Kirchenmitglieder offen ist. „Ich finde die Einstellung der Kirche nicht in Ordnung. Sie sprechen von Nächstenliebe, aber schließen dann manche Leute aus.“

Was sagt die Friedhofsplanerin?

Parkähnliche Friedhöfe, steigende Gebühren und Verkleinerungen der Friedhofsflächen – sind das die Aufgaben, denen sich die Gemeinden stellen müssen? Nein, meint Landschaftsarchitektin und Friedhofsplanerin Bettina Krell. „Flächen, die nicht mehr für Gräber gebraucht werden, sollten als Überhangflächen erhalten bleiben“, findet die Oberotterbacherin, die schon auf diversen Südpfälzer Friedhöfen tätig war. Die Gemeinden sollten auf ihren Friedhöfen stets einen Puffer für plötzliche Ereignisse erhalten.

Als Friedhofsplanerin muss auch sie sich den Bedürfnissen der heutigen Zeit anpassen. Dazu gehört es zum Beispiel, schöne Bäume zu pflanzen, um Natur- und Baumbestattung auch auf dem Friedhof attraktiv zu machen. Davon abgesehen, ist das Grab dann für alle Hinterbliebenen besser zu erreichen als im Wald. „Wir müssen Räume schaffen, wo man sich wohlfühlt. Dann wird es Friedhöfe auch noch ganz lange geben“, sagt Krell.

Eine Gemeinde als einzige Ausnahme?

Auch das neue Bestattungsgesetz sieht Krell kritisch. „Ein Friedhof hat eine soziale und kulturelle Aufgabe. Leute treffen sich dort und gehen mit ihrer Trauer um“, sagt sie. „Was ist denn zum Beispiel, wenn von drei hinterbliebenen Geschwistern einer die Urne auf dem Kaminsims stehen hat. Was machen dann die anderen beiden?“

Eine der wenigen Ausnahmen in Sachen Friedhöfe bildet die Gemeinde Edesheim. Dort wurde die Ruhestätte vor einigen Jahren erweitert. Der erste Beigeordnete, Thomas Brödel, hat dafür eine einfache Erklärung: Im Ort werden klassische Gräber noch stark angenommen. Allerdings: „Neue Wahlgräber sind nur auf dem neuen Friedhof möglich. Der alte Teil dünnt aus.“

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