Rhodt/Mombasa Mit 1400 Mützen nach Kenia: Stephan Hafen feiert 20 Jahre Schulhilfe

Stephan Hafen war schon mehr als 50 Mal in Kenia, dieses Mal fliegt er zum ersten Mal auf Krücken nach Afrika.
Stephan Hafen war schon mehr als 50 Mal in Kenia, dieses Mal fliegt er zum ersten Mal auf Krücken nach Afrika.

Mit sieben Kisten voller Mützen fliegt Hotelier Stephan Hafen nach Kenia. Dort feiert die von ihm unterstützte Schule ihr 20-jähriges Bestehen. Die Reise birgt bewegende Momente.

Von Hartmut Metzger

Mit einem gebrochenen Sprunggelenk und 1400 Mützen in sieben Kisten und zwei großen Koffern will er in diesen Tagen nach Kenia fliegen. „Wenn es notwendig ist, werden sie mich auf Händen tragen“, sagt Stephan Hafen, der sich auf die Reise freut. Der Inhaber des Vier-Sterne-Wohlfühlhotels Alte Rebschule in Rhodt ist ehrenamtlicher Vereinsvorsitzender der Hermann-Marx-Kenia-Hilfe. Deren Logo ziert die 1400 Mützen für die Schüler in Mombasa.

Noch an Krücken, aber mit großer Zuversicht will Stephan Hafen dort ein ganz besonderes Ereignis feiern: Die „Hermann-Marx-Primary School“ in Mombasa wird am Freitag, 21. Juli, auf den Tag genau 20 Jahre alt. „Alle Kinder der Schule und der umliegenden Schulen sind eingeladen, um zu sehen, wie wichtig Bildung ist“, sagt Hafen, der auf dieser Reise von einer 20-köpfigen Projektgruppe des Kenia-Vereins begleitet wird. „Wir wollen den Schwestern und den Lehrkräften die Ehre erweisen und zeigen, dass wir für sie da sind.“

Tod eines Freundes als Startpunkt der Kenia-Hilfe

Dass es diese Schule in Mombasa sowie zwei weitere in Maungu und in Bura gibt, geht zurück auf das Jahr 1992 und den vorzeitigen Tod eines guten Freundes. Kurz vor einer gemeinsam geplanten Kenia-Reise starb Hermann Marx im Alter von nur 43 Jahren – ein Lehrer, der sich bereits als Student mit Hochschulpfarrer Hermann Kiefer in Kenia engagierte und mit ihm den Hungermarsch in Landau ins Leben rief. Von Anfang an waren die St.-Joseph-Schwestern in Kenia mit im Boot.

Die zurückerhaltenen Kosten der abgesagten Reise, Spenden anlässlich der Beerdigung und aus dem Freundeskreis Hafens lieferten den Grundstock für das Projekt. Auf den Tag genau zwölf Jahre nach dem Tod von Hermann Marx, am Mittwoch, 21. Juli 2004, konnte die Einweihung des Schulgebäudes unter der Schirmherrschaft des Erzbischofs von Mombasa im Stadtteil Mtopanga gefeiert werden.

Schulen an mehreren Orten gebaut

Heute besuchen rund 700 Schülerinnen und Schüler die acht Klassenstufen dieser zweizügigen kenianischen Grundschule. Sie bietet Übernachtungen und Vollverpflegung an. Ein Montessori-Kindergarten und Schulbusse steigern den ohnehin guten Ruf der Schule in der Bevölkerung. Ein neuer Computerraum samt neuen Rechnern soll anlässlich der 20-Jahr-Feier mit den Gästen aus Deutschland eingeweiht werden. Diese werden dann nach Maungu und nach Bura weiterreisen. Auch dort hat der Verein Schulen gebaut.

Die St. Joseph Girls Secondary School in Maungu hat mehr als 150 Schülerinnen. Zuletzt wurden in der Internatsschule die Klassenräume einschließlich der Toiletten und Duschen renoviert, Computer und Nähmaschinen wurden angeschafft. Regelmäßig unterstützt wird auch die St. Teresa Primary School in Bura mit derzeit rund 120 Kindern. Hier bringt ein Schulbus die Schüler aus den umliegenden Dörfern zum Unterricht. Im Little Angels Waisenhaus in Bura, wo etwa 40 Kinder untergebracht sind, wurde jüngst ein neues Schlafhaus gebaut.

Corona-Pandemie bereitet noch immer Probleme

Probleme bereiten die Folgen der Corona-Pandemie und die hohe kenianische Inflation vor allem in den beiden kleineren Schulen in Bura und Maungu. Da viele Eltern das Schulgeld nicht mehr oder nur noch teilweise bezahlen können, ist immer wieder eine finanzielle Unterstützung notwendig, um die laufenden Kosten und die Gehälter der Lehrkräfte zu decken. Die Hermann-Marx-Kenia-Hilfe hat daher einen Hilfsfonds für diese beiden Schulen eingerichtet und zu Patenschaften aufgerufen. Damit soll erreicht werden, dass auch Kindern aus armen Familien ein Schulbesuch möglich ist.

Die „Sisters of St. Joseph of the Catholic Archdiocese of Mombasa“ sind seit 1929 vor allem im Bildungsbereich und in der Krankenpflege aktiv. Der bis heute prosperierende Orden war bereits an der Planung der Hermann-Marx-Primary School in Mombasa maßgeblich beteiligt und ist Träger aller Einrichtungen des Kenia-Vereins. Die Schwestern arbeiten als Lehrerinnen, in der Verwaltung und in der Gesundheitsvorsorge und sie bemühen sich zudem um eine weitgehende Selbstversorgung durch landwirtschaftlichen Anbau an ihren Schulen und Krankenhäusern.

Erfolgreiche Ausbildung im St. Martiner Castell: Küchenchef Jan Krüger mit den Auszubildenden Jackline und Anne aus Kenia.
Erfolgreiche Ausbildung im St. Martiner Castell: Küchenchef Jan Krüger mit den Auszubildenden Jackline und Anne aus Kenia.

Kenianerin macht in St. Martin Ausbildung zur Köchin

Die St.-Joseph-Schwestern sind es auch, die Stephan Hafen immer wieder die Namen junger Kenianerinnen und Kenianer nennen, die sich für eine Ausbildung in Deutschland interessieren. Der große Personalmangel in der Gastronomie und in den Krankenhäusern Deutschlands ist bekannt. Einzelgespräche, Deutschkurse und Praktika in den Bereichen Küche und Service oder in der Krankenpflege gehen dem Antrag auf ein Visum und der Reise nach Deutschland voraus.

„Ich hole niemanden nach Deutschland, den ich nicht vorher gesehen und gesprochen habe“, sagt Hafen. Und der Erfolg gibt ihm recht. Ein Beispiel ist Jackline, die im September 2022 nach St. Martin kam und im nächsten Jahr ihre Ausbildung als Köchin beendet. In der Küche des Hotel-Restaurants St. Martiner Castell ist sie bereits jetzt als zukünftige Sous-Chefin im Gespräch.

Das beste Pfälzisch spricht ein Mann aus Ostafrika

30 junge Kenianerinnen und Kenianer hat Stephan Hafen inzwischen nach Deutschland gebracht und in seinem Hotelbetrieb in Rhodt sowie in anderen Hotels, aber auch in Krankenhäusern untergebracht, zum Beispiel in Landau. „Das Interesse ist groß, gerade in den Krankenhäusern und in den Gastronomiebetrieben, und die Erfahrungen sind gut.“ Rund 400.000 Fachkräfte würden gebraucht, sage die Politik, und halte ihr Engagement in Zaum. „Die sind aber nicht fix und fertig, deshalb müssen wir ausbilden, ausbilden, ausbilden“, unterstreicht Hafen.

Auch während dieser Projektreise hat er einen ganzen Tag für Gespräche mit Bewerbern eingeplant. Drei Mal jährlich reist Hafen inzwischen nach Kenia, um die Schulprojekte der Hermann-Marx-Kenia-Hilfe zu besuchen und junge Kenianer für eine Ausbildung in Deutschland zu gewinnen. Mehr als 50 Mal war er seit 1992 vor Ort – aber noch nie mit Krücken. Diese neue Reiseerfahrung anlässlich eines ganz besonderen Ereignisses hat ihm ein umgestürzter Aufsitzmäher in seiner Alten Rebschule in Rhodt beschert. Dort arbeiten 50 Menschen aus zwölf Nationen – und das beste Pfälzisch spricht einer der fünf Mitarbeiter aus Ostafrika.

Spendenkonto

Hermann-Marx-Kenia-Hilfe e.V., Spendenkonto: VR Bank Südpfalz, Iban: DE60 5486 2500 0005 0069 61, BIC: GENODE61SUW.

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