Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Mega-Sperrung: B10-Tunnel bald zehn Wochen dicht

Ab Ende Februar werden die vier Tunnelröhren der B10 bei Annweiler und Rinnthal gesperrt, um die Sicherheitstechnik auszutausche
Ab Ende Februar werden die vier Tunnelröhren der B10 bei Annweiler und Rinnthal gesperrt, um die Sicherheitstechnik auszutauschen.

Jetzt wird’s ernst: Zehn Wochen werden die B10-Tunnel bei Annweiler komplett gesperrt. Dauerstress für Pendler und Anwohner. Ein neues System soll das Trucker-Chaos bändigen.

Kaum ist die eine B10-Sperrung verdaut, steht schon wieder die nächste an. Aber diesmal kommt es richtig dicke. Ab Ende Februar wird aus der Tunnelstrecke eine Mega-Baustelle. Für zehn Wochen wird der Abschnitt zwischen den Anschlussstellen Wellbachtal und Annweiler-Ost komplett gesperrt. Für Pendler heißt das: umplanen. Für die Umleitungsdörfer vor allem: durchhalten.

Wer jetzt glaubt, ein Déjà-vu zu haben: Ja, das mit den zehn Wochen Dauerbaustelle haben Sie bereits gelesen. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) hatte die Sperrung schon für Herbst 2025 angekündigt, dann kam die Rolle rückwärts. Die Arbeiten müssten verschoben werden, hieß es. Nun aber gibt es keinen Aufschub mehr: Auf unsere Anfrage bestätigt der LBM, dass der Termin final mit den ausführenden Firmen abgestimmt sei. Heißt: Am Freitag, 27. Februar, 19 Uhr, geht’s los.

Komplette Brandmelde- und Videoanlage wird ausgetauscht

Damals hatte der LBM eine verzögerte Freigabe der Haushaltsmittel als Grund genannt. Jetzt wird klarer, was dahintersteckte: Die Auftragssumme sei am Ende deutlich höher ausgefallen als in der vorherigen Kostenberechnung, erklärt der LBM auf unsere Nachfrage. Dadurch hätten die Ausgaben einzeln vom Bund als Baulastträger genehmigt werden müssen – „das war vorher nicht absehbar“, erklärt Pressesprecherin Sandra Demuth. In der Folge kam es zu Vergabe- und Lieferverzögerungen. Inzwischen seien aber alle relevanten Gewerke vergeben.

Die Dauerbaustelle hat eine Vorgeschichte. Im Sommer 2024 fiel im Barbarossatunnel die Brandmeldeanlage aus. Der LBM versuchte, das Problem in mehreren Nachteinsätzen zu beheben. Doch am Ende war klar: Die Anlage ist nicht mehr reparabel. Seitdem müssen Autofahrer und Trucker aus Sicherheitsgründen mit Tempo 50 durch den Tunnel schleichen. Schon damals ließ der LBM durchblicken, dass die Technik das Ende ihrer Tage erreicht habe und ein kompletter Austausch von Brand- und Videoanlage unumgänglich sei.

So viel Verkehr erwartet der LBM in den Umleitungsdörfern

Genau das passiert jetzt. Eine nur abschnittsweise Tunnelsperrung ist nicht möglich, da während der Arbeiten das Gesamtsystem außer Betrieb ist, wie der LBM erklärt. Turbo durch Nachtarbeit? Auch nur begrenzt. Teilweise werde im Schichtbetrieb gearbeitet. Aber Tunneltechnik sei ein hoch spezialisiertes Gewerk, dafür gebe es „schlicht nicht genug qualifizierte Mitarbeiter“, um rund um die Uhr arbeiten zu können, erklärt der LBM.

Dieser nutzt die Sperrung gleich für einen Rundumschlag. So werden in den zehn Wochen zudem Kanalreinigung und -inspektion, Schutzplankenerneuerungen, Gehölzpflege, Reprofilieren von Banketten und Gräben, die Reinigung der Tunnelröhren sowie die Sanierung von Bauwerken und Schallschluckfliesen erledigt.

Die Vorbereitungen auf die große B10-Tunnelsperrung laufen.
Die Vorbereitungen auf die große B10-Tunnelsperrung laufen.

Und die Frage, die viele umtreibt: Wie lange hält das dann? Der LBM spricht von einer „Halbwertzeit zwischen 10 und 15 Jahren“. Heißt: Mindestens die nächsten zehn Jahre sollte es zur Technikerneuerung keine vergleichbar lange Sperrung mehr geben, so Sprecherin Demuth.

Schutz für Anwohner: Tempo 30, Halteverbote und mehr

Großräumig soll der Verkehr über die A6 ausweichen. Lokal läuft’s wie gehabt über die L490 („Alte B10“) durch Rinnthal, Sarnstall und Annweiler. Für die Anwohner wird das wieder zu einem gewaltigen Stresstest: Kolonnenverkehr, Lärm, Abgase, gefährliche Situationen auf engen Gehwegen. Die Prognosen des LBM lassen einiges befürchten. Bei der mehrwöchigen Sperrung 2011 habe sich der Verkehr auf der Umleitung „ungefähr verdoppelt“, der Schwerverkehr sei „deutlich gestiegen“, berichtet Demuth auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Nun erwarten wir vergleichbare Steigerungen.“ Immerhin: Nach einigen Tagen sollte sich die Lage entspannen, „da etliche ortskundige Fahrer andere Routen wählen“ – das hofft zumindest der LBM.

Dieser betont, sich diesmal früher mit den Gemeinden abgestimmt zu haben. 2025 habe es eine gemeinsame Besprechung und Begehung gegeben, Wünsche und Anregungen seien gesammelt, abgewogen und ins Konzept eingearbeitet worden.

Lkw raus – aber wer kontrolliert’s?

Konkret sind auf der Umleitungsstrecke Tempo 30 und absolutes Halteverbot angekündigt – Schritte, um vor allem den „Stop-and-go“-Effekt zu dämpfen. Zusätzlich würden Ampeln aufgebaut, um Fußgängern eine sichere Querung zu gewährleisten. Der LBM kündigt zwei Anlagen in Rinnthal, zwei in Sarnstall und eine weitere zum Bestand in Annweiler an.

Während der Bauzeit gilt ein 24-Stunden-Durchfahrtsverbot für Transit-Lkw. Doch wie so oft, bleibt die heikle Frage die nach dessen Einhaltung. Denn immer wieder rollen Trucker unbefugt durch die Dörfer, weil das Navi es so vorschlägt oder Schilder zu spät wahrgenommen werden.

Neue digitale Hinweistafeln werden bald aufgestellt

Um die Lage zu entschärfen, wird es bald eine Neuerung geben, die besonders die Verbandsgemeinde Annweiler schon länger gefordert hatte: ein automatisiertes Verkehrslenkungssystem. Dafür werden drei Meter hohe digitale Hinweistafeln an den angrenzenden Autobahnen und Bundesstraßen aufgebaut. Die Inhalte sind variabel schaltbar, sodass auch bei außerplanmäßigen B10-Sperrungen – etwa wegen eines Unfalls – der Verkehr sofort großräumig umgelenkt werden kann.

Die Fundamente stehen schon, die Montage ist für Mitte Februar angekündigt. Auch diese Sache habe sich verzögert, erklärt der LBM. Grund hier: An den Standorten mussten Schutzvorkehrungen nachgerüstet werden. Die Tafeln sind nicht nur für die Bauzeit da, sondern bleiben dauerhaft.

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