Kreis Südliche Weinstraße „Man muss die Menschen ansprechen“
„Am Freitagnachmittag kann man im Supermarkt Leute erreichen“, waren sich die vier ehrenamtlichen Sicherheitsberater in der Verbandsgemeinde Bad Bergzabern einig, die in der vergangenen Woche im Eingangsbereich von vier Supermärkten in Bad Bergzabern vier Stunden im Einsatz waren. Erreicht haben sie an ihren Informationsständen Hunderte von Kunden mit Informationsmaterial und persönlichen Gesprächen. Erlebt haben sie einiges.
Sicher unterwegs vor Taschendieben, sicher vor Einbrüchen, vor Betrügern, am Telefon oder im Internet, das sind nur einige der Themen, in denen die vier Sicherheitsberater, die zwischen 65 und 69 Jahre alt sind, von der Polizei geschult worden sind, um präventiv bei diesem ersten großen Einsatz tätig sein zu können. Die Märkte Edeka, Netto, Penny und SBK gaben ihr Einverständnis für einen Infostand im Eingangsbereich, Aldi und Lidl hatten abgelehnt. „Eine Frau hat im Eingang ihren Wagen mit den bezahlten Lebensmitteln und dem Geldbeutel stehen lassen, um auf die Toilette zu gehen“, schildert der mit 69 Jahren älteste Sicherheitsberater, Herbert Schömig, ein Erlebnis. Als er sie darauf angesprochen habe, sei sie „aus allen Wolken gefallen“. „Dann kam sie wieder, hat sich bedankt und wollte mir einen Kaffee spendieren“, erzählt er. Er habe mit rund 35 Kunden interessante Gespräche geführt, habe Geschichten von Einbrüchen und Betrügereien beim Geldwechseln gehört, sagt Schömig. Sein Resümee: „Die Leute sind zwar informiert, halten sich aber oft nicht dran.“ Waltraud Bandner hat ebenso viele Gespräche geführt und nicht wenige Kunden angesprochen, die ihre Geldbörse in der Hand trugen. „Das birgt die Gefahr, dass man ihn schnell mal irgendwo abgelegt und dann kann er weg sein“, sagt die pensionierte EDV-Koordinatorin, die beruflich viel mit der Sicherheit im Internet zu tun hatte. Im Supermarkt hat sie die Erfahrung gemacht, dass man die meisten Menschen ansprechen muss, um ins Gespräch zu kommen. Ein Ehepaar, dessen Wohnung bei einem Einbruch verwüstet worden war, hat Roland Lang seine Geschichte erzählt, eine junge Mutter mit offener Handtasche hat er angesprochen. „Es gab Fragen zur Wohnungssicherung, zu Taschendiebstählen und zur Kriminalstatistik in Bad Bergzabern, die Leute wollten wissen, ob es hier viele kriminelle Delikte gibt“, fasst Lang seine Erfahrung an diesem Nachmittag zusammen. Fragen zur Sicherheit in den eigenen vier Wänden hat auch Peter Weber beantwortet. „Ich hatte ungefähr 40 Kontakte, aber man muss die Leute ansprechen“, ist auch seine Erfahrung. Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sich sozial zu engagieren, selbst noch etwas zu lernen oder verfügbare Zeit im Ruhestand sinnvoll zu nutzen, nannten die Sicherheitsberater als Gründe für ihr ehrenamtliches Engagement. Polizeiobermeister Mario Roth von der Polizeiinspektion Bad Bergzabern und Verbandsbürgermeister Hermann Bohrer waren sich einig, dass es eine sinnvolle Sache ist, Sicherheitsberater auszubilden und einzusetzen. Info Sieben Sicherheitsberater sind in der VG Bad Bergzabern zurzeit Ansprechpartner, zu erreichen sind sie über die Verwaltung, Telefon 06343 701-117 (pfn)