Kommentar/Kommunalwahl Machen statt Meckern: Wer Watschen austeilt, muss auch selbst liefern

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Eine Reihe von Bürgermeisterkandidaten fuhr nicht gerade berauschende Ergebnisse ein. Ein Armutszeugnis für ihren Rückhalt in der Bevölkerung – aber genauso ein Armutszeugnis für jene Wähler selbst. Eine kritische Betrachtung.

Heutzutage kann eine Kommune froh sein, wenn sie überhaupt noch jemanden findet, der bereit ist, Verantwortung in der ersten Reihe zu übernehmen. Wenn solche Menschen ihren Einsatz dann vom Wähler mit unterirdischen Zuspruchwerten quittiert bekommen, ist das schon unverschämt. Und es zeugt von Blindheit.

Beispiel Annweiler. Dort hing die Nachfolgefrage für den Amtsinhaber lange am seidenen Faden. Um Politik in einer Kommune zu machen, die keine Chance hat, sich aus ihrer Finanzmisere zu befreien und von den Aufsichtsbehörden deswegen auch noch gegängelt wird, muss man schon eine gehörige Portion Leidenswille mitbringen. Hinzukommen die überbordenden Bürokratie-Anforderungen an die Kommunalpolitiker, die – das sei betont – dies alles im Ehrenamt schultern. Die unzählbar viele Stunden für ihre Gemeinde aufbringen, neben ihrem eigentlichen Beruf, wodurch nicht selten ihr eigenes Leben und ihre Familien zu kurz kommen. Und als Sahnehäubchen obendrauf gibt’s noch unzufriedene Bürger, die ihren Frust an „denen da oben“ auslassen. In immer mehr Gemeinden bleiben die Stimmzettel deswegen namenlos.

Zum Kümmern und Kopfhinhalten braucht es Mumm

Sich diesem Druck auszusetzen, erfordert immens viel Kraft, Unerschrockenheit und ein unglaublich dickes Fell. Klar, es gibt auch einige, die einfach nach der Macht-, Repräsentations- und Bestimmerposition im Dorf streben. Aber selbst diese werden schnell auf den Boden der Tatsachen geholt, wenn sich das Tagesgeschäft mit all seinen fiesen Feinheiten offenbart. Wer dann noch durchhält, tut es aus Liebe zu seiner Heimat. Wenn man sich also als einziger Kandidat dieser Aufgabe stellt und dafür am Wahlabend über 40 Prozent Ablehnung kassiert – wie gerade in Annweiler, Herxheimweyher, Leinsweiler, Pleisweiler-Oberhofen und Völkersweiler geschehen –, dann zeigt der Wähler, wie leicht Anonymität Ungerechtigkeiten zulässt.

Wohlgemerkt, solche knappen Werte für einen Kandidaten wären vollkommen okay – wenn die restlichen Prozente auf einen anderen Bewerber entfallen wären. Wenn irgendjemand aus dieser großen nörgelnden, sich verweigernden Masse nicht nur bequem sein Nein-Kreuzchen gesetzt, sondern seinen Hintern hochgekriegt hätte, um selbst anzutreten und zu zeigen, wie man es besser machen kann. Zum Meckern braucht es nicht viel, zum Kümmern und Kopfhinhalten in schwierigen Zeiten hingegen echt Mumm.

Man kann einen Kandidaten gut finden oder schlecht und dementsprechend auf dem Stimmzettel über seine Wahl entscheiden. Wenn ein Dorf wie Niederhorbach den einzigen Bewerber um das Bürgermeisteramt mit einem Veto von 86 Prozent abwatscht, wird mehr als deutlich, dass die breite Wählerschaft ihn nicht für die geeignete Person an der Spitze der Gemeinde hält. Das ist legitim und zu akzeptieren. Aber hat irgendeiner dieser 257 Bürger selbst Bereitschaft für das Amt gezeigt?

Wer etwas verändern will, muss sich einbringen

Die zunehmende Verrohung der Gesellschaft zeigt sich nicht nur tagtäglich in den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke, sondern auch an der Wahlurne. Ist dieses Wählerverhalten gelebte Demokratie – oder einfach nur ein unfairen Schlag ins Gesicht? Die, die süffisant ihre zwei Striche über das Nein-Kästchen zogen, sollten bei allen – womöglich berechtigten – Zweifeln an der Befähigung des Kandidaten für das Amt auch mal kurz in sich hineinspüren, was solch eine geballte Zurückweisung mit ihnen machen würde. Sonst blüht bald vielleicht noch mehr Gemeinden ein Los wie Dernbach, wo der Kandidat schon kurz nach seiner Zulassung wieder einen Rückzieher machte.

Kritik ist richtig und wichtig. Ohne sie wären keine Entwicklungsprozesse möglich. Die Nein-Wähler demonstrieren ihre Unzufriedenheit. Aber wem etwas nicht passt, der sollte sich für eine Veränderung einbringen, statt nur hinter verschlossenen Türen, an Stammtischen und bei Facebook über andere abzulästern.

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