Kreis Südliche Weinstraße
Landau/SÜW: Prozess um inszenierte Unfälle fortgesetzt

Ein 31-jähriger Mann aus dem Kreis Südliche Weinstraße soll Unfälle inszeniert und dafür Geld von der Versicherung abkassiert haben. Deswegen muss er sich nun vor dem Landgericht Landau verantworten. Am dritten Verhandlungstag schilderten Unfallopfer ihre Erlebnisse.
Ein Student wusste nicht wie ihm geschah, als er in Kandel aus der Zeppelinstraße auf die Landauer Straße einbog. Links und rechts war es frei gewesen. Plötzlich ein starker Knall und sein Auto fuhr auf einmal von allein viel schneller. Hinter sich sah er das Auto des Angeklagten, wie er dem Gericht am Dienstag berichtete. Für den Unfall in Kandel hat der Angeklagte, dem Straßenverkehrsgefährdung und Versicherungsbetrug vorgeworfen wird, 25.000 Euro von der Versicherung kassiert. Der Student wurde mit einem Punkt in Flensburg und einem Ordnungsgeld von 195 Euro bestraft. 14 inszenierte Unfälle legt die Staatsanwaltschaft dem 31-Jährigen zur Last. Geschätzter Schaden für die Versicherungen: 140.000 Euro.
Die drei Unfallopfer, die am Dienstag vor Gericht als Zeugen aussagten, wurden alle von der Polizei bestraft, weil sie dem Angeklagten die Vorfahrt genommen hätten. Rechts vor links soll seine Masche gewesen sein. Hatte sich jemand überzeugt, dass die Straße frei war, sei er vorgeschossen und aufgefahren. So sah es jedes Mal aus, als sei er das Opfer. In Kandel, so berichtete eine Polizistin, habe es leise Zweifel gegeben. Aber am Schluss hieß es, beide hätten Schuld gehabt.
Angeklagter entschuldigt sich bei Opfer
Hätte sie geahnt, dass sie im Hatzenbühler Kreisel von dem Angeklagten gerammt werde, hätte sie vorher ihren Rücken im MRT dokumentieren lassen, sagte sie aus. Weil dieser Befund jedoch fehlte, könne ihr Orthopäde nicht feststellen, ob die Schmerzen, die sie seit dem Unfall hat, eine Folge davon sind. Die Entschuldigung des Angeklagten, der ihr im Gerichtssaal die Hand reichte, nahm die Frau an. Bei den anderen beiden Zeugen hatte sich der 31-Jährige nicht im Gerichtssaal entschuldigt.
„Er schläft bis um zwei und schafft nachts“, berichtete ein Jugendfreund über das Baugeschäft des 31-Jährigen. Auf zwei Baustellen habe er ihm geholfen, am Schluss habe er die Arbeiten allein fertiggestellt. „Alles krumm und schepp“, schilderte der Zeuge. „Ich dachte, er hat immer dann einen Unfall, wenn die Auftragslage schlecht ist“, spekulierte er über die vielen Unfallwagen auf dem Hof des Angeklagten. Auf einer Fahrt zum mutmaßlich gefälligen Gutachter habe der 31-Jährige laut gedacht: „Dann müssen wir wieder mal schießen.“ Sprich: voll aufs Gas, wenn jemand aus der nachgeordneten Straße auffährt. Er habe sich sicher gefühlt. Den Gutachter habe er mit den Worten bewundert: „Wie der das wieder getrickst hat.“
„Ja, er ist nett“
Einem ehemaligen Mitarbeiter, der auch am Dienstag als Zeuge geladen war, habe er einen Smart angedreht und den Fahrzeugbrief behalten. Der 62-Jährige ließ sich drei Jahre hinhalten, hoffte auf eine Festanstellung. Doch daraus wurde nichts. Die Wut packte den Mann, als er die Ladung als Beschuldigter des Versicherungsbetruges im Briefkasten fand.
„Ja, er ist nett“, bestätigte der einstige Mitarbeiter aber auch den Eindruck des Jugendfreundes. Beide schilderten den Angeklagten als penibel, er sei ordnungsbeflissen, und sein Lebensstil sei „immer nur das Beste“.
Am Freitag, 8. November, wird der Prozess fortgesetzt.