Kreis Südliche Weinstraße
Landau/SÜW: Inszenierte Unfälle als „Geschäftsidee“ – Prozessauftakt
Die Anzeige eines „Geschäftsfreunds“ brachte die dreiste Masche eines 31-Jährigen aus dem Landkreis Südliche Weinstraße ans Licht. Unfälle verursachen und dann Geld von der Versicherung einstecken. Jetzt muss sich der Mann vor dem Landgericht Landau verantworten.
Ein Totalschaden war das Ergebnis eines Unfalls im Januar 2015. Beim Auffahren von der Zeppelinstraße in Kandel auf die Landauer Straße kam es zum Crash. Mit rund 28.700 Euro wurde der Schaden beziffert. Der Unfallverursacher bekam von der Versicherung 25.000 Euro. Das war die „Geschäftsidee“ eines 31-Jährigen aus dem Kreis Südliche Weinstraße. Wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Betruges in 14 Fällen muss er sich seit Dienstag vor dem Landgericht Landau verantworten.
Völlig emotionslos schilderte er, wie er Unfälle verursachte und dann mithilfe eines Gutachters und eines Rechtsanwalts Schadenersatz geltend machte. Ob dabei Personen verletzt werden konnten, schien ihm egal zu sein. Es sei ja immer mit geringer Geschwindigkeit und im Innenstadtbereich gefahren, sagte er aus. Wie es der Frau, die bei einem seiner Unfälle im Kreisel von Hatzenbühl nach Jockgrim verletzt wurde, ging, habe man ihm nicht gesagt. Er kassierte 11.000 Euro „Schadenersatz“.
Rund 140 000 Euro erschlichen
Als nächstes soll er in Landau bei der Einmündung der Königsstraße auf den Augustinerring ein Fahrzeug abgedrängt und die Vorfahrt erzwungen haben. Die Versicherung zahlte rund 6000 Euro. Eigentlich habe er ja die Polizei rufen wollen, sagte der Angeklagte dem Gericht. Aber es sei schon dunkel gewesen und es habe geregnet.
Einmal mit einem Mercedes Sprinter und ein anderes Mal mit einem 7er BMW soll er auf der Kreuzung der Oberholzstraße in Herxheim auf Fahrzeuge aufgefahren sein. 10.300 Euro und 8500 Euro sprangen für ihn heraus. „Ich habe immer darauf geachtet, dass die Abwicklung ordnungsgemäß ist“, strich der 31-Jährige heraus, der sich auch optisch als Geschäftsmann präsentierte. Die nächste ihm zu Last gelegte Tat: Auf der A-65-Auffahrt in Landau soll er im Juli 2015 mit einem Porsche auf einen Audi A 45 gerast sein und rund 7000 Euro kassiert haben.
Besonders dreist: Im September 2017 gab ihm in der Gilletstraße in Landau ein Fahrer Lichthupe, um ihn vorzulassen. Der Angeklagte sei aber zeitgleich losgefahren, damit es zum Crash kam. Unterm Strich waren es rund 7000 Euro, die er bekam. Insgesamt entstanden verschiedenen Versicherungen ein Schaden von circa 140.000 Euro.
„Habe Fehler anderer ausgenutzt“
„Ich habe die Fehler der anderen ausgenutzt“, gab der 31-Jährige zu. Von einem Bekannten, der „kleinere Versicherungssachen“ gemacht habe, habe er gelernt, welche Stellschrauben man drehen müsse. Sie seien Freunde geworden. Doch im Herbst 2017 war Schluss, als der Bekannte Anzeige erstattete.
Wie wurde aus einem Einser-Schüler ein mutmaßlicher Betrüger? Nach seinem Top-Abschlusszeugnis absolvierte er eine Lehre als Hotelfachmann. War in einem Spitzenhotel tätig. Doch er wollte „was Eigenes“ aufbauen, qualifizierte sich als Betriebswirt. Ohne Kenntnisse vom Bauwesen gründete er mit einem Bekannten eine Baufirma. Finanziell unterstützten ihn seine Eltern. Dann gesellten sich die „Versicherungssachen“ hinzu.
Gericht lässt sich auf Deal ein
Für den Prozess waren zehn Verhandlungstage mit gut 20 Zeugen vorgesehen. Zu Beginn der Hauptverhandlung bat der Verteidiger jedoch um ein Rechtsgespräch – salopp gesagt, einen Deal, um das Verfahren zu verkürzen, gegen ein Geständnis des Angeklagten. Im Gegenzug stellt das Gericht eine Strafe in Aussicht. Nach über drei Stunden Besprechung legte der Angeklagten in fünf Fällen ein umfassendes Geständnis ab. Die Staatsanwaltschaft stellte sechs minderschwere Fälle ein. Den 31-Jährigen werden laut Deal zwischen drei und vier Jahren Freiheitsstrafe erwarten. Ob es dabei bleibt, hängt davon ab, wie ernst es der Angeklagte mit seinen Geständnissen meint. Der junge Mann ließ allerdings durchblicken, dass eigentlich der einstige Freund ihn auf die kriminelle Idee gebracht habe.
Der Prozess wird am 31. Oktober fortgesetzt.