Herxheim Kaderschmiede für Theaterleute von morgen: Schulgruppe des Chawwerusch

Ben Hergl (links) mit seinem Nachfolger Danilo Fioriti.
Ben Hergl (links) mit seinem Nachfolger Danilo Fioriti.

Seit 26 Jahren gibt es am Herxheimer Pamina-Schulzentrum die Theatergruppe „Szenario“. Gegründet hat sie Ben Hergl vom Chawwerusch-Theater. Jetzt verabschiedet er sich mit Georg Büchners Komödie „Leonce und Lena“. Sein Nachfolger tritt in große Fußstapfen.

Vor 26 Jahren hatte Ben Hergl, Schauspieler und Regisseur am Chawwerusch-Theater, die Idee, Schauspiel auch in die Schule zu bringen. Am Herxheimer Pamina gründete er eine Theatergruppe, der Schüler aus beiden Schulen dort angehören. Und jedes Jahr konnte er bisher ein neues Stück auf die Bühne bringen. Diese Produktivität erstaunt umso mehr, da er es mit einem stets neu zusammengesetzten Ensemble zu tun hatte. Aktuell besteht „Szenario“ aus sechs Schauspielerinnen und drei Schauspielern der Mittel- und Oberstufe. Die Schüler treffen sich jeden Donnerstag in der Theater-AG – auf freiwilliger Basis und ohne Notendruck.

Wichtig sei das Interesse am Theaterspielen und die Bereitschaft, dafür viel Zeit und Disziplin aufzubringen, sagt Hergl. Denn zu den drei Wochenstunden in der AG kommen noch monatliche Blocktage und vor Aufführungen fünf Probewochen dazu. Solchermaßen professionell vorbereitet, spielen die jungen Schauspieler im Theatersaal von Chawwerusch. „Eine enorme Leistung“ findet Hergl und erzählt nicht ohne Stolz, dass zehn seiner ehemaligen Schüler heute Berufe im künstlerischen Umfeld des Theaters ergriffen haben.

Abschied mit „Leonce und Lena“

In all den Jahren hat Hergl großen Wert darauf gelegt, die Stücke gemeinsam mit seinen Eleven zu entwickeln. Das gilt gleichermaßen für die Eigenproduktionen als auch für die Klassiker. Dabei habe er immer Stoffe ausgesucht, die einen Platz im Leben der Jugendlichen hätten, sagt er. Die kollektive Erarbeitung des Stücks ist angesagt“, erklärt der Regisseur sein Konzept. Das gilt in besonderem Maße für die aktuelle Inszenierung, mit der Hergl sich von „Szenario“ verabschiedet. Die Schüler bringen die Komödie „Leonce und Lena“ von Georg Büchner (1813-1837), einem prominenten Vertreter der literarischen Epoche Vormärz, auf die Bühne.

Eine Schulaufführung mit dem Chawwerusch-Theater.
Eine Schulaufführung mit dem Chawwerusch-Theater.

Im Stück wird die Geschichte zweier Königskinder erzählt, die, ohne sich zu kennen, miteinander vermählt werden sollen. Um dieser Zwangsehe zu entgehen, beschließen Leonce und Lena unabhängig voneinander zu fliehen. Auf der Flucht begegnen sich die beiden, verlieben sich und heiraten schließlich. Die jungen Schauspieler wählten das Stück aus, weil es von elterlichen Erwartungen, Selbstbestimmung und Sinnsuche im Leben handelt.

Texte mit Chat GPT erarbeitet

So durchlebt Prinz Leonce, bravourös gespielt von Simon Helm, alle Facetten von Melancholie, Freude, Trauer und Verzweiflung, die zum Erwachsenwerden gehören. Prinzessin Lena (Margarete Mundt) träumt zwar von der romantischen Liebe, stellt aber selbstbewusst fest: „Ich weiß besser, was ich will.“ Dieser Satz kommt im Original nicht vor, genauso wenig wie die Texte der Schüler, die mithilfe von Chat GPT erarbeitet wurden.

Am Ende des Schuljahres legt Hergl die Leitung von „Szenario“ in die Hände von Danilo Fioriti, ebenfalls festes Mitglied im Chawwerusch-Kollektiv. Da der Theaterpädagoge, der dort als Hausautor und Schauspieler wirkt, bereits Erfahrungen im Kinder- und Jugendtheaterbereich gemacht hat, bringe er die besten Voraussetzungen mit, seine Arbeit fortzusetzen, findet Hergl. Dennoch fällt ihm der Abschied nicht leicht. Er habe es sehr genossen, die Jugendlichen fürs Theaterspielen zu begeistern. Aber er wollte vor seinem 70. Geburtstag, der immer näherrückt, seine Nachfolge regeln. Dies sei auch ein Wunsch der Schulleitung gewesen, denn „Szenario“ ist ein Aushängeschild für das Pamina-Schulzentrum.

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