Essingen
In diese Pfälzer Dörfer kommt der Bäcker jetzt auf Rädern
Sie ist noch ganz jung, die „Betty“. Von daher wird sie sich zunächst noch „ungeschminkt“ zeigen. Das Make-up, also das Logo und Design, sollen später noch folgen. Doch bis dahin wird sie schon mal auf Tour gehen. Entscheidend ist nämlich nicht die Optik, sondern der Grund ihres Besuchs. Denn mit ihr gelingt es der Bäckerei Scheurich erst, größere Kreise zu ziehen. Sie steuert künftig Dörfer im Landkreis Südliche Weinstraße an, um sie mit frischen Backwaren zu versorgen, ohne jemand anderem Konkurrenz zu machen.
Unterwegs sind die Scheurichs ohnehin schon. Präsent sind sie auf Wochenmärkten, unter anderem in Landau und Bad Bergzabern. Mit einem Fahrzeug, das sie mal von der Bäckerei Bastian abgekauft und intern auf den Namen Basti getauft haben. Die Betty stellt nun das weibliche Gegenstück dar. Diesen Verkaufswagen hat sich der Essinger Betrieb neu zugelegt, weil das andere Gefährt, mit dem man unter der Woche bei Firmen hielt, um Snacks zu vertreiben, keine Tüv-Zulassung mehr bekommen hatte. Um neben diesem Catering, dem Markttreiben und dem Filialbetrieb in Essingen und Umgebung ein weiteres Standbein zu haben, wird das neue Fahrzeug nun auch am Wochenende bewegt, statt es im Fuhrpark stehen zu lassen. Zumal sich dadurch die Anschaffung, die sie eine sechsstellige Summe gekostet habe, umso mehr lohne.
Diese drei Dörfer steuert „Betty“ an„
Auf ihrer Liste haben die Scheurichs Freimersheim, Frankweiler und Hainfeld stehen. Drei Gemeinden, die eines verbindet: Sie hatten alle mal einen Bäcker im Ort. Wobei in Freimersheim die Zeiten schon länger zurückliegen, in denen sich Bürger vor Ort mit Brot und Brötchen versorgen konnten. Nicht so lange her ist es dagegen in Frankweiler, wo einst der Edenkobener Bäckermeister Claus Becker einen Standort hatte. Zuletzt machte dort die Bäckerei Antoine aus Göcklingen mit ihrem Bäckermobil Halt. In Hainfeld konnten sich Bürger noch bis Anfang 2024 mit Backwaren eindecken. Weil der Dorfladen damals aus wirtschaftlichen Gründen schloss, gab es danach auch keine Nahversorgung mehr.
Es ist kein Zufall, dass sich die Bäckerei Scheurich bei diesem neuen Angebot auf diese drei Ortschaften beschränkt. Die Gäugemeinde Freimersheim rückte in den Blickpunkt der Familie, weil dort Bäckermeisterin Annalena Scheurich-Baumann heimisch geworden ist. Bei den beiden anderen Dörfern hatten Gemeinderäte mit ihnen Kontakt geknüpft, um den Bewohnern eine Nahversorgung zu bieten.
Zwei Schwestern führen Familienbetrieb
So kommt es, dass die Scheurichs ab dem 16. Mai in allen drei Gemeinden Halt machen – zunächst an drei, bei personeller Verstärkung an allen Samstagen im Monat: Beginnen soll der Tag für sie stets ab 7 Uhr in Frankweiler, bevor es über Hainfeld (ab 9 Uhr) abschließend nach Freimersheim geht, wo ab 11 Uhr Kunden empfangen werden sollen. Jeweils anderthalb Stunden lang wird auf den Dorfplätzen alles über die Verkaufstheke gehen, was man im Sortiment hat: neben Brot und Brötchen auch Teilchen und Laugenprodukte.
Die Scheurich-Schwestern Annalena und Constanze, die die vierte Generation eines Familienbetriebs bilden, den ihr Vater Alexander Scheurich führt, sind überzeugt, mit der Betty den richtigen Weg einzuschlagen. Sie hätten dadurch die Chance, neue Kunden anzusprechen, ohne dafür ein Ladengeschäft anmieten und ausstatten zu müssen. „Dadurch bleiben wir flexibel, können dann bei Bedarf reagieren“, sagt Annalena Scheurich-Baumann, die auch als Brotsommelière bekannt ist, während ihre ältere Schwester Constanze für den Verkauf zuständig ist.
Bäckerei kooperiert mit „Too good to go“
Zumal man bereits über ein Filialnetz verfüge: Neben dem Stammsitz in Essingen ist die Bäckerei Scheurich noch an drei weiteren Standorten vertreten, zum Beispiel in Böchingen. Darüber hinaus beliefern die Scheurichs noch den Dorfladen im Alten Rathaus in Weyher mit ihren Produkten.
Constanze Scheurich weist darauf hin, dass für die Samstagstouren Vorbestellungen möglich sind. Das helfe, um besser planen zu können. Wobei man darauf bedacht sei, nur so viel zu produzieren, wie man schätzungsweise auch benötige. Da dies aber nicht immer gelingen kann, wird versucht, die überschüssige Ware am Ende des Tages vergünstigt an die Kunden zu bringen. Gerade die App Too good to go helfe ihnen, der Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. So seien allein in diesem Jahr mehr als 450 Überraschungstüten abgeholt worden, informiert Constanze Scheurich.
