Wilgartswiesen
Hotel Am Hirschhorn: Champagner und Austern mitten im Pfälzerwald
„Das Hotel ist von morgens bis abends unser Leben.“ Das sagt Gabi Ulses. Sie und ihr Mann Oliver waren beide erst 29 Jahre alt, als sie Inhaber des Hotels Am Hirschhorn wurden. Das liegt nun über drei Jahrzehnte zurück. Seitdem ist aus einer kleinen Pension hoch über Wilgartswiesen ein schickes Hotel geworden, das einige Dinge vereint, die man auf den ersten Blick nicht mitten im Pfälzerwald vermuten würde. Und das liegt nicht nur an den inzwischen 23 Um- und Anbauten, sondern vor allem am steten Mut des Ehepaars zur Veränderung.
Doch bevor Gabi Ulses irgendetwas über das Haus und ihre Geschichte sagt, gilt ihr erster Satz der großen Leidenschaft der Familie: dem Champagner. „Nach meinem Wissen haben wir das größte Champagnersortiment in ganz Rheinland-Pfalz“, berichtet die Wilgartswiesenerin. Und das kommt so.
Froschschenkel und Foie gras auf der Speisekarte
Ihr Mann, der aus einer Speyerer Gastronomenfamilie stammt und in der Domstadt die Kunst der französischen Küche erlernte, ist absoluter Frankreichliebhaber. Deswegen sei die Karte des hoteleigenen Restaurants von Fisch, Meeresfrüchten und anderen Frankreich-Spezialitäten wie Entenstopfleber, Austern oder Froschschenkeln geprägt. Alle zwei Wochen fahren die beiden auf den Großmarkt nach Straßburg. In die Küche kommen nur frische Zutaten. „Bei uns gibt’s keinerlei Fertigprodukte“, hält Gabi Ulses fest. „Wir lieben alles, was schmeckt, und sind absolute Qualitätsfanatiker.“
Zurück zum Champagner. Von einem solchen hatte sich das Ehepaar auch mal eine Flasche gekauft. „Aber das war nicht so das Aha-Erlebnis“, gibt Gabi Ulses schmunzelnd zu. Doch so, wie sie ihr Hotel führen, gingen die beiden auch die Champagner-Sache an: Voller Akribie studierten sie alles zu dem Thema und machten dann eine Reise in die Champagne. Seit zwölf Jahren gehört diese zu ihrem Jahresprogramm. „Wir sind immer eine Woche dort, besuchen jeden Tag drei bis vier Weingüter und kaufen alles direkt dort ein.“ Aktuell zählt die Karte 70 Sorten von 15 Winzern. Hinzu kommt noch ein großes und dickes schwarzes Buch: die Weinkarte mit 250 Positionen, die von Tochter Nadine Bätz betreut wird, die gelernte Sommelière ist.
„Wir wollen Champagner das elitäre Image nehmen“
„Wir wollen dem Champagner das elitäre Image nehmen und zeigen: Das sind auch nur Winzer wie bei uns, die ihr Herzblut in die Flaschen stecken – nur dass halt noch Kohlensäure mit drin ist“, meint die 62-Jährige verschmitzt. Und ebenso halten sie es auch mit ihrer Rolle als Hotelinhaber: „Wir sind halt Pfälzer. Gerade heraus, strebsam und die Gastfreundschaft im Blut.“
Wohl auch deswegen gehören inzwischen viele Stammkunden zu den Gästen des kleinen 4-Sterne-Hotels mit 17 Doppelzimmern und Appartements – alle unterschiedlich groß und individuell eingerichtet. Im Hotel Am Hirschhorn gibt es beispielsweise die Young-Lifestyle-Zimmer mit offenem Bad, das Studio Steinzeit mit blau beleuchteter Dusche und Kieselboden oder die 60 Quadratmeter große Adlerhorst-Suite unterm Runddach aus Holz mit großem Balkon und Blick ins Tal und auf den Pfälzerwald.
Wellnessbereich mit Pool und Sauna mit Ausblick
Den gewährt auch das Restaurant mit seinen 60 Plätzen im Inneren und 40 Plätzen auf der überdachten Terrasse – und der Wellness- und Fitnessbereich. So kann man in der finnischen Sauna schwitzen und dabei durch ein großes Panoramafenster nach draußen blicken. Zudem findet man in dem 600 Quadratmeter großen Spa unter anderem Indoor-Pool, Infrarotkabine, Dampfsauna, Römisches Bad, Kosmetik und Massage, Vitalecke und Eisbrunnen im Weinfass.
Als jüngste Neuerung kam vor fünf Jahren „Glamping“ hinzu – eine Idee, die der Corona-Zeit entsprang. Die Ulses, die selbst einen Campingwagen haben, richteten einen Teil ihres Außengeländes zum Wohnmobil-Stellplatz her. „Und die Camper können unseren Wellnessbereich nutzen und im Restaurant essen.“
Einst Hotelschließung wegen Personalmangels
Denn: „Man muss schon etwas Besonderes bieten und Werbung machen – inzwischen natürlich auch auf Social Media und allen Buchungsplattformen. Von alleine kommt keiner nach Wilgartswiesen“, ist der Hotelinhaberin bewusst. Das zeigt sich auch beim Personal. Schon vor der Pandemie sei es schwierig gewesen, Fachkräfte zu bekommen – gerade für die Küche. Zwar hat das Hotel ein eigenes Personalhaus, aber ohne Auto sei Wilgartswiesen mit den Arbeitszeiten im Hotellerie- und Gastrogewerbe schwer erreichbar.
Der generelle Personalmangel und das an Bedeutung gewinnende Thema Work-Life-Balance mache die Lage in der Branche nicht einfacher. So habe das Hotel Am Hirschhorn, das eine Auslastung von 60 bis 65 Prozent im Jahresdurchschnitt hat, auch schon mal vier Wochen geschlossen werden müssen, berichtet Ulses. Aktuell könne mit 20 Mitarbeitenden aber alles gut gestemmt werden, erzählt sie und versichert, dass sie und ihr Mann noch lange nicht ans Aufhören denken.
Die Serie
Wir leben in einer Region, in der andere Urlaub machen. Unterkünfte gibt es viele, doch nur eine überschaubare Anzahl an klassischen Hotels. Nach den Corona-Jahren haben sich manche Häuser neu erfunden, um Gäste anzulocken. Welche Zielgruppen erreichen sie? Wo sind ihre Schwerpunkte? Und wie haben sich Kundenwünsche verändert? In der Serie „Gut gebettet“ blicken wir in loser Reihenfolge hinter die Kulissen der Hotels in der Südpfalz.

