Appenhofen
Hofstand an der B38: Hier wird die Pfalz verkauft [mit Video]
Es ist viel Verkehr auf der B38. Für die Ingenheimer, die an der Hauptstraße wohnen, ist dies ein Fluch. Sie klagen über Raser, Lärm und Abgase. Ein paar Meter weiter oben liegt hingegen Erdbeerduft in der Luft. Vor dem Verkaufsstand des Weinguts Diehlenhof stehen jede Menge Schälchen mit der fruchtigen Leckerei und Kisten mit Spargel, zudem Kartoffeln, Zwiebeln und Gelees. Im Stand selbst gibt es jede Menge Wein und Sekt.
Der Verkaufsstand des Diehlenhofs steht also an prominenter Stelle – die Südpfälzer kennen ihn, denn es gibt ihn an diesem Platz inzwischen seit mehr als 20 Jahren. Die Familie Lintz verkauft dort ihre eigenen Erzeugnisse, hauptsächlich Wein und Sekt, aber auch zugekaufte Produkte – unter anderem Dosenwurst – von befreundeten Pfälzer Betrieben. Wie kam es dazu? „Kunden haben Wein gekauft und gefragt, ob wir auch Spargel haben“, erzählt Emil Lintz im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Dann kam uns die Idee, unser Sortiment zu erweitern.“
Es geht um Saisonalität
Ein wichtiges Prinzip sei die Saisonalität: „Aber Keschde und Walnüsse gibt es am Stand bei uns nicht, auch wenn das von Kunden oft nachgefragt wird.“ Beim gewerblichen Verkauf seien die Regularien hierfür umfangreich. Die Geschichte des Weinguts Diehlenhof reicht bis 1855 zurück. Heute führt Emil Lintz den Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Marion in vierter Generation. „Und die nächste Generation steht in den Startlöchern“, sagt er. Gemeint ist unter anderem Sohn Lennert. Der 16-Jährige beginnt bald seine Winzerlehre im Weingut Anton in Herxheim. Insgesamt hat das Paar vier Kinder.
Hinter dem Weingut Diehlenhof steht ein Team von etwa zehn Personen. Ingrid Schäffer aus Niederhorbach kauft regelmäßig hier ein, wenn sie in der Gegend ist. An diesem Tag nimmt sie Spargel und Erdbeeren mit – verbunden mit einem kleinen Plausch. „Das Personal hat immer ein Lächeln“, sagt sie. Auch eine Kundin aus Mörzheim greift beim Spargel zu, weil sie in der Nähe einkaufen war. „Ich war schon öfter hier und ich fahre nicht gerne nach Landau.“ Da sei immer so viel Verkehr, schiebt sie hinterher, lacht und geht zu ihrem Auto.
Alter Standort des Weinguts nicht mehr geeignet
Für den Betrieb des Verkaufsstands ist eine vorausschauende Planung wichtig: „Leer werden die Produkte nicht. Im Lager gibt es Nachschub, nicht nur, was den Wein angeht“, sagt Emil Lintz. In der Spargel- und Erdbeerzeit und Richtung Wochenende ist besonders viel los. Der Betrieb von Lintz ist gewachsen. Vor etwa 20 Jahren kaufte die Familie das Weingut an der B38 in Appenhofen, das sich einst im Eigentum der Familie Kern befunden hatte. Der Grund: Am ursprünglichen Standort in Mörzheim war der Platz knapp geworden, erklärt der 45-Jährige. Der Standort an der B38 habe genau gepasst und mehr Kundschaft gebracht. In Mörzheim sei es eher ruhig gewesen. Für ihn sei viel Verkehr gut, denn dann werde sein Stand gesehen.
Immer wieder halten dort auch Menschen an, die zufällig in der Südpfalz unterwegs sind. Ein Paar aus Mayen berichtet, man sei zuvor in Luxemburg und im Elsass unterwegs gewesen und habe die Autobahn gemieden. „Wir wollten Spargel kaufen – und sind hier fündig geworden.“ Für Emil Lintz sind solche Begegnungen typisch. Viele kaufen spontan, nehmen auch mal Wein mit – und wenn dieser mundet, bestellen sie ihn später von zu Hause nach. „So werden sie dann zu Stammkunden“, sagt er.
Einen Ausschank gibt es nicht
Inzwischen hat der Zahn der Zeit am Verkaufsstand genagt. Deshalb ist eine Modernisierung geplant, sagt der Chef des Weinguts. Ein Termin steht noch nicht fest. Klar ist: Der Verkaufsstand soll auch baulich zukunftsfähig gemacht werden. Mit Sohn Lennert steht die nächste Generation wie erwähnt bereit. Während der Verkehr über die B38 rollt, sollen Kunden zu Erdbeeren, Spargel und Wein greifen. So läuft das hier schon seit 20 Jahren – und so soll es auch künftig sein.

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