Meinung Geringe Wahlbeteiligung in Bad Bergzabern: Keine Mehrheit in Sicht

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Die Wahlbeteiligung von 35,4 Prozent in Bad Bergzabern ist desaströs. Die Kandidaten müssen sich deshalb hinterfragen. Aber auch die Nichtwähler sind am Zug, sie müssen Ruhig bleiben.

Wow, was war das spannend am Sonntagabend. Per Stichwahl wurde in mehreren Orten im Bad Bergzaberner Land entschieden, wer in den kommenden fünf Jahren auf dem Bürgermeisterstuhl Platz nehmen darf. Am Ende waren es sowohl in Kapsweyer als auch in Schweigen-Rechtenbach nur drei Stimmen, die die jeweiligen Kandidaten voneinander trennten. In Kapsweyer setzten 297 Menschen ihr Kreuz bei Bernhard Jud (FWG), 294 entschieden sich für Heiko Angermeier (SPD). 373 zu 370 Stimmen hieß es in Schweigen-Rechtenbach zwischen Sabine Bentz (FWG) und Mohamed Sami-Augustin (SPD). In beiden Fällen wäre das Pendel also in die andere Richtung ausgeschlagen, hätten sich zwei Wähler anders entschieden.

Mit dem Rückenwind einer breiten Mehrheit treten die beiden Sieger am Weintor und am Viehstrich ihr neues Amt damit nicht gerade an. Aber so funktioniert eben Demokratie. Zumal das Ergebnis bei einer Wahlbeteiligung von 65,6 Prozent in Schweigen-Rechtenbach und von sogar 78,6 Prozent in Kapsweyer zumindest annähernd repräsentativ für den Willen der Bevölkerung ist.

Wahlbeteiligung in der Kurstadt ist desaströs

Und damit sind wir bei Stichwahl Nummer drei angekommen. Das Rennen um den Posten als Stadtbürgermeister entschied Hermann Augspurger (FWG) gegen Martin Körner (SPD) mit 1260 zu 988 Stimmen für sich. In Prozenten ausgedrückt lautet das Ergebnis 56 zu 44 Prozent. Verglichen mit Kapsweyer und Schweigen-Rechtenbach geht der Amtsinhaber also mit etwas mehr Rückenwind in seine zweite Amtszeit.

Es ist aber auch nicht gerade eine Orkanbö, die Augspurger für weitere fünf Jahre ins Schloss weht. Denn insgesamt haben 2278 Menschen ihr Kreuz gesetzt – von möglichen 6430. Die daraus resultierende Wahlbeteiligung von 35,4 Prozent ist desaströs. Und sie bedeutet, dass sich nur 19,6 Prozent aller Wahlbeteiligten für Augspurger ausgesprochen haben. Von einer Mehrheit der Bevölkerung kann da nicht die Rede sein, die ist nur mit einem starken Fernglas in Sichtweite.

Wer nicht wählt, darf nicht motzen

Um eines klarzustellen: Die Legitimation für das Amt des Bürgermeisters ist Augspurger nicht ansatzweise abzusprechen. Er und sein Kontrahent Körner müssen sich dennoch die Frage stellen, wieso sie nur so wenige Wähler mobilisieren konnten. Wobei auch erwähnt werden muss, dass das Problem weder neu noch exklusiv eines der Kurstadt ist.

Der Spieß muss aber auch unbedingt umgedreht werden. Eigentlich hat keiner der Nichtwähler die Berechtigung, über den Bürgermeister zu motzen. Insofern sollte es in Bad Bergzabern in den kommenden fünf Jahren ziemlich ruhig zugehen. Wetten, dass es anders kommt?

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