Edenkoben
Geografie-Ass im größten Bundesfinale
Bei der Schokolade geht es oft nur um den Geschmack, nicht darum, wo und unter welchen Bedingungen die Zutaten gewonnen werden. Und dass es aus verschiedenen Ecken der Welt Rohstoffe braucht, um ein Smartphone herzustellen, ist wohl auch nicht jedem bekannt. Immerhin wird dieses Wissen schon in der Schule vermittelt, gerade im Erdkundeunterricht. Insofern beweist es für den Edenkobener Gymnasiasten Laurin Gerst, dass es in diesem Fach um weit mehr geht als nur um das bloße Auswendiglernen von Landeskarten und Flaggen, was manche irrtümlich annehmen.
Der 16-Jährige zählt Geografie neben Sozialkunde und Geschichte zu seinen Lieblingsfächern. Und gerade in diesem Themengebiet macht ihm so schnell keiner etwas vor. Der Jugendliche ist aktuell der beste Erdkundeschüler im Land Rheinland-Pfalz. Jedenfalls hat er im bundesweit größten Geografiewettbewerb Diercke Wissen bereits zeigen können, was in ihm steckt. Er hat sich nämlich für das Bundesfinale qualifiziert.
Wer steckt hinter dem Wettbewerb?
Hinter dem Wettbewerb stecken der Westermann Bildungsmedien Verlag als Herausgeber des Diercke Weltatlas sowie der Verband Deutscher Schulgeografie. Rund 300.000 Schüler der siebten bis zur zehnten Klasse nehmen jährlich daran teil. Laurin Gerst ist in diesem Jahr einer der 17 Finalisten, die Anfang Juni in Braunschweig zusammenkommen.
Drei Hürden hat der Edenkobener seit Anfang dieses Jahres genommen, um bei der Endrunde dabei zu sein. Zunächst war er Klassenbester, danach setzte er sich am Edenkobener Gymnasium gegen 350 Schulkameraden durch. Den Landesentscheid, der im März folgte, hatte er zwar schon mal erreicht, das war vor zwei Jahren. Nun, im zweiten Anlauf, klappte es mit dem Sieg. „Ich bin dieses Mal aber auch gelassener da reingegangen“, verrät der Edenkobener.
Wissen muss man sich in der Freizeit aneignen
Laurin Gerst kann von sich behaupten, dass er ein Erdkunde-Ass ist. Wobei er wohl nicht nur das Talent habe, sich das Wissen in diesem Bereich aneignen zu können, sondern auch genügend Zeit damit verbringt, sich selbst weiterzubilden. Die Fragen, die beim Wettbewerb gestellt werden, sind nämlich unabhängig vom Lehrplan. Dadurch, dass Erdkunde nur einen geringen Teil des Stundenplans ausmacht, wird auch Wissen abgefragt, das nicht im Schulunterricht behandelt werden kann.
Laurin Gerst hat sich schon früh für solche Erdkunde-Themen interessiert. Schon in der Kita-Zeit habe er sich mit seinem Zwillingsbruder Landkarten angeschaut. „Schon damals konnten wir die Bundesländer mit ihren Hauptstädten nennen.“ Heute nutzt der Pfälzer gerne Google Earth, schaut sich also im Internet Karten an. „Vor allem für Berge kann ich mich begeistern.“ Was das Reisen angeht, stehen Neuseeland und Island oben auf der Liste der Länder, die er gerne erkunden möchte – auch wegen der Vulkane.
Blick in die Tests: Hätten Sie es gewusst?
Wer einen Blick in die Tests wirft, die in den ersten beiden Runden verteilt wurden, dürfte merken, wie schnell man an seine Grenzen stoßen kann. So mussten die Mädchen und Jungen unter anderem erraten, welches deutsche Stadt zu dem Bahnnetz passt, das ihnen dargestellt wurde,. Europäische Länder waren nach ihrem Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner absteigend zu sortieren. Und den Begriff „Virtuelles Wasser“ mussten die Jugendlichen auch erklären.
Den Geografiewettbewerb, anfangs noch National Geografic Wissen genannt, gibt es seit dem Jahr 2000, wobei die Veranstaltung in dieser Zeit auch wegen Corona insgesamt drei Mal ausfiel. Die Organisatoren möchten für das Fach Geografie und seine gesellschaftsrelevanten Themen werben.
Finalsieg wäre eine Premiere
Das Bundesfinale wird live auf Youtube übertragen. In drei Runden gilt es dann, Fragen zu den Kategorien Deutschland, Europa und die Welt zu beantworten. Wer einen Vorgeschmack haben möchte: Im vergangenen Jahr wurde unter anderem gefragt, welche Nation die drittmeisten Waren durch den Panamakanal transportierte.
Laurin Gerst freut sich, dort dabei sein zu können. Würde er auch dort das Rennen machen, wäre er der erste Sieger, der aus Rheinland-Pfalz kommt.
Wer es genau wissen möchte, wie stark sein eigenes Erdkunde-Wissen (noch) ist: In einem frei zugänglichen Online-Trainingscenter bieten die Veranstalter Interessierten die Möglichkeit, anhand von Übungsfragen das Geografiewissen zu testen.