Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Generationswechsel im Archiv: 22-Jährige hütet Schätze der Dorfgeschichte

Andreas Imhoff und seine Nachfolgerin Athena Orso stöbern im Archiv.
Andreas Imhoff und seine Nachfolgerin Athena Orso stöbern im Archiv.

Historische Ratsprotokolle gelten als wahre Schätze. Das VG-Archiv in Edenkoben bewahrt sie und macht sie fit für die Zukunft. Dafür verantwortlich ist nun eine 22-Jährige.

Wer wissen möchte, wann seine Urgroßväter geboren wurden, welchen Beruf sie einst ausübten oder wann die Urgroßeltern geheiratet haben, der findet Antworten im Keller der Verbandsgemeindeverwaltung Edenkoben – sofern betreffende Personen in der heutigen VG gelebt haben. Im Untergeschoss findet sich nämlich das Archiv. Neben Standesamtsbüchern und -akten aus dem 18. und 19. Jahrhundert lagern dort Baupläne, Flurkarten, Urkunden, Akten, Amtsblätter, Pressespiegel und Ratsprotokolle.

Gerade Letztere haben es Andreas Imhoff besonders angetan. Für ihn sind diese die wahren Schätze im Archiv. „In den Protokollen findet man immer wieder interessante Inhalte, viel mehr als in manch anderen Akten. Die Protokolle geben die Geschichte der Dörfer wieder. Diese Schätze unserer Geschichte müssen wir bewahren.“ Wichtig sei dabei nicht zuletzt die Tatsache, dass sich die Bevölkerung tatsächlich für ihre Vergangenheit interessiere.

Die VG-Archive waren alle in einer Hand

28 Jahre lang hatte der 66-Jährige aus Bad Bergzabern nicht nur das Archiv der VG Edenkoben unter seinen Fittichen, sondern auch die der VG Herxheim, Maikammer, Offenbach und Landau-Land. Hinzu kommt das Archiv der Kreisverwaltung, in dem er heute als Aktivrentner immer noch tätig ist.

Angefangen hat alles damit, dass das Landesarchivgesetz geändert wurde. Die Ortsgemeinden wurden dadurch verpflichtet, ihre alten Bestände an die VG abzugeben. Fortan musste sich also dort um die Archivierung der alten Unterlagen gekümmert werden. Alternativ hätte dies auch durch das Landesarchiv in Speyer geschehen können, dann aber hätte eine VG eine Mark pro Einwohner und Jahr an das Landesarchiv zahlen müssen. So entschied man sich in Edenkoben, die Stelle eines Archivars einzurichten und diese Aufgabe an Imhoff zu übertragen.

In den Ortsgemeinde lagern noch große Schätze

„Es wurde nicht alles übergeben, viele Ortsbürgermeister hielten die aus ihrer Sicht besten Stücke zurück. So liegt einiges an altem Material bis heute in den Ortsgemeinden“, sagt Imhoff. Bevor er nach Edenkoben und in die anderen VGs kam, war er in Landau als Stadtarchivar tätig. Er hatte zuvor Geschichte und Romanistik studiert, vor allem Französisch, und promovierte über „Die Wirtschaft und Gesellschaft in der Festungsstadt Landau in den Jahren 1687 bis 1815“. „Schon 1974 wurden zwei ältere Beamte aus der VG beauftragt, ganz altes Schriftgut zu sammeln, um es dann an das Landesarchiv abzugeben. Da waren dann die echten Bonbons dabei, die teilweise aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammen“, erklärt Imhoff.

Im vergangenen Herbst hat er seine Aufgaben in den VGs schließlich in jüngere Hände gegeben, nämlich in die von Athena Orso aus Hainfeld. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung zur Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste las die 22-Jährige die Ausschreibung der VG und sagte zu sich: „Das klingt doch interessant.“ Sie bewarb sich und bekam die Stelle.

Digitalisierung des Archivs als große Aufgabe

Ihre Ausbildung hatte sie in der wissenschaftlichen Bibliothek des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) absolviert. In dieser Zeit absolvierte sie zudem Praktika in Archiven, unter anderem im Spielearchiv in Nürnberg. Auf die Frage, ob sie schon den aus ihrer Sicht größten Schatz gefunden habe, antwortet sie: „Noch nicht, aber ich habe ja noch Zeit, und beim Durchforsten des Archivs wird sich doch wohl ein solcher finden.“

Orso hat sich für das Eintauchen in die Archive entschieden, begibt sich dabei aber nun auf ein weiteres Feld, nämlich das der Digitalisierung. Alle Seiten der vorhandenen Schriftstücke werden dazu abfotografiert oder gescannt und dann digital erfasst. Eine Sisyphosarbeit, die Orso nicht selbst übernehmen muss. Stattdessen kümmern sich Fachfirmen darum. Aber auch sie selbst erfasst notwendige Daten und digitalisiert sie. Dafür kann sie schon bald auf eine spezielle Archivsoftware zurückgreifen.

Auch das analoge Archiv lebt weiter

„Gerade in der VG Edenkoben muss ich jeden Ordner sichten. Die Software soll dann unter anderem auch der Unterstützung bei der Familienforschung dienen.“ Zudem gibt es Arbeiten, auf die man gar nicht gleich kommt, etwa das Entfernen von Heft- und Büroklammern, weil diese Rost ansetzen und dadurch die Schriften beschädigen.

Ehe die alten Akten, Bücher und Schriftstücke entsorgt werden dürfen, müssen bestimmte Auflagen erfüllt werden. Einzelne, besonders erhaltenswerte Exemplare bewahrt man nach wie vor im Original auf. Orso sieht die Digitalisierung positiv, gerade für kleinere Archive wie das der VG Offenbach oder Maikammer. Die Archivarin kann sich gut vorstellen, sowohl analog als auch digital zu arbeiten. „Wenn genügend Platz zur Verfügung steht, ist das aus meiner Sicht Seite an Seite möglich. Ich bin ohnehin der Meinung, dass man diese alten Stücke zwei- oder vielleicht sogar dreifach sichern sollte.“ Sie erinnert daran, dass schon in früheren Zeiten Protokolle zweifach geschrieben wurden.

„Ich habe mich in den mittlerweile sechs Monaten, in denen ich hier bin, ganz gut eingefunden. Die Arbeit macht mir richtig Spaß, sie ist genau das, was ich mir erhofft habe“, sagt Orso. Andreas Imhoff stellt abschließend fest: „Als Archivar ist man schon ein bisschen ein Exot.“

x