Völkersweiler / Landau / Dahn
Gemüse-Abo kommt nach Landau: Erntekiste aus dem Pfälzerwald
Matsch an den Stiefeln, Erde unter den Fingernägeln und viele strahlende Gesichter: In den Sommermonaten tummeln sich an Wochenenden bis zu 30 Menschen auf dem Josefshof bei Völkersweiler, um im Garten und bei der Feldarbeit mitanzupacken. Keine Bauern oder Mitarbeiter, sondern Leute wie du und ich, aus den Nachbardörfern, aus der Stadt, samt ihrer Kinderschar. Denn vor einem Jahr ging dort die „Solawi Südpfalz“ an den Start – die erste Solidarische Landwirtschaft der Südlichen Weinstraße. Und die schlägt nun auch in Landau ihre Zelte auf.
Bald Abholstation in Landau – Bad Bergzabern und Dahn geplant
Aber was verbirgt sich eigentlich dahinter? Eine Solawi ist eine Art Gemüse-Abo – und noch weit mehr. Sie ist ein großes Gemeinschaftsprojekt. Denn hier wird nicht einfach Ware bestellt und geliefert, sondern die Mitglieder tragen mit ihrem Beitrag den ganzen Betrieb – teilen mit dem Bauern Risiko und Ernteglück. Die Gärtner planen und bauen an, die Mitglieder zahlen einen Beitrag und holen ihren Anteil an der Ernte ab: saisonal, regional, bio – ohne Plastikschalen und Schönheitswettbewerb für die Feldfrüchte. Und wer will, hilft bei Pflanzaktionen, beim Jäten oder beim Aufbau mit.
Für 100 Euro im Monat gibt’s wöchentlich eine Erntekiste mit acht bis zehn wechselnden Sorten; im Winter im Zwei-Wochen-Rhythmus. 21 Haushalte machten zum Start mit, aktuell sind es 46. „Wir haben unsere Anbauflächen erweitert und jetzt Platz für 80 Erntehelfer“, erklärt der Westpfälzer Jannik Scheerer, der zusammen mit Hofleiter Axel Burkard die Solawi Südpfalz GbR gegründet hatte. Die Gemüsekisten gibt’s immer freitags direkt auf dem Hof. Weil Völkersweiler für viele aber eine ganze Ecke ab vom Schuss liegt, eröffnet die Solawi jetzt eine zusätzliche Abholstation in Landau. Wer mitmacht, kann seinen bunten Warenkorb ab April auch auf der Wollmesheimer Höhe abholen, wo die Solawi dafür eine Garage gemietet hat. „Und weitere Ausgabestellen in Bad Bergzabern und Dahn wären möglich, wenn dort jeweils zehn bis zwölf Mitglieder zusammenkommen.“
Erster Brot-Automat der Südpfalz auf Josefshof
Passend zur neuen Gemüse-Station hat die Solawi gerade noch an anderer Stelle das Netzwerk nach Landau erweitert. Der Geruch frisch gebackenen Sauerteigbrots umweht die Nase: „Wir machen eine Kooperation mit Monogam“, berichtet Scheerer. Vor zwei Jahren haben Miriam und Laura Kirsch in den Uferschen Höfen ihr Café eröffnet, in dem sie handgemachtes Brot wie zu Uromas Zeiten anbieten. Und das gibt’s künftig auch auf dem Josefshof. Und, psst ..., das sei schon mal verraten: Ab Sommer sogar rund um die Uhr und einfach auf Knopfdruck – im ersten Brot-Automaten der Südpfalz.
Es hat sich also einiges getan im ersten Jahr. Und noch mehr ist geplant. Darunter auch ein grünes Pionierstück für die Region. Aber dazu kommen wir noch. Dabei ist es schon eine Besonderheit an sich, dass inmitten des Pfälzerwaldes überhaupt ein so großes Anbau-Projekt aus der Erde sprießt. Denn die Gegend bietet bei Weitem nicht das, was man landwirtschaftlich als guten Boden bezeichnen würde. Es kommt nicht von ungefähr, dass der Gemüsegarten der Pfalz in der Rheinebene liegt und nicht im Wasgau. Zum Vergleich: Gemüseanbau betreibt man üblicherweise ab einer Bodenqualität von 60 Punkten, in der Waldgemeinde kommt man auf gerade mal 20 bis 25 Bodenpunkte. Zudem ist es oft windig und lange kalt.
50 Obst- und Gemüsesorten wachsen auf Josefshof
Aber davon hat sich das Team des Josefhofs nicht abschrecken lassen. „Unsere größte Mission ist deswegen: Humus aufbauen und die Böden verbessern“, erklärt Scheerer. Der Blick schweift über das Meer von Beeten, überall recken sich Salate, Gemüseblätter und Pflanzen in die Höhe. „Man sieht: Es funktioniert“, bemerkt Yvonne Rümmele lächelnd, die Ökologische Landwirtschaft studiert hat und seit Kurzem als Gärtnerin bei der Solawi angestellt ist.
Im Marktgarten auf dem Hof wachsen auf 13.000 Quadratmetern rund 50 Obst- und Gemüsesorten. Und Rümmele probiert gerne Neues aus – wie Hirschhornwegerich, der für Pep im Salat sorgt. Direkt um die Ecke hat die Solawi noch drei große Äcker. Und dort befindet sich auch „die Testfläche“, wie Scheerer das Feld nennt, auf dem die Solawi jetzt Hirse-, Linsen- und Kichererbsen-Anbau ausprobiert.
Agro-Forst entsteht: Naschgarten für Mitglieder
Die wichtigsten Mitarbeiter sind aber die neun Deutschen Sattelschweine. Wenn sie sich nicht gerade in der Sonne suhlen, wühlen sie sich leidenschaftlich gerne durch die Erde – und zack, hat man einen vorgearbeiteten Acker. Und auf diesem soll nun ein Agro-Forst emporwachsen. Noch nie davon gehört? Macht nichts. Rümmele liefert die Erklärung. Agro-Forst klingt nach Wald, ist aber Landwirtschaft mit Bäumen und Sträuchern. Am Rand der Gemüseflächen werden verschiedene Obstgehölze gepflanzt, aus denen ein großer Naschgarten werden soll. Die Mitglieder können dann nach Herzenslust Johannisbeeren, Kiwi, Nashi-Birnen, Feigen, Maulbeeren und Co. selbst ernten.
Termin & Kontakt
Am 21. März, 13 Uhr, gibt es eine Infoveranstaltung auf dem Hof; www.solawi-suedpfalz.de, E-Mail solawi-suedpfalz@web.de, Telefon 06346 3080478.
