Herxheim / Südpfalz
Existenzielle Gefahr: Landwirte sind Opfer von massenhaftem Diebstahl
Matthias Detzel und Peter Trauth sind fassungslos. „Wir wissen nicht mehr so recht, wie wir uns helfen sollen“, sagt Detzel. „Das zermürbt auch“, sagt Trauth. „Da verliert man irgendwann die Lust an dem Job, den man so gerne macht.“ Detzel und Trauth sind Landwirte und haben beide große Höfe in Herxheim. Ihr Problem: Draußen in der Flur rund ums Großdorf sind Diebe unterwegs, die seit ein paar Monaten in großem Stil zuschlagen.
Grundsätzlich sei auf den Feldern schon immer das eine oder andere gestohlen worden, erzählt Detzel. Unter anderem deshalb, weil Langfinger dort kein allzu schweres Spiel haben. Einerseits sind dort nachts kaum Menschen unterwegs, die einen auf frischer Tat ertappen könnten. Andererseits gibt es dort keine Mauern oder Zäune, die zu überwinden sind, um an das begehrte Gut zu kommen.
Messing ist sehr wertvoll
Im Fokus stehen die Beregnungsanlagen. Da sind zum einen die Aggregate, mit denen die Pumpen betrieben werden. Befüllt sind die Maschinen mit Diesel von der Tankstelle. Innerhalb der vergangenen drei Monate seien aus seinen Aggregaten etwa 300 Liter Kraftstoff gestohlen worden, erzählt Detzel. Der finanzielle Schaden – bei einem durchschnittlichen Dieselpreis von 2 Euro in diesem Zeitraum sind das 600 Euro – ist noch überschaubar. Das weiß Detzel, denn als Vorstand des örtlichen Bauernvereins kennt er Geschichten von Kollegen, die es härter getroffen hat.
Da verliert man irgendwann die Lust an dem Job, den man so gerne macht.
So zum Beispiel Trauth. Ihm sind 120 Regner und sieben Streckenschieber, also Rohrbauteile, die den Wasserfluss regulieren, vom Feld gestohlen worden. „Die Diebe sind scharf auf Messing“, sagt der Landwirt. Denn bei normalem Haushalts- und Industrieschrott ist die Legierung nach Kupfer das wertvollste Metall. Für Trauth ist der finanzielle Schaden deutlich gravierender als bei Detzels Dieseldiebstahl. Er erklärt, dass ihn ein Regner samt Rohr im Einkauf etwa 40 Euro kostet, für einen Streckenschieber muss er 135 Euro bezahlen. Unter dem Strich sind das dann 5745 Euro. So eine Sache schlucke direkt mal den Gewinn eines Ackers, sagt Trauth. „Wenn ich im Jahr drei, vier Mal so einen Schaden habe, kann ich das Buch zumachen.“
Händler haben wegen Masse an Diebstählen keine Ware mehr
Zumal es nicht nur darum geht, die gestohlenen Teile durch neue zu ersetzen. Denn wenn die Beregnungsanlage nicht funktioniert, geraten auch die Pflanzen auf den Feldern in Gefahr. Trauth und Detzel müssen dahingehend bislang keine Verluste verzeichnen. „So flexibel müssen wir dann sein“, sagt Detzel. Im Notfall würden dann eben Regner von anderen Feldern geholt und an der Stelle aufgebaut, an der sie gebraucht werden. Eine Dauerlösung kann das aber nicht sein, denn dadurch entsteht zusätzlicher Arbeitsaufwand im ohnehin schon durchgetakteten Landwirtsalltag.
Welches Ausmaß die Diebstähle mittlerweile haben, zeigt ein bemerkenswerter Umstand, von dem Trauth berichtet. Er erzählt, dass die Ersatzbeschaffung der gestohlenen Teile gar nicht so einfach ist. „Ich habe von den regionalen Händlern nichts mehr bekommen“, sagt er. „Das hatte ich noch nie.“ Es ist das Resultat dessen, dass die Diebe auch andernorts in der Südpfalz, etwa in Mörlheim und in Freisbach, ihr Unwesen treiben. Zudem ist der Rhein-Pfalz-Kreis, wo der Gemüseanbau auf den Feldern eine viel größere Dimension hat, betroffen.
Überwachungstechnik als Abschreckung
Was also tun gegen diese Bedrohung, die im härtesten Fall existenziell für manch einen Landwirt sein kann? Eine Versicherung gegen den Diebstahl auf Äckern gibt es nicht beziehungsweise ist so teuer, dass es unrealistisch ist, sie abzuschließen. Denn das potenzielle Diebesgut liegt und steht weitgehend ungeschützt auf der Flur herum. Eine Idee, die Detzel und Trauth derzeit verfolgen, ist Überwachungstechnik, die Täter abschrecken könnte.
Ein Kameraturm, wie er auch auf großen Baustellen zum Einsatz kommt, sei denkbar, erklärt Detzel. Wobei es davon mehrere bräuchte, denn die Felder der jeweiligen Landwirte liegen nicht nebeneinander, sondern sind zerstreut in der Gemarkung. Trauth wiederum spielt mit dem Gedanken, Tracker in die Regnerköpfe einzubauen. So könnte im Falle eines Diebstahls zumindest nachvollzogen werden, wohin das Teil transportiert wird. Um den Schaden bei einem Dieseldiebstahl zumindest ein wenig abzufedern, haben die Landwirte schon reagiert. Früher hätten sie das Aggregat einfach vollgetankt, dann sei es drei Tage gelaufen, erzählt Trauth. „Mittlerweile tanken wir im Drei-Stunden-Rhythmus.“
Polizei rät zu konsequenter Anzeige
Im Grunde bleibt den Landwirten nicht viel mehr als die Hoffnung, dass sie künftig von großen Diebeszügen verschont bleiben. Kommt es doch zu einem Vorfall, sollte dieser konsequent angezeigt werden. Das rät Sebastian Burkhard, Sprecher der Polizeidirektion Landau. Die Täter zu fassen, sei natürlich schwer. Hinweise, sprich Anzeigen, um ein Lagebild erstellen zu können, helfen da weiter.