Burrweiler
Erst Auslaufmodell, nun Aufbruch: Weingut mit neuer Zukunft
Ob Metzgereien, Bäckereien oder Weingüter – im Handwerk wird das Ende eines jeden Familienbetriebs meist dann eingeläutet, wenn die Chefs keine Kinder haben. Andere haben zwar den Nachwuchs, dieser muss aber nicht unbedingt das Interesse haben, in die Fußstapfen von Papa und Mama zu treten. Genau das traf zunächst auch auf das Weingut Hayna zu.
Johanna Hayna ist in dem Betrieb großgeworden, den ihr Urgroßvater einst in der Burrweilerer Gaisbergstraße gegründet hatte. Doch lange habe sie ihre Zukunft nicht im Weingut gesehen. Überhaupt sei sie unentschlossen gewesen, was ihre berufliche Zukunft betraf. Deshalb habe sie nach ihrem Realschulabschluss in Edenkoben noch ihr Fachabitur angehängt. Den praktischen Teil dieser Ausbildung verbrachte sie allerdings im benachbarten Weingut Meßmer. Und siehe da: Dort entdeckte sie doch noch ihre Leidenschaft für das Handwerk ihrer Familie.
Vater kann gesundheitlich nicht mehr
Glücklicherweise sei das noch früh genug gewesen, um in das elterliche Weingut einsteigen zu können. Ihr Vater Theo hatte sich nämlich schon mit dem Gedanken abgefunden, dass es mit dem Betrieb nicht weitergeht. Da er schon vor einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen kürzer hatte treten müssen, schien das Ende absehbar zu sein. Umso größer war die Freude in der Familie gewesen, als die Tochter verkündete, im Betrieb ein neues Kapitel aufschlagen zu wollen. „Mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass das die richtige Entscheidung ist“, erklärt Johanna Hayna ihre Motivation.
Dieser Sinneswandel ist inzwischen mehr als vier Jahre her. 2022 habe sie ihre Lehre zur Winzerin angetreten, die vergangenen zwei Jahre wirkte sie im Betrieb mit, hatte dabei Entscheidungsfreiheit. Seit Anfang dieses Jahres liegt das Ganze komplett in ihren Händen. Das wäre aber nicht möglich, wenn sie nicht Maximilian Frank an ihrer Seite wüsste. Den 21-Jährigen habe sie während ihrer Ausbildung kennengelernt. Anders als bei Johanna Hayna war sich der junge Mann frühzeitig sicher, dass er es in beruflicher Hinsicht seinem Vater gleichtun möchte. Der elterliche Betrieb befinde sich in Pleisweiler-Oberhofen und sei in der Fassweinvermarktung tätig.
Wie groß das Weingut ist
Da die beiden jungen Menschen in der Lehre merkten, wie gut sie miteinander harmonieren, entschieden sie sich, das Weingut in Burrweiler gemeinsam zu betreiben. Die Aufgaben sind klar aufgeteilt: Er ist in den Weinbergen tätig, auf den rund zehn Hektar großen Rebflächen, darunter Riesling, Burgunder und St. Laurent, die in Burrweiler und Weyher verteilt seien. Sie hat ihren Arbeitsplatz im Weinkeller, habe dadurch in der Herstellung sowie im Marketing das Sagen. Inzwischen sind die beiden auch zu einem Paar geworden, wie sie erzählen. Außerdem arbeiten sie beide noch nebenbei in einem anderen Weingut im Kreis, um sich etwas dazuzuverdienen.
Die beiden haben in Seniorchef Theo Hayna einen Ratgeber, tatkräftig unterstützt werden sie auch von Johannas Mama Jutta. Sie werde wie bisher die Straußwirtschaft führen, die Platz für bis zu 40 Gäste biete und stets zwischen August und Oktober geöffnet sei.
In jungen Jahren im Weingut gefordert
Die Bedingungen seien gut, meint Johanna Hayna. Das Weingut, das Theo und sein inzwischen verstorbener Vater Alois erst zu dem entwickelt hätten, was es heute sei, habe noch Potenzial. Dabei zieht es sich in der Familiengeschichte wie ein roter Faden durch, dass die nächste Generation schon früh in die Arbeit im Betrieb eingebunden wurde beziehungsweise diese in jungen Jahren Verantwortung dafür übernehmen musste. Alois Hayna packte mit 12 Jahren in den Weinbergen und im Keller mit an. Sohn Theo war 16 Jahre jung gewesen, als er in den Betrieb einstieg, inzwischen ist er 62 Jahre alt. Johanna Hayna ist 22 Jahre alt.
Hayna und Frank möchten in den Betrieb einen frischer Wind bringen. Dies wird schon an den neuen Weinetiketten deutlich, die nun zeitgemäß und modern wirken. Auch sind sie inzwischen auf Social Media unterwegs, um für sich zu werben. Und den Enthusiasmus, den es an dieser Stelle braucht, den bringen beide ebenfalls mit. Schließlich seien sie offen dafür, flächenmäßig zu wachsen. „Wenn sich ein gutes Angebot ergibt, wäre das denkbar.“
Frank: „Wir sind zuversichtlich“
Gerade in diesen Zeiten, in denen die Weinbranche mit Absatzmangel zu kämpfen habe, gehöre natürlich auch eine Portion Mut dazu, um jetzt ein Weingut zu übernehmen. „Doch wir sind zuversichtlich“, betont Maximilian Frank. Wenn man mit Herzblut an die Sache gehe und wenn es ihnen gelinge, aus der Menge herauszustechen, werde man die Weinkrise überstehen. Dabei ist der aktuelle Jahrgang das erste Ergebnis ihrer gemeinsamen Arbeit.

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