SÜDPFALZ
Endlich kann man wieder Schorle auf einer Hütte trinken
Im Haus der Landauer Naturfreunde am „Kiesbuckel“ unterhalb des Orensfelsens bei Frankweiler waren alle Plätze an den 17 Tischen von Samstag bis Montag fast durchgehend besetzt, berichtet Volker Knörr. Die Zwangspause hatten Helfer genutzt, um das Außengelände neu zu gestalten. Das vorher stark abschüssige Areal zwischen Spielplatz und Haus wurde aufgeschüttet und mit Sandsteinen versehen, sodass nun auch dort Tische und Bänke platziert werden können. Und die Maßnahme hat sich sofort bezahlt gemacht.
Knörr hat mit seinem 15-köpfigen Team das im Vorfeld erarbeitete Bewirtungskonzept der Naturfreunde vorbildlich umgesetzt. Vier Personen haben an den Tischen bedient, zwei waren nur für das Abräumen und die Desinfektion eingeteilt, die anderen managten Küche und Ausschank. Am Samstag wurden 30 große Kastenbrote verkauft, der weiße Käs’ ging schon am Sonntagnachmittag zur Neige, erzählt der Mann aus Waldsee .
Gäste haben die Situation gelassen genommen
„Die Leute wollen einfach wieder raus in die Natur und waren sehr dankbar, dass wir wieder geöffnet hatten. Die Vorgaben wurden seitens der Gäste anstandslos angenommen. Es gab keinerlei Beschwerden“, berichtet Knörr sichtlich zufrieden. Er empfing auch Vertreter anderer Vereine, die sehen wollten, wie man eine Bewirtung unter Corona-Vorschriften umsetzen kann.
Einer der Gäste war Christoph Ackermann aus Godramstein, der mit seinen Freunden zum Kiesbuckel gewandert ist und voll des Lobes war. „Man wurde nett empfangen und mit Maske an den Platz gebracht. Natürlich war das etwas befremdlich, es war aber auch ein schönes Gefühl, endlich mal wieder eine Schorle auf einer Hütte trinken zu können.“ Die Gäste hätten die Situation vor Ort sehr gelassen angenommen – viele mit einem Schmunzeln im Gesicht. Das Hüttenpersonal sei super drauf gewesen und habe den Mehraufwand sehr locker gesehen.
„Die Stimmung war super, die Jungs und Mädels voll auf zack, und die Plätze wurden nach jedem Besucherwechsel desinfiziert. Klar gibt es Einschränkungen, aber an alle kann man sich halten“, sagt Ackermann. Er denkt das viele ungeduldige Menschen sensibilisiert werden und merken, wie schön und gut sie es immer noch haben.
Gastronomie derzeit nicht wirtschaftlich
Silke und Frederik Fink haben als Pächter des „Dernbacher Hauses“ schon seit dem 13. Mai wieder geöffnet. Sie arbeiten mit einer reduzierten Speisekarte, um sich den Aufwand, nicht zuletzt auch personell, leisten zu können. Die Öffnung seines Hauses sieht er vor allem als Dienst am Kunden. „Gastronomie bedeutet für mich, mit Herzblut dabei zu sein. Kochen ist meine große Leidenschaft“, sagt Frederik Fink voller Überzeugung.
Was aber den Ertrag angeht, wird Fink sehr deutlich: „Gastronomie ist zurzeit wirtschaftlich nicht darstellbar. Wir haben rund 130 Prozent an Kosten, denen aber nur rund 35 bis 40 Prozent an Umsatzmöglichkeiten gegenüberstehen.“ Er rechnet damit, in den nächsten beiden Jahren kaum Gewinne zu erzielen, da Corona und seine Folgen nicht nur die Gastronomie noch lange Zeit beschäftigen werden. „Ich fürchte da eine wahre Pleitewelle.“ Er appelliert an die Verpächter. „Mit einem Pachtverzicht von drei oder vier Monaten wird es meines Erachtens nicht getan sein, eher mit einer langfristigen monatlichen Senkung, um die Pächter nicht zu verlieren.“
Katrin Schwalié aus Eußerthal hat das „Dernbacher Haus“ am Samstag besucht. Sie war vor allem genervt vom Ausfüllen der Adresszettel und der „Rundwegpflicht“, wenn man zur Toilette ging. „Aber was macht ein Pfälzer nicht alles für eine gute Schorle“, meint sie verschmitzt.
„Wir freuen uns auf euch“
Im Waldhaus „Drei Buchen“ bei Ramberg bewirten die Pächter Andrea und Frank Bamesberger von Mittwoch bis Sonntag ihre Gäste. Auf Facebook hatten sie im Vorfeld geschrieben: „Wir freuen uns auf euch.“ Doch die Freude ist nicht ungetrübt, denn die Einschränkungen machen dem Drei-Buchen-Team zu schaffen.
„Man kann die Arbeit nicht damit vergleichen, wie wir sie sonst hier kennen. Der Aufwand ist enorm. Unsere Bedienkräfte haben mitunter mehr mit den Desinfektionen zu tun als damit, ihren eigentlichen Tätigkeiten nachzugehen“, sagt die Pächterin. Zudem ist der Spielplatz gesperrt, was mitunter für Unverständnis sorgt. „Wir haben ja schon zusätzlich vier Kräfte im Außenbereich im Einsatz, aber auch noch den Spielplatz zu überwachen, ob dort die Regeln eingehalten werden, ist einfach nicht möglich“, stellt Frank Bamesberger fest.
Ralf Mantel aus Burrweiler und seine Frau Marion sehen die Lage ganz entspannt und brechen eine Lanze für das Personal. „Für uns als Gäste ändert sich doch nicht viel, im Gegenteil. Dort, wo sonst Selbstbedienung gilt, werden wir jetzt am Tisch bedient, ganz wie in einem Lokal. Die Belastung liegt doch nicht bei uns, sondern bei der Belegschaft, die einen viel größeren Aufwand als sonst üblich betreiben muss.“
Großer Andrang aus der Rhein-Neckar-Region
Wozu die Corona-Regeln auf den Hütten im Einzelfall aber auch mal führen können, sieht man am Beispiel von Andreas Scheer. Der Edenkobener geht mit seiner Frau und den drei Kindern gerne am Sonntag in eine der Hütten im Pfälzerwald. Am Wochenende aber hat ihm der Aufenthalt unter den gegebenen Umständen keinen Spaß gemacht. Der Andrang von Menschen aus dem Rhein-Neckar-Region sei sehr groß gewesen. Und viele Menschen, die eigentlich zur Risikogruppe zählen, hätten die Abstandsregeln nicht befolgt. „Wir gehen vorerst im Wald lieber dahin, wo keine Hütten sind und nehmen unsere Verpflegung im Rucksack mit. Das haben wir in den letzten Wochen zu schätzen gelernt und viele schöne Plätze gefunden, wo es besonders auch den Kindern sehr gut gefallen hat“, sagt Scheer.