Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Burg geht auf Sendung: Wie der Trifels bis nach Brasilien funkte

Die Burg Trifels verwandelte sich für einen Tag in eine Funkzentrale.
Die Burg Trifels verwandelte sich für einen Tag in eine Funkzentrale.

Auf dem Trifels hieven Amateurfunker ihre Antennen per Kran über die Burgmauer. Dann geht die Reichsburg auf Sendung – bis in die USA und nach Brasilien.

Morgens, 9 Uhr, Trifelsparkplatz. Sieben Amateurfunker erklimmen die Burg. Ihr Material nimmt den bequemeren Weg nach oben: mit dem Auto. Denn die technikbegeisterte Truppe vom Landauer Ortsverband des Deutscher Amateur-Radio-Clubs hat einiges im Gepäck. So viel, dass es sogar mit einem elektrischen Kran über die Burgmauer gehievt werden muss.

Wenn sich in alten Gemäuern 23 Meter hohe Drahtantennen gen Himmel recken und im Sekundentakt neues Stimmenkauderwelsch aus Lautsprechern knarzt, ist wieder Burgentag der Amateurfunker angesagt. Oben entsteht im Sandstein des Wachthauses ein kleines Funknest – mit Laptops, Mikrofonen, Funkgeräten, Netzteilen und allerlei Kabelsalat. Der Wind greift nach den Antennenmasten, die Funker halten dagegen. Das Burgen-Team um Benjamin Seyfried unterstützt mit Strom. Nach anderthalb Stunden steht die Funkzentrale.

Drei Burgen auf einen Schlag

Dann beginnt die eigentliche Arbeit: rufen, hören und Verbindungsdaten notieren. Und das immer und immer wieder. Das Prinzip dahinter: Funkamateure bauen an besonderen Orten Stationen auf, andere versuchen sie zu erreichen und sich die Verbindung bestätigen zu lassen. Je mehr und je außergewöhnlicher, desto besser.

Zwei 23 Meter hohe Antennen wurden per Kran über die Burgmauer gehievt.
Zwei 23 Meter hohe Antennen wurden per Kran über die Burgmauer gehievt.
Im Wachthaus der Kernburg bauten sie ein kleines Funknest auf.
Im Wachthaus der Kernburg bauten sie ein kleines Funknest auf.
Dank Lautsprecher und Monitor konnten auch Burgbesucher mitbekommen, was passiert.
Dank Lautsprecher und Monitor konnten auch Burgbesucher mitbekommen, was passiert.
Patrick Ackermann, Vorsitzender des Ortsvorbands Deutscher Amateur-Radio-Clubs, beim Funken.
Patrick Ackermann, Vorsitzender des Ortsvorbands Deutscher Amateur-Radio-Clubs, beim Funken.

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10.30 Uhr geht die Reichsburg auf Sendung. Genauer: sogar drei Burgen auf einen Schlag. Weil Trifels, Anebos und Münz in einem Radius von einem Kilometer liegen, können die Landauer Funkamateure mit einer Aktion gleich einen historischen Dreierpack aktivieren. Für die Funker draußen im Land, die fürs Burgendiplom sammeln, ist so etwas eine heiß ersehnte Beute – wie ein Raritäten-Sticker im Panini-Album.

USA und Brasilien im Logbuch

Damit das Ganze nicht nur seltsames Stimmenrauschen aus dem Äther bleibt, macht ein Lautsprecher hörbar, was gerade aus dem Funkgerät kratzt. Und ein Monitor auf der Burgmauer zeigt Arbeitsfrequenz und Feldstärke im Wasserfalldiagramm. Dieses Technik-Spektakel lockt auch viele Burgbesucher an, die wissen wollen, was da gerade passiert. Und auf die wartet als Souvenir noch etwas Besonderes: Mini-Trifelse aus dem 3D-Drucker zum Mitnehmen.

Am Ende stehen 236 Verbindungen in 33 Länder im Logbuch, 92 davon innerhalb Deutschlands. 26 andere Burgen erreichen die Landauer vom Trifels aus. Dazu kommen Nordafrika, die Azoren, die Kanaren – und zwei kleine Funker-Sahnehäubchen: USA mit 6824 Kilometern und Brasilien mit 8120 Kilometern.

Vom Pfälzerwald in die Welt: Die Funkamateure konnten am Burgentag Kontakte bis in die USA und Brasilien herstellen.
Vom Pfälzerwald in die Welt: Die Funkamateure konnten am Burgentag Kontakte bis in die USA und Brasilien herstellen.
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