Dernbach
Dietrich neuer Ortschef in Dernbach
„Ich bin ein Ur-Dernbacher“. Das sagt Bernhard Dietrich über sich selbst. Seit Sonntag ist der 67-jährige Rentner sogar noch mehr als das: Er ist neuer Bürgermeister des kleinen Dorfes im Trifelsland. Von den 215 Einwohnern, die gewählt haben, gaben ihm 136 und damit 65,4 Prozent die Stimme. Gegenkandidat Thomas Fellmann heimste nur 72 Stimmen ein und hatte mit 34,6 Prozent klar das Nachsehen. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,4 Prozent.
Eine ausgeprägte Wahlmüdigkeit gab es in Dernbach also nicht. Und das ist durchaus bemerkenswert. Denn die Abstimmung am Sonntag war bereits die dritte binnen 14 Monaten. Zuerst hatte der Kandidat für die Kommunalwahl im Sommer 2024, Daniel Hatscher, kurz nach seiner Zulassung einen Rückzieher gemacht. Aus formalen Gründen wurde trotzdem abgestimmt. Das Ergebnis war erwartbar: 65 Prozent stimmten gegen Hatscher.
Dietrich sieht keinen tiefen Riss durch das Dorf
Erfolgreicher lief dann die notwendige Nachwahl im September. Dieter Broll wurde zum Ortsbürgermeister gewählt. Das Problem: Nach nur 140 Tagen im Amt erklärte er seinen Rücktritt. Das Dorf sei in zwei Lager gespalten, sagte er im März. Auf der einen Seite stehe die alte Riege rund um seinen Vorgänger Harald Jentzer. Auf der anderen eine Interessengemeinschaft (IG), die sich 2023 bildete, nachdem der Gemeinderat Pläne für ein Neubaugebiet und in diesem Zuge die Erschließung zweier Straßen verabschiedete. „Ich bin nicht mehr bereit, den Zustand weiter zu ertragen“, erklärte Broll.
Geht also ein tiefer Riss durch die Bevölkerung des Ortes? „Nein“, sagt der neue Bürgermeister Dietrich. „Ich sehe das nicht so wie mein Vorgänger.“ Natürlich gebe es Meinungsverschiedenheiten, die gebe es aber immer.
Am weitesten liegen die Meinungen in Dernbach derzeit im Hinblick auf die angesprochene Erschließung der beiden bestehenden Straßen „Im Bruch“ und „Am Berg“ auseinander. Der Knackpunkt ist, dass die dortigen Anwohner nicht unerheblich an den Kosten für den Ausbau beteiligt werden. „Dass die Anlieger erregt sind, ist klar“, sagt Dietrich. Zurückdrehen könne er die Entscheidung nicht. Es sei aber sein Ziel, dass die Anwohner so günstig wie möglich aus der Sache herauskommen.
Große Sprünge erlaubt der Kassenstand nicht
Weitere größere Projekte hat Dietrich erst einmal nicht auf der Agenda. „Große Sprünge sind sowieso nicht drin“, sagt er mit Blick auf die leere Kasse. Er wolle schauen, dass Wanderwege nach Möglichkeit hergerichtet und das Dorf optisch auf Vordermann gebracht werden. Ansonsten müsse er sich erst einmal einarbeiten.
Ganz bei Null muss Dietrich immerhin nicht anfangen. Zwischen Mitte Mai und Ende Juni führte er nämlich schon die Geschäfte im Ort, und zwar als Beigeordneter in Vertretung des ersten Beigeordneten Sigfrid Knapp, der einige Wochen im Urlaub war. Nach diesem Intermezzo ist er nun bis zur nächsten Kommunalwahl im Jahr 2029 gewählt. Und so lange möchte er auch – im Gegensatz zu seinem 140-Tage-Vorgänger – im Amt bleiben. „Was ich angefangen habe, mache ich auch fertig“, sagt der parteilose neue Ortschef von Dernbach.