Kreis Südliche Weinstraße Die Alleskönner

Werner (links) und Johannes Jülg setzen im Weinbau auf Teamarbeit.
Werner (links) und Johannes Jülg setzen im Weinbau auf Teamarbeit.

Ausgezeichnete Winzer: „Jülg kann alles.“ Zu diesem Urteil kommt das Magazin Wein-Plus, ein Internetportal zum Thema Wein. Adressat des Lobs ist das Weingut Jülg in Schweigen-Rechtenbach, das als „Entdeckung des Jahres“ in der Pfalz ausgezeichnet wurde. Nicht die erste Auszeichnung, mit der die Jülgs in jüngster Vergangenheit bedacht wurden.

Schweigen-Rechtenbach - „Besonders freut uns, dass wir überall hoch bewertet werden, es gibt keine großen Beurteilungsschwankungen“, sagt Werner Jülg, Seniorchef des Weinguts. Außer bei Wein-Plus finden sich auch Beurteilungen zu Jülgs Weinen bei Gault Millau, Eichelmann, Vinum, Feinschmecker und Falstaff. Das größte Wein- und Gourmetmagazin im deutschsprachigen Raum hat 2016 Juniorchef Johannes Jülg als einen der besten deutschen Jungwinzer ausgezeichnet. „Wir sind erfolgreich, weil wir familiär sind“, beschreibt Werner Jülg die Philosophie des unweit des Deutschen Weintors beheimateten Weinguts. Neben Weinbautechniker Johannes sind auch die beiden anderen Söhne von Werner und Karin Jülg, Moritz und Friedrich, Teil der Erfolgsgeschichte. Beide haben ihren Master in International Business gemacht. Sie stellen die Verbindung zur modernen Weinszene her. Moritz, 29 Jahre alt, lebt in München. Er hat die professionelle Homepage des Weinguts erstellt und eine Strategie für die Logistik des Familienbetriebs entwickelt.

In Norddeutschland liegt ein Absatzmarkt

Der 28-jährige Friedrich lebt in Berlin. Er ist für Öffentlichkeitsarbeit und Weinpräsentation verantwortlich und hält den Kontakt zu den Fachhändlern in Norddeutschland. Dort liegt ein wichtiger Absatzmarkt für die Weine der Jülgs. Zum Familienbetrieb gehören auch Mutter Karin und Oma Erika Jülg, die für die florierende Weinstube verantwortlich sind. „Die Weinszene ist jung, die Gastronomie ist jung“, betont Werner Jülg. In den vergangenen Jahren habe sich hier ein tiefgreifender Wandel vollzogen. Essen und Trinken sei populär, es werde viel ausprobiert, neue Wege würden bestritten. „Die Fachhändler bringen viele junge Leute mit hierher“, erzählt Werner Jülg. Auch dank der jungen Weinmacher sei die Qualität beim „Rebensaft“ gestiegen. „Außerdem stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis“, sagt Werner Jülg.

Einigkeit nach außen hin 

Bei einer jungen Weinszene passt es, dass mit dem 31-jährigen Johannes ein ebenfalls junger Mann mit neuen Ideen das Zepter im Weingut schwingt. „Nun ja, guten Wein haben wir auch vorher schon gemacht“, sagt Werner Jülg. „Wichtig ist, dass wir uns einig sind - zumindest nach außen hin“, sagt Johannes schmunzelnd, „im Weinkeller gibt es durchaus mal Diskussionen.“ 1961 hat Werners Vater Oskar Jülg als Quereinsteiger das Weingut gegründet. Zuvor war es ein landwirtschaftlicher Mischbetrieb. Oskar Jülg hat bereits in den 1960er-Jahren mit Rebstöcken aus Burgund experimentiert. „Diese liefern zwar kleinere, aber geschmacksintensivere Trauben. Heute haben diese Stöcke genau das richtige Alter, wurzeln tief und bilden die Grundlage für große Weine“, steht auf der Homepage der Jülgs zu lesen.

Verbindung zum Weingut im benachbarten Elsass

Die Rebstöcke aus Burgund stehen symbolisch für die enge Verbindung des Weinguts Jülg zum Nachbarland. 20 Hektar Weinberge bewirtschaften die Jülgs, 50 Prozent der Flächen liegen auf deutscher Seite, 50 Prozent jenseits der Grenze in Frankreich. Zudem gibt es enge familiäre Verbindung zum Weingut „Maison Jülg“ im elsässischen Seebach. Betrieben wird es von Peter Jülg, Werners Bruder. Auch wenn Johannes Jülg eine gewisse Vorliebe für Spätburgunder hat, ist die wichtigste Rebsorte des Weinguts der Riesling. Im Sortiment der Jülgs sind 65 Prozent Weißweine und 35 Prozent Rotweine. Neben Spätburgunder und Riesling zählen Weiß- und Grauburgunder zu den Schwerpunkten. Etwa 180.000 Flaschen Wein produzieren die Jülgs pro Jahr. Verkauft werden sie im Weingut, im Wein-Fachhandel oder übers Internet. „Das Internet wird auch für uns immer wichtiger, da muss man präsent sein“, betont Johannes Jülg. Nicht nur mit einer eigenen Homepage, auch die sozialen Netzwerke wollen bespielt werden.

Arbeit in unterschiedlichen Standorten führte zum Erfolgsrezept

Man dürfe nicht versuchen, andere Weine zu kopieren, sagt Johannes Jülg. „Du musst den Wein erzeugen, der zu deiner Region passt, die Lage deiner Weinberge lässt sich nicht ändern“, beschreibt er sein Erfolgsrezept. „Ich habe in guten Betrieben gelernt, die haben mit die Augen geöffnet.“ Seine Winzerlehre hat er bei Theo Minges in Flemlingen gemacht, bei Weegmüller in Neustadt-Haardt und in Rheinhessen. Danach arbeitete er ein Jahr lang in einem Weingut an der Nahe, ehe er in Weinsberg seinen Weinbautechniker machte. Bevor er 2011 in den elterlichen Betrieb eintrat, sammelte er Erfahrungen im Ahrtal an der Mosel und in Burgund. Rund um Schweigen-Rechtenbach gibt es die unterschiedlichsten Böden. „Ob Kalk, Buntsandstein, Kies oder Löss: Wir haben für jeden unserer Reben den optimalen Standort“, betonen die Jülgs. Das bestätigt Wein-Plus: „Frankreich ist hier ganz offensichtlich das Vorbild. Spätburgunder, Chardonnay, Sauvignon Blanc, wie sie in Deutschland in dieser Qualität nurmehr wenig Konkurrenz haben. Aber halt, da ist noch der Riesling! Jülg kann alles“, begründet das Magazin die verliehene Auszeichnung.

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