Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Carsharing für alle Dörfer: So weit sind die Pläne im Trifelsland

Seit drei Jahren gibt es Carsharing in Annweiler – nun kommt in die Fläche. Hier Bürgermeister Christian Burkhart (rechts) und L
Seit drei Jahren gibt es Carsharing in Annweiler – nun kommt in die Fläche. Hier Bürgermeister Christian Burkhart (rechts) und Landrat Dietmar Seefeldt beim Start der Deer-Station am Bahnhof.

Seit drei Jahren gibt es Carsharing in Annweiler. Jetzt bekommt jedes Dorf im Trifelsland ein E-Auto. Das Land zahlt, die Standorte stehen. Nun ist klar, wann es losgeht.

Am Bahnhof steht schon seit rund drei Jahren ein Auto, das nicht nur einem einzelnen Menschen gehört – sondern allen, die es brauchen. Per App buchen, einsteigen, losfahren: So funktioniert das Carsharing-Angebot der Firma Deer aus Calw, die Annweiler 2023 zu ihrem ersten Standort in Rheinland-Pfalz gemacht hatte. Was bislang nur in der Trifelsstadt möglich ist, soll nun auf die ganze Verbandsgemeinde ausgeweitet werden. Der Plan dahinter ist groß: In jedem Dorf ein E-Auto, dazu zwei Ladepunkte. Gerade für kleine Erledigungen, Arztfahrten oder spontane Wege kann so ein gemeinschaftlich nutzbares Fahrzeug eine Alternative sein.

Mobilität und Klimaschutz sind die großen Zukunftsbaustellen des Trifelslands – schließlich hat es sich vor fünf Jahren auf die Fahnen geschrieben, bis 2040 klimaneutral zu sein. Und als das Land im vergangenen Jahr einen warmen Geldregen von 300 Millionen Euro über klamme Kommunen – wie Annweiler – niedergehen ließ, wurden im Trifelsland plötzlich Projekte möglich, die sonst über Wunschdenken nie hinausgekommen wären. Ganz oben auf der Liste von Bürgermeister Christian Burkhart: „Wir wollen mit neuen, flexiblen Angeboten auch die kleinen und entlegenen Dörfer besser anbinden.“ Und dafür landet das Trifelsland in diesem Jahr gleich zwei Treffer.

Doppelschlag im Trifelsland: Flexline und Carsharing kommen

Zum einen bekommen die Waldgemeinden die VRN-Flexline – den Shuttle-Service auf Bestellung, der nicht mehr kostet als ein reguläres Bus-Ticket. Und zum anderen soll im Herbst mit dem Bau der Infrastruktur fürs Carsharing begonnen werden, damit dieses 2027 in allen zwölf Ortsgemeinden rund um Annweiler an den Start gehen kann. Dafür bekommt jedes Dorf eine öffentlich zugängliche E-Ladesäule mit zwei Ladepunkten. Die jeweiligen Standorte sind bereits mit den Beteiligten abgestimmt, wie Burkhart berichtet. In zwei Orten habe der Rat diese bereits abgesegnet, die übrigen sollen in den kommenden zwei Monaten folgen. Mit Veto ist nicht zu rechnen, schließlich muss keine Gemeinde dafür tief in die Tasche greifen. Die Kosten von insgesamt 485.000 Euro seien über das Förderprogramm „Regional – Zukunft – Nachhaltig“ gedeckt.

Dazu kommt jeweils ein Carsharing-Fahrzeug. Das heißt aber nicht, dass dieses nur auf den einen Ort festgelegt ist. Geplant ist ein stationsflexibles Carsharing-Angebot. Sprich: In jedem Dorf soll ein E-Auto verfügbar sein, dieses kann aber innerhalb des Carsharing-Systems flexibel genutzt werden kann. Das funktioniert auch jetzt schon so bei dem Dienstleister in Annweiler. „Letztens standen mal drei Deer-Fahrzeuge am Bahnhof“, erzählt Burkhart.

Warum Deer noch nicht gesetzt ist

Werden dann also noch mehr E-Autos mit dem markanten grünen „Deer“-Schriftzug durchs die Verbandsgemeinde fahren? Burkhart würde es sich wünschen, denn man sei mit dem bereits bestehenden Angebot in Annweiler zufrieden. Allerdings ist es in Behörden-Deutschland nun mal so, wie es ist. Einfach den Auftrag an den Partner vor Ort vergeben – das geht so nicht. Erst mal muss „vergabekonform“ eine Ausschreibung gemacht werden. Wer den Zuschlag erhält, hat sich dann um das komplette Paket zu kümmern: also um Strom, Wartung, Abrechnung und Kundenservice. Dass Deer dabei erneut zum Zug kommt, liegt nahe – festgezurrt ist das aber noch nicht.

Dessen Anfangsphase vor drei Jahren in der Trifelsstadt lief noch etwas schleppend, erinnert sich Burkhart. Aber inzwischen sei das Carsharing-Mobil gut nachgefragt. Und die Erfahrung andernorts zeige: Je dichter das Netz, desto mehr werden die Teil-Autos genutzt. 12 Euro kostet die Stunde, inklusive Strom. Auch Nachladen kostet nicht extra. „So günstig kommt man kaum mit dem eigenen Auto von A nach B – gerade bei den aktuellen Spritpreisen“, wirbt der Bürgermeister für die E-Mobilität.

Alle 12 Dörfer im Trifelsland werden künftig ein E-Auto zum Mieten vor Ort haben.
Alle 12 Dörfer im Trifelsland werden künftig ein E-Auto zum Mieten vor Ort haben.
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