Kreis Südliche Weinstraße RHEINPFALZ Plus Artikel Birkweiler: Barfußwanderer trägt seit zwei Jahren kaum Schuhe

Alexander Rapp erkundet die Welt lieber barfuß. Interessierte können es ihm bei seinen Wandertouren gleichtun.
Alexander Rapp erkundet die Welt lieber barfuß. Interessierte können es ihm bei seinen Wandertouren gleichtun.

Der Barfußwanderer aus Birkweiler. So könnte Alexander Rapp bezeichnet werden. Seit zwei Jahren verzichtet der 48-Jährige größtenteils auf Schuhe. Er genießt es, den Boden unter den nackten Füßen zu spüren. Interessant ist dabei der Grund, wieso er barfuß läuft.

Als Alexander Rapp seine Haustür öffnet, fallen nicht seine kräftige Statur, sein kariertes Hemd oder ein anderes Kleidungsstück an ihm auf, sondern seine Füße. „Ich arbeite im Homeoffice, deswegen kann ich auf Schuhe und Socken verzichten. Wenn ich im Büro bin, mache ich das nicht.“ Weil er sich Scherze wie „Hast du kein Geld für Schuhe?“ oder „Na, schon wieder die Schuhe vergessen?“ verkneifen möchte. Schräge Blicke beim Bäcker oder anderswo nimmt der Birkweilerer hingegen mit Humor.

Barfußwandern gegen Hexenschuss

Zum Supermarkt, ins Kino oder zu Freunden und Familie – ganz gleich, wohin der 48-Jährige geht, die Schuhe bleiben gewöhnlich daheim. Oder im Rucksack, wenn er wandern geht. „Ich habe dann sicherheitshalber immer ein Paar dabei“, sagt Rapp. Die allermeisten Touren, die er privat oder mit dem Pfälzerwald-Verein Landau in der Region unternimmt, laufe er jedoch barfuß. „Nur wenn es eiskalt ist, Schnee liegt oder rutschig ist, schnüre ich mir doch die Wanderschuhe.“ Dass der Familienvater lieber mit nackten Füßen über Stock und Stein geht, statt sie in Schuhe zu stecken, hat einen besonderen Grund. „Vor zwei Jahren hatte ich einen Hexenschuss“, erzählt Rapp. Als er sich im Internet informierte, was er dagegen tun kann, wurde er auf das Thema Barfußwandern aufmerksam. Tatsächlich habe es ihm geholfen, den Alltag barfuß zu verbringen. „Ich musste mich aber langsam herantasten. Ich fing zunächst an, vor dem Haus barfuß zu kehren und kurze Strecken ohne Schuhe zurückzulegen.“ Stück für Stück habe er es gesteigert. Die Umstellung brauche schließlich Zeit und Training. Einfach die Schuhe ausziehen und loslaufen, das sei nicht empfehlenswert. „Der Fuß hat sich an das Schutzpolster vom Schuh gewöhnt.“ Frühestens nach einem halben Jahr könnte es mit längeren Strecken klappen, weil dann die Sohle beziehungsweise die „weiche, lederne Hornhaut“, wie Rapp sie bezeichnet, elastischer und dicker sei.

Sekundenkleber statt Pflaster

Vor Verletzungen sollte man dabei keine Angst haben. Obwohl beim Barfußwandern die Angriffsfläche größer sei als beim Wandern mit Schuhen, bestehe kein erhöhtes Risiko, sich eine Schnittwunde oder andere Wehwehchen zu holen. „Weil man den Weg und den Untergrund viel genauer im Auge hat“, erklärt Rapp. „Und wenn man sich doch eine kleine Schnittwunde zuziehen sollte, einfach Sekundenkleber drauf, das hilft“, rät der gebürtige Landauer. Sekundenkleber? „Ja, an den Füßen hält kein Pflaster, Sekundenkleber schon, es macht die Wunde zu, stoppt die Blutung und sorgt dafür, dass kein Dreck reinkommt, dann kann es weitergehen.“ Ihm tue es gut, barfuß zu gehen. Es sei für ihn ein guter Ausgleich zum beruflichen Alltag. Er ist nämlich Softwareentwickler, arbeitet somit überwiegend am Rechner. Wobei er sein erstes Gehalt in einer ganz anderen Branche verdient hat. „Ich habe nach der Schule eine Lehre zum Schreiner gemacht.“ Anschließend machte er in Kaiserslautern den Meister, legte später in Rosenheim die Prüfung zum staatlich zertifizierten Holztechniker ab, ehe er sich im Laufe der Jahre im IT-Bereich spezialisierte.

Barfußtouren durch die Pfalz

Den Weg zum PWV Landau fand Rapp vor einigen Jahren. Sein Vater sei als Rechner im Vorstand vertreten gewesen. „Seinen Posten habe ich dann geerbt“, sagt Rapp. So kommt es, dass der 48-Jährige seit einiger Zeit im Namen des Pfälzerwald-Vereins regelmäßig zu Barfußwanderungen einlädt. Dabei ist er in die Fußstapfen von Ingo Stentzler getreten, der ehemals zu Barfußtouren einlud. „Als er keine Zeit mehr fand, bin ich eingesprungen“, erzählt Rapp. Es gebe einige Teilnehmer, die sich daran probieren würden, einen Teil der Strecke auf nackten Sohlen zu beschreiten. Dafür sucht Rapp allerdings auch nach barfußtauglichen Wanderstrecken, von denen es in der Pfalz zahlreiche gebe. Über glühende Kohlen sei er noch nicht gelaufen. „Wenn sich die Situation ergeben sollte, kann es sein, dass ich das mache“, sagt Rapp. Wieso auch nicht, habe er doch auch vergangenes Jahr, als es im Sommer wochenlang trockenheiß war, nicht zu Sandalen gegriffen. „Barfußwandern ging aber nur auf kurzen Strecken und schattigen Plätzen“, berichtet Rapp, der sich keine Sorgen machen muss, wenn er sich doch eine Verletzung zuziehen sollte. Seine Frau ist schließlich Medizinerin. Sie würde ihn sicherlich verarzten, oder? „Nein, das glaube ich nicht“, sagt Rapp lachend. „Sie findet es ohnehin etwas komisch, dass ich barfuß laufe.“


Info Infos zu den Barfußwanderungen und weiteren Terminen gibt es unter www.pwv-landau.de.

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