Albersweiler / Offenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Bewegung statt Rücksitz: Aktion an Grundschulen gegen Elterntaxis

Elterntaxis sind an zahlreichen Schulen ein Problem.
Elterntaxis sind an zahlreichen Schulen ein Problem.

Schmale Straße, viel Verkehr: Die Schule in Albersweiler reagiert mit einem Bewegungsprojekt, um Elterntaxis fernzuhalten. In Offenbach wird auf ein eigenes Programm gesetzt.

In Deutschland wird regelmäßig bemängelt, dass sich Kinder zu wenig bewegen würden. Das beklagen häufig Kinderärzte und Krankenkassen. Fachbuchautorin sowie Gymnastik- und Tanzlehrerin Elke Gulden hat deshalb ein Programm entwickelt, um dem etwas entgegenzusetzen. Unter der ein wenig sperrigen Abkürzung Spospito – die für Sporteln, Spielen, Toben steht – möchte sie Grundschüler und Kindergartenkinder auf Trab bringen.

Für Kindergärten können Bewegungsbaustellen geordert werden. Für Grundschüler haben sich die Entwickler etwas Besonderes, und doch Simples ausgedacht: Sechs Wochen lang sollen die Kleinen in die Schule laufen, statt sich vom sogenannten Elterntaxi kutschieren zu lassen. Alternativ können sie mit dem Tretroller oder mit dem Fahrrad angefahren kommen. So oder so sollen sie versuchen, allen Wetterkapriolen zu trotzen. Wer es schafft, in diesem sechswöchigen Zeitraum mindestens 20-mal unmotorisiert zur Schule zu gehen, erhält eine Urkunde und nimmt an einer Verlosung teil.

Idee aus der Zeitung

Die Grundschule in Albersweiler macht neben der Grundschule Edesheim zum ersten Mal bei dieser Aktion mit. Ein Zeitungsbericht hatte sie auf das Programm aufmerksam gemacht, berichtet Schulleiterin Gundula Döring. In Absprache mit dem Schulelternbeirat habe das Kollegium beschlossen, sich an dem Projekt zu beteiligen. Nicht nur der Gesundheit der Kinder wegen, die durch die Frühsportübung gestärkt würde, sondern weil die Sache mit den Elterntaxis auch an ihrer Einrichtung ein Problem sei.

Die Straße sei viel zu schmal, eigentlich auch keine Durchfahrtsstraße, die dafür gedacht sei, mit dem Auto hochzukommen. Gleich nebenan ist zudem der Kindergarten. Doch viele Kinder würden dennoch mit dem Auto gebracht. Die Situation sei immer gefährlich. Jedes Jahr würden die Eltern schriftlich gebeten, die Kleinen zur Schule laufen zu lassen. Schließlich ist die Einrichtung von fast allen Ecken des Dorfes fußläufig zu erreichen. Wenn schon der Appell in den Elternschreiben wenig Erfolg hat, so soll über Spospito der erneute Versuch unternommen werden, Familien stärker für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren.

Teilnahmekosten übernimmt die Schule

Für die Teilnahme an dem Projekt muss eine Anmeldegebühr von einem Euro pro Kind entrichtet werden. Diesen Betrag hat die Schule übernommen. Zudem wurde mit den Mädchen und Jungen darüber gesprochen, wie wichtig Bewegung im Alltag ist. Leer geht jedenfalls keiner aus. Denn wie Döring berichtet, hätten sich die Kinder darüber gefreut, dass sie neben der Urkunde und der Aussicht auf einen Preis von der Schule mit einem Hausaufgabengutschein belohnt werden.

Ansonsten ist die Grundschule Albersweiler auch außerhalb des Projektes Spospito daran interessiert, die Kinder zu Bewegung zu animieren. Der Schulhof bietet zahlreiche Möglichkeiten, herumzutoben. Auch bei Schulfesten steht immer ein Bewegungsparcours auf dem Programm, sagt SEB-Vorsitzender Florian Stender.

Offenbach geht eigenen Weg

Bis Mitte Mai haben die Kinder der Albersweilerer Grundschule Zeit, ihren Teilnehmerpass vollzubekommen. Wenn es nach Stender und Döring geht, soll es nicht bei der einen Aktion bleiben. Sie könnten sich vorstellen, dass die Schule im kommenden Jahr eine ähnliche Aktion in Eigenregie organisiert. Für diesen Weg hat sich bereits die Grundschule Offenbach entschieden, die in der Vergangenheit regelmäßig an der Aktion teilgenommen hatte, nun aber etwas Neues ausprobieren möchte. Darüber informiert Schulleiterin Sylvia Knoblauch.

Der Förderverein habe sich gemeinsam mit ihr dafür entschieden, in Anlehnung an die Spospito-Idee ein eigenes Programm zu entwickeln. Denn so könnten sie dafür sorgen, dass alle Kinder, die mitmachen, auch einen Preis bekommen. Finanziert werden diese von dem Geld, das sonst als Teilnehmergebühr für die Spospito-Aktion angefallen wäre. Die Kleinen müssen also nicht mehr befürchten, bei den Preisen leer auszugehen.

Da Offenbach flächenmäßig und von der Einwohnerzahl her zu den größeren Dörfern in der Südpfalz gehört, sind manche Eltern geneigt, ihren Nachwuchs zu fahren. Das hatten Mütter und Väter einst gegenüber der RHEINPFALZ kundgetan, als wir sie vor Ort zur Elterntaxi-Problematik angesprochen hatten. Auch auf diese Familien geht die Schule mit ihrer Aktion bis Ende Mai ein: „Wohnen Kinder sehr weit von der Schule entfernt, bekommen sie eine Unterschrift, wenn die Eltern sie ein gutes Stück vor der Schule absetzen und die Kinder dann selbstständig laufen, rollern oder fahren“, informiert Knoblauch.

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