Bad Bergzabern Benefizkonzert für Projekte in Kenia

Benjamin Mbatia (Zweiter von links) mit seiner Familie, zu der auch Anke und Reinhard Glaser aus Bad Bergzabern gehören.
Benjamin Mbatia (Zweiter von links) mit seiner Familie, zu der auch Anke und Reinhard Glaser aus Bad Bergzabern gehören.

Kinder die betteln, stehlen, sich prostituieren. Straßenkinder in Kenia, um die sich Anke Glaser 20 Jahre lang vor Ort gekümmert hat – unter unglaublichen Umständen. Sie will auch weiterhin helfen.

Eine von mehreren Unterstützungsaktionen ist ein Benefizkonzert im Kurpark. 1985 ist das Jahr, in dem Anke Glaser, damals noch Stahl, nach Kenia geht. 20 Jahre wird sie dort bleiben und sich um Tausende von Menschen kümmern, Unterkünfte und Schulen bauen und Geld für die Projekte beschaffen. Seit zehn Jahren ist sie die Frau von Reinhard Glaser, mit dem sie heute die Wein- und Flammkuchenstube „Pfalzgenuss“ im Kurpark betreibt. Am Sonntag wird dort das Benefizkonzert zu erleben sein, dessen Erlös einem Schulbauprojekt zugute kommen wird. Geboren ist die heute 58-jährige Anke Glaser im Westerwald.

Ihr damaliger Freund geht bereits 1983 nach Kenia, in dem es damals keine Infrastruktur gibt. Er kümmert sich unter anderem um Kleidung oder Medikamente für die Menschen. 1984 wird er durch einen der damals alltäglichen Angriffe so schwer verletzt, dass ihn die Ärzte im Krankenhaus in Nairobi aufgeben. „Näht ihn schön zu, dann sieht er besser aus, wenn er stirbt“ hätten die Ärzte gesagt, erzählt Glaser. Er überlebt, steht auf der Straße und will zurück zu der Missionsstation für die er arbeitet. „Straßenkinder haben ihm damals Geld gegeben, dass er die Fahrt bezahlen kann“, erinnert sie sich. Es ist der Anstoß für die Gründung einer Kindergruppe, um die sich ihr späterer Mann dann jeden Tag kümmert. Und für alle Projekte, die folgen sollen. „Ich war dabei, als der Richter ihm das erste Kind zugewiesen hat“, strahlt Glaser, die dann eine schwere Entscheidung treffen muss.

Angriffe in Kriegszeiten überstanden

Folgt sie ihrem Freund nach Kenia oder bleibt sie in Deutschland? Sie entscheidet sich für Kenia, im Koffer sind ein Hochzeitsanzug und ihr Brautkleid, das Paar heiratet 1985. Sie bauen eine Schule für ungefähr 70 Kinder, wohnen auf dem Schulgelände, die Verhältnisse sind sehr einfach. Bis 1992 die ersten Parlamentswahlen in Kenia, das bis 1963 britische Kronkolonie war, stattfinden. „Es waren bürgerkriegsähnliche Zustände, innerhalb weniger Stunden standen ungefähr 3000 Menschen auf unserem Gelände, die geflohen sind“, erzählt Glaser. Sie habe die Leute organisiert, damit die notwendige Infrastruktur wie Plumpsklos und einfachste Unterkünfte gebaut werden konnten und habe Lebensmittel organisiert. Das Lager wird angegriffen, damals noch mit Pfeil und Bogen und alle überleben. „Es war schrecklich, viele Kinder wurden während der Unruhen zurückgelassen“, sagt die „Mama“, die von hunderten kenianischen Kinder, die heute erwachsen sind, so genannt wird und selbst Mutter von zwei Kindern ist.

Unterstützung für Projekte

Es ist bis heute ihr Glaube, der Anke Glaser viele gefährliche und schwierige Situationen überstehen lässt. Und sie nennt sie Wunder, die geschehen. Wie das nicht unbeträchtliche Vermögen eines ehemaligen Kolonialherren, das er spendet und mit dem Land gekauft werden kann, auf dem eine Schule mit Übernachtungsmöglichkeiten für 320 Kinder gebaut wird. „Wir haben dort in einem Container gewohnt“, sagt Glaser. 2007 kehrt sie zurück, die Ehe geht zu Bruch. Anke Glaser unterstützt die Projekte weiterhin und nun eigenverantwortlich, mit dem was sie verdient und mit Krediten, die sie aufnimmt. Heute freut sie sich, dass der 36-jährige Benjamin, der auch zu „ihren“ Kindern gehört und den sie als Kleinkind aufgenommen hat, jetzt selbst eine Schule gebaut hat.

Ziehsohn engagiert sich nun selbst

In den Slums der Stadt Nakuru, rund 150 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Nairobi. Zurzeit besuchen etwa 120 Kinder die Grundschule, berichtet Glaser. Konkret geht es dem Leiter Benjamin Mbatia um die Erweiterung der Einrichtung. Vier Klassenräume gibt es schon. „Einen fünften würde er gerne anbauen. Dafür braucht er rund 5000 Euro“, so Glaser. Geld, zu dessen Beschaffung sie beitragen will. Und von dem jeder Cent beim Projekt ankomme, wie sie versichert. Das Benefizkonzert ist am Sonntag, 16. Juni im Pfalzgenuss im Kurpark. „Heart Beazz“ spielen von 12 Uhr bis 14 Uhr, „Die Drei“ von 15 Uhr bis 18 Uhr und Sascha Kleinophorst ab 18 Uhr. „Der Kaffeefleck kommt mit seinem Kaffeewagen, meine Lieferanten haben Waren gespendet, wir werden den Erlös aus dem Verkauf der Waren spenden“, kündigt Reinhard Glaser an. Zudem würden Freunde ehrenamtlich helfen und die Musiker „mit Hut“, das heißt freiwilligen Spenden, spielen.

Info

Spendenkonto, Betreff: Schulgebäude, Förderverein Kinderheim Bindura, IBAN DE29 5176 2434 0000 9977 06, VR Bank Lahn-Dill eG.

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