Kreis Südliche Weinstraße Beim USA-Spiel sind die Töchter dabei

INSHEIM. Im zweiten Match bei der Weltmeisterschaft in Brasilien wird es für die deutsche Nationalelf nach dem Auftaktsieg gegen Portugal heute Abend im Estadio Castelao in Fortaleza gegen Ghana nicht unbedingt leichter, auch wenn sich der Gegner von der Papierform her nicht schwer liest. So die Einschätzung des Fußball- und Brasilien-Experte Gustl Schneider aus Insheim. Ghana verfüge über ein gutes Team, sei bei der 0:1-Niederlage im Auftaktspiel gegen die USA besser gewesen als der Gegner.

Diese Mannschaft dürfe man zu keinem Zeitpunkt aus den Augen lassen. Gustl Schneider erinnert sich an die WM 2010 in Südafrika, als sich die deutsche Mannschaft gegen Ghana lange sehr schwer tat, ehe Mesut Özil die Adlerträger mit dem 1:0 erlöste. 26 von 64 Spielen waren bis gestern Abend gespielt, Gustl Schneider hat mehr als 20 davon am Bildschirm mit großer Leidenschaft verfolgt und im Gespräch mit der RHEINPFALZ eine kurze Zwischenbilanz gezogen. „Wir haben bislang eine tolle Weltmeisterschaft erlebt, bei der die Überraschungen, wie immer, nicht ausgeblieben sind.“ Schneider spricht von einem tollen Fußballfest, bei dem den 63-jährigen Fußball-Experten die Fairness der Mannschaften - abgesehen von dem ein oder anderen üblen Foul - und vor allem auch das friedliche Verhalten der Fans beeindruckt. So mache Fußball Freude und trage zum Miteinander der Menschen unterschiedlicher Nationen bei, sagte Schneider, der sich täglich von seinen beiden in Brasilien lebenden 13 und 17 Jahre alten Töchtern telefonisch über das aktuelle Geschehen aus dem Land der Gegensätze berichten lässt. Beide Mädchen verfolgen die Spiele bei Public-Viewing-Veranstaltungen. Beim Spiel Deutschland gegen die USA am nächsten Donnerstag werden die Töchter live im Stadion dabei sein und – so der stolze Vater – im Deutschland-Dress die Löw-Schützlinge lautstark unterstützen. Die deutsche Mannschaft dürfe nach dem Superstart gegen Portugal bloß nicht abheben und auf einer Wolke schweben. Schneider ist aber fest davon überzeugt, dass es der Mannschaft gelingen wird, mit einem Sieg gegen Ghana vorzeitig das Achtelfinale zu buchen. Zu den Überraschungen des Turniers zählt Schneider, dass England, das Mutterland des Fußballs, vor dem Aus steht. Wenn kein Wunder geschehe, scheitern die „Three Lions“ erstmals nach 56 Jahren in der Vorrunde. Im gleichen Atemzug nennt Gustl Schneider Titelverteidiger Spanien, der sich schon als neuer Weltmeister gesehen habe. Die Mannschaft sei überheblich und ohne die spanische Leidenschaft in die Spiele gegangen, ist Schneider überzeugt. Begeistert hat ihn der Auftritt von Costa Rica mit Joel Campbell als neuen Stern am Fußballhimmel. Die Costa Ricaner seien das glücklichste Volk der Welt. „Pura vida!“ – sinngemäß: Prima! Sei die beliebteste Redensart in dem tropischen Land. Genieße den Tag, die Zukunft werde es schon richten. Von diesem Lebensgefühl der „Ticos“ sollte man sich anstecken lassen, meint Gustl Schneider. Nicht ganz seine Erwartungen haben bisher die Brasilianer gebracht. Die Mannschaft müsse sich gewaltig steigern, will sie am Ende auf dem Treppchen ganz oben stehen. Von den exzellenten Fußballspielern, die den europäischen Kraftsport zum leichtfüßigen Tanz machen, sei noch nicht viel zu sehen gewesen. Als eine tolle Erneuerung erachtet Gustl Schneider, dass die Referees ein spezielles Spray einsetzen, um den Abstand bei Freistößen zu markieren. In Brasilien werde dies schon seit mehr als 15 Jahren praktiziert. Die Zeit des Schummelns sei vorbei. Er hofft, dass man auch in Deutschland den Rasierschaum einsetzt. Auf den Wecker geht Gustl Schneider das „Gebabbel“ von Oliver Kahn und Mehmet Scholl vor und nach den Spielen sowie in der Halbzeitpause. Die Fernsehanstalten täten besser daran, wenn sie in dieser Zeit mehr über das wunderschöne Land und seine tollen Menschen berichten würden. Auf die Frage, wer denn nach den bisherigen Spielen der Titelfavorit ist, meint Gustl Schneider: „Es ist alles möglich. Vielleicht schafft eine Mannschaft den Titel, an die man noch gar nicht denkt.“ Nicht mehr für unmöglich hält er, dass eine europäische Elf am Ende ganz vorne ist und sich damit erstmals auf dem amerikanischen Kontinent die Krone aufsetzt.

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