Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Baustellen-Irrsinn in Annweiler: Telekom will frisch sanierten Radweg aufreißen

Seit zwei Monaten versperrt diese Baugrube den frisch sanierten Weg – und kündigt bereits die nächste Sperrung für Radfahrer an.
Seit zwei Monaten versperrt diese Baugrube den frisch sanierten Weg – und kündigt bereits die nächste Sperrung für Radfahrer an.

Baustellen-Absurdistan in Annweiler: Vier Monate gesperrt, frisch saniert – und jetzt soll der neue Radweg wieder aufgerissen werden. Wer ist für den Irrsinn verantwortlich?

Es ist eine Posse, wie sie wohl nur der deutsche Behördenapparat schreiben kann. Vier Monate sperrt der Landesbetrieb Mobilität (LBM) den Queichtalradweg zwischen Annweiler und Sarnstall. Und er präsentiert danach eine Vorzeigestrecke: glänzender Asphalt, zwei Spuren, frisch markiert. Man möchte fast applaudieren. Doch jeder Opernneuling kennt die Tücke: Kaum hebt man die Hände, knallt das Orchester noch einen Schlussakkord hinterher.

Im Sommer hat der LBM den Radweg zwischen Annweiler und Sarnstall sanieren lassen. Hier kurz nach der Fertigstellung , inzwische
Im Sommer hat der LBM den Radweg zwischen Annweiler und Sarnstall sanieren lassen. Hier kurz nach der Fertigstellung , inzwischen ist er auch markiert.

So auch hier. Denn was macht diese einsame, kleine Baugrube da? Mitten im schönen neuen Weg klafft ein Loch, eingehüllt in Absperrbaken, die den Weg blockieren. Ein Baustellenschild leistet Gesellschaft – doch seit gut zwei Monaten arbeitet dort nur das Piktogramm. Ausnahmsweise kann der LBM mal nichts dafür. Die Szene gehört der Telekom.

Telekom : Erst abwinken, dann Radweg wieder aufreißen

Während an der Oberfläche ein neuer Radweg entstand, nutzten die Stadtwerke Annweiler die Gunst der Stunde, um im Untergrund ihre Leitungen zu erneuern. Gleich mitzumachen, boten sie auch dem Mitspieler im Magenta-Kostüm an. Mehrfach. Aber die Telekom winkte ab. Kein Bedarf. Ihre Kabel müssen nicht ausgetauscht werden. Auch wenn Stadtwerkechef Reiner Paul das anders sah: „Ich hab das Telekom-Kabel gesehen, das ist älter als ich – und ich bin 54 Jahre.“ Half nichts. Es blieb beim Duo-Projekt.

Doch kaum ist der Radweg fertig, rückt plötzlich ein Bautrupp der Telekom an und bricht diesen wieder auf – ohne Ankündigung, ohne Abstimmung, ohne Genehmigung. Jetzt, so heißt es, müsse das Kabel doch erneuert werden. „Die wollen die komplette Trasse noch mal aufmachen!“, schimpft Paul. Der LBM ist nicht weniger geladen und findet das Manöver der Telekom nur „ärgerlich und unverständlich“ . Ein Baustopp wird verhängt.

Kabelschaden am Radweg: Sperrung 2.0 droht

Jetzt brauchen alle Radler starke Nerven. „Es steht leider zu befürchten, dass erneut auf dem Radweg gebaut und dieser dafür gesperrt wird“, berichtet LBM-Chef Martin Schafft. Denn es gibt einen Grund, warum die Telekom ihrem Kabel auf einmal doch Aufmerksamkeit schenkt: Es hat einen Schaden. Wasser dringt ein, Anschlüsse fallen aus, bei Telekom-Kunden sind die Leitungen tot. Und wenn die Telekom ihre Karte „Sicherstellung der Grundversorgung“ spielt, sitzt sie am längeren Hebel.

Ohne Abstimmung und Genehmigung hatte die Telekom den frischen Belag wieder aufgebrochen. LBM und Stadtwerke konnten weitere Arb
Ohne Abstimmung und Genehmigung hatte die Telekom den frischen Belag wieder aufgebrochen. LBM und Stadtwerke konnten weitere Arbeiten stoppen – vorerst.

Bleibt die Lieblingsfrage: Wer ist schuld? Die Telekom gesteht zwar den Defekt ein, schiebt den Schwarzen Peter aber den anderen zu: Das Kabel sei „vermutlich während der Instandsetzungsarbeiten beschädigt“ worden. Also die Stadtwerke? Paul fällt fast vom Stuhl: „Ich kann definitiv ausschließen, dass der Wasserschaden durch uns verursacht wurde.“ Er räumt aber ein, dass seine Leute Telekom-Kabel bei den Arbeiten an zwei Stellen durchtrennt haben. Es sei aber sofort repariert und die Telekom informiert worden. Dort habe man abgewinkt: Das Kabel sei „eh nicht mehr in Betrieb“. „Die wussten ja gar nicht richtig, wo ihr Kabel überhaupt liegt.“ Den Wasserschaden sieht er eher in der nur notdürftig verschlossenen Telekom-Baugrube.

Baustellen-Dreikampf – und der Bürger zahlt

Zurück bleibt ein Dreikampf, bei dem es nur Verlierer gibt. Und die größten sind die, die das alles bezahlen: Bürger, deren frisch in Asphalt gegossenes Steuergeld gleich wieder von Presslufthammern zerstört wird, Radfahrer, denen eine zweite Sperrung an exakt derselben Stelle blüht, und Telekom-Kunden, die ohne Telefon und Internet dasitzen.

Die Telekom will nun das Kabel freilegen, um die Schadstelle finden und dann reparieren zu können, kündigte sie noch vor einer Woche an. Diesmal aber erst, wenn alle Genehmigungen da sind – versprochen. Doch just erleben wir den nächsten Dreh. Nach wochenlanger Abstinenz umkreist plötzlich ein Bautrupp der Telekom die Grube. Und der hat eine neue Idee vom Mutterschiff mitgebracht. Sicherlich rein zufällig und nicht, weil die Presse nachgehakt hatte.

Der idyllische Queichtalradweg ist bei Einheimischen ebenso beliebt wie bei Touristen.
Der idyllische Queichtalradweg ist bei Einheimischen ebenso beliebt wie bei Touristen.

Neue Kabeltrasse im Grünstreifen – doch Ende ungewiss

Jetzt soll nicht das alte Kabel unterm Radweg erneuert werden, sondern daneben in den Grünstreifen eine Trasse für ein neues Kabel gebuddelt werden. Das zumindest erfährt der Werkechef von den Arbeitern – während er entsetzt verfolgt, wie die gerade den Radweg unterhöhlen, um die Verbindung zu schaffen. Allerdings: Der Grünstreifen endet schon nach 200 Meter, der Kabelstrang ist jedoch 2 Kilometer lang. Was dann? „Das sollen sich dann die großen Strategen überlegen“, kann sich einer der Arbeiter nicht verkneifen.

Man ahnt: Die Fortsetzung dieser Posse wird bereits geschrieben.

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