Annweiler RHEINPFALZ Plus Artikel B10-Sperrung vorbei: So viele Lkw mussten umdrehen

Die Polizei war jeden Tag im Einsatz, um Trucker auf der Umleitungsstrecke zu kontrollieren.
Die Polizei war jeden Tag im Einsatz, um Trucker auf der Umleitungsstrecke zu kontrollieren.

Zehn Wochen B10-Sperrung, 171 Kontrollen: Die Polizeibilanz lässt nur erahnen, wie hart es in den Umleitungsorten zuging. Und eine Auswertung lässt noch auf sich warten.

Die Tunnel sind wieder offen. Der Verkehr rollt wieder durch den Berg, nicht durch die Wohnzimmerkurven von Sarnstall, Annweiler und Rinnthal. Doch auf dem Asphalt bleibt eine ziemlich deutliche Spur zurück: Sie besteht aus 171 Kontrollen, 2435 überprüften Lkw und 1005 Beanstandungen.

Das ist die Polizeibilanz nach 72 Tagen B10-Tunnelsperrung bei Annweiler und Rinnthal. Zehn Wochen lang waren die vier Röhren zwischen Annweiler-Ost und Wellbachtal dicht, weil die Brandmelde- und die Videotechnik erneuert wurden. Für die Orte auf der Umleitungsstrecke hieß das: mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Abgase. Zehn Wochen Belastungsprobe fürs Nervengerüst.

Mehr als jeder dritte Lkw falsch

Weil Polizei und Behörden um die heikle Lage wissen, wurde diesmal richtig reingepumpt bei den Kontrollen. Das, was bei allen mehrwöchigen B10-Sperrungen bisher nie möglich war, wurde plötzlich Realität: Die Beamten in Uniform standen tatsächlich jeden Tag entlang der Umleitungsstrecke – und das sogar mehrfach. „Es waren im Schnitt mehr als zwei an der Umleitungsstrecke zur Überwachung des Verkehrs im Einsatz“, berichtet Thomas Sewohl, der bei der Polizeidirektion Landau die Kontrollen während der Tunnelsperrung betreute.

Der Schwerpunkt lag klar auf den rollenden Riesen: Für Transit-Lkw, die sonst nur nachts von der B10 ferngehalten werden, war die Bundesstraße wegen der Umleitung nun auch tagsüber tabu.

Diesen Grund nannten falschfahrende Trucker

Am Anfang war die Lage noch ziemlich wild. Wie die Polizei berichtet, waren zwei Drittel der herausgefischten Lkw unerlaubt auf der B10 unterwegs. Doch die Sperrung an sich und auch die Dauerpräsenz der Einsatzkräfte schienen sich herumzusprechen. Denn später sank die Falschfahrer-Quote von 67 auf knapp über 30 Prozent. Insgesamt lag die Quote über die komplette Sperrzeit bei 41 Prozent.

Doch Sewohl macht deutlich, dass bei vielen gar kein böser Wille dahintersteckte, sondern oft schlicht Unkenntnis. Da halfen dann wohl auch die neuen Digital-Tafeln an allen Zufahrten zur B10 nicht viel. „Besonders ortsunkundige Fahrer gaben uns zu verstehen, dass es ihnen nicht klar war, dass sie keine Anlieger sind. Insbesondere dann, wenn sie ihren Lade- oder Entladeort nicht ohne Weiteres einem südpfälzischen Landkreis zuordnen konnten.“ Südpfalz-Geografie als Bußgeldfalle: Bezahlen und umdrehen mussten sie trotzdem.

Wie viele Stunden waren die Polizisten im Einsatz?

Wie viele Einsatzstunden dabei zusammenkamen, hat die Polizei nicht statistisch erfasst. Der Personaleinsatz schwankte stark. Mal standen wenige Kräfte draußen, bei einer gemeinsamen Aktion mit dem Zoll Anfang März waren es rund 30. Die Kontrollen liefen auf der B10, an der Landauer Seite, auf der Annweilerer Seite und in den Ortslagen, so Sewohl.

Ganz dicht bekommt man das Netz trotzdem nie. Denn so eine Lkw-Kontrolle macht man nicht im Vorbeigehen. Bis das Großkaliber rausgewinkt ist, man sich mit den oft nicht deutschsprechenden Brummi-Fahrern verständigt hat, alles durchgecheckt hat und dann noch der Papierkram erledigt ist, geht schon mal eine halbe Stunde oder länger drauf.

Der Blitzeranhänger zählt mit

Weil klassische Kontrollen immer Lücken lassen, kam diesmal neue Technik ins Spiel. 1623 Fahrzeuge wurden mit einem sogenannten Enforcement-Trailer erfasst, also mit einem speziellen Blitzeranhänger, der an der B10 bei Birkweiler stand. In den sozialen Netzwerken überschlugen sich die Kommentare, weil jeder sich von dem wachsamen Auge am Straßenrand geblitzt fühlte.

Und tatsächlich: Jeder Transporter wurde es auch – ganz egal, ob er zu schnell fuhr, auf Abwegen war oder alles korrekt lief. Das Gerät erfasst alles, was sich ihm nähert, kann die Fahrzeuge aber nach ihren Abmessungen unterscheiden. Wenn eines nach Größe und Form nach Lkw aussieht, löst das Gerät aus und macht ein Beweisbild. 1150 Mal hat es in den drei Tagen, an denen es im Probeeinsatz war, geblitzt, wie Sewohl berichtet.

Auch Tempo wurde zum Reizthema

Der mindestens genauso große Nervpunkt für die Anwohner waren die Raser. Während sich der Umleitungsverkehr zu Stoßzeiten nur quälend langsam durch die Trifelsstadt und ihre Nachbardörfer schob, ging es bei freier Piste gerne auch mal rasant zu. 14 Mal überwachte die Polizei das Tempolimit, wie Sewohl erzählt. Das hätte sich so mancher aus Annweiler, Rinnthal, Sarnstall und Queichhambach sicherlich öfter gewünscht. Dennoch sei immer auf Anfragen der Bürger eingegangen worden und in der Folge an jenen Beschwerdestellen kontrolliert worden. So sei neun Mal an Orten kontrolliert worden, die der Polizei als Problem gemeldet wurden. Auch bei der Uhrzeit der Kontrollen seien die Anwohnerhinweise eingeflossen.

Die Gesamtbilanz hierbei: 2998 Fahrzeuge wurden gemessen. 323 waren zu schnell. Der unrühmliche Spitzenreiter wurde in Rinnthal erwischt: in der Hauptstraße in Richtung Annweiler. Laut Sewohl hatte dieser 29 Sachen zu viel drauf. Heißt: Bei den erlaubten 30 Stundenkilometern war er fast doppelt zu schnell.

Weniger Unfälle als im Vorjahr

Unerwartet kommt eine Zahl aus der Unfallstatistik der Polizei: Während der Sperrung gab es in den Ortslagen Rinnthal, Sarnstall und Annweiler 36 Verkehrsunfälle. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es fast doppelt so viele – nämlich 71. Acht Unfälle ereigneten sich unter Beteiligung von Lastwagen, im Vorjahr waren es 13. Laut Polizei blieb es jeweils bei geringem Sachschaden.

Und noch ist nicht alles abgeheftet. Die Bußgeldstelle prüft weiter jene 1150 Schwerlastfahrzeuge, die der Trailer erfasst hat. Dort werten die Mitarbeiter nun Beweisbild für Beweisbild aus, ob es sich um einen Lkw mit über 7,5 Tonnen Gesamtgewicht handelte und ob für diesen eine Ausnahmegenehmigung für das Befahren der B10 vorlag.

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