Annweiler
Bürgermeister-Wahl: Warum niemand gegen Amtsinhaber Burkhart antritt
Das dunkelbraune Haar ist inzwischen leicht grau meliert. Ansonsten hat sich am Auftritt von Christian Burkhart kaum etwas verändert in den vergangenen acht Jahren als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Annweiler. Der 41-Jährige strahlt Ruhe, Besonnenheit und Bodenständigkeit aus. Und mit genau dieser ausgeglichenen Art sitzt er inzwischen fest im Sattel. Seine Nominierung für eine zweite Amtszeit durch die Mehrheitskoalition aus CDU, FWG und FDP war reine Formsache. Und während 2017 noch drei Kandidaten um das Amt buhlten, überließen die anderen Partei diesmal dem Amtsinhaber das Feld für die Wahl am 6. April.
Damals konnte sich Burkhart überraschend bereits im ersten Wahlgang gegen Thomas Wollenweber (SPD, 22, Prozent) und Harald Jentzer (parteilos, 27 Prozent) durchsetzen, obwohl diese als Stadtbürgermeister von Annweiler und Ortsbürgermeister von Dernbach auf wesentlich längere Erfahrung im Politikzirkus zurückblickten. Der Christdemokrat schaffte es, mit einem Hauch von 0,9 Prozent Mehrheit ohne Stichwahl auf den Chefsessel im VG-Rathaus durchzumarschieren.
Mit 33 Jahren zum Bürgermeister gewählt
Dabei war er damals nicht nur Ersatzkandidat für Amtsinhaber Kurt Wagenführer (FWG), der aus gesundheitlichen Gründen seine erneute Kandidatur zurückgezogen hatte, sondern mit 33 Jahren auch der Jüngste der Runde und überhaupt noch recht frisch in der Kommunalpolitik. Erst drei Jahre zuvor hatte er den Posten des Ortsbürgermeisters von Waldhambach übernommen. Damit war er in die Fußstapfen seiner Schwiegervaters Günter Foltz getreten, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr kandidiert hatte. Inzwischen hat sich der in Bruchweiler-Bärenbach aufgewachsene Burkhart so in seiner neuen Rolle eingefunden, dass er sich gar nicht mehr vorstellen kann, in seinen alten Beruf zurückzukehren. „Ich war gerne Polizist, aber Bürgermeister bin ich noch lieber.“ Diesen Satz hört man von dem studierten Verwaltungswirt, der zwölf Jahre in Uniform tätig war, immer wieder. Und so habe die Entscheidung, für eine zweite Amtszeit anzutreten, bereits nach der Hälfte der ersten für ihn festgestanden.
„Das Amt macht mir viel Spaß. Auch wenn der Umgangston rauer geworden ist und es turbulente Jahre mit immer neuen Herausforderungen waren.“ Als Verwaltungschef müsse man dann flexibel reagieren können, zudem ein Gespür für die richtigen Personalentscheidungen haben und vor allem Gradlinigkeit zeigen. „Man muss zu seinem Wort stehen und es vertreten – nach innen und außen.“ Diese Eigenschaften sind in seinen Augen wesentlich, und er bringe sie mit. Während es andernorts in politischen Gremien des öfteren mal hoch hergeht, erlebt man im Verbandsgemeinderat Annweiler gemeinhin traute Einigkeit. Dass es so harmonisch läuft, freut den 41-Jährigen. „Dafür muss man die Leute im Vorfeld informieren und frühzeitig mitnehmen“, sagt Burkhart, der ein „starkes Miteinander“ zu seinem Wahlslogan gemacht hat. Auch wenn man es natürlich nie allen recht machen könne, ist ihm bewusst.
Mit E-Tretroller auf Wahltour
Für die anstehende Wahl wäre es ihm lieber gewesen, einen Herausforderer zu haben. Denn so eine Solo-Kandidatur hat auch ihre Tücken. „Ich kämpfe gegen mich selbst – und für eine hohe Wahlbeteiligung“, resümiert er. Wenn die Bürger nicht zwischen mehreren Aspiranten entscheiden können, sei es wesentlich schwieriger, diese zum Wählen zu motivieren. Eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung ist aber letztendlich die Legitimationsgrundlage eines Mandatsträgers. Deswegen ist Burkhart auch gerade von Ort zu Ort unterwegs, um auf seinem E-Tretroller Flyer zu verteilen, an Haustüren zu klopfen und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Denn letztlich ist die Wahl am 6. April ein Spiegel dafür, wie zufrieden die Menschen mit seiner Führung in den vergangenen acht Jahren sind.
„Und ich habe noch einige Ideen, die ich umsetzen möchte, um unsere Region gut fortzuentwickeln“, sagt Burkhart und denkt dabei in erster Linie an Feuerwehren, Grundschulen, Mobilität, Tourismus, Klimaschutz und das Zusammenwachsen innerhalb der Verbandsgemeinde. Und natürlich wird auch der Dauerbrenner B10 nicht wegzudenken sein. „Als ich 2018 Bürgermeister wurde, hatte ich zur B10 meinen ersten Termin beim Land. Und seitdem hat sich nicht viel getan“, bilanziert er. Immer wieder fordern die Anrainerkommunen, dass in Sachen Ausbau endlich Entscheidungen gefällt werden sollten. „Der Frust in der Bevölkerung nimmt zu. Und vor allem brauchen wir Entlastung für die Bewohner der Umleitungsstrecken“, hält er fest.
„Meine Familie steht hinter mir“
Die Vielfältigkeit ist das, was für ihn den Bürgermeisterberuf so einzigartig macht. „Jeder Tag bringt etwas Neues. Man ist in Kontakt mit Menschen, kann Ideen entwickeln und umsetzen. Dieser Gestaltungsspielraum bringt Zufriedenheit“, findet er. Auch wenn eine erneute Amtszeit bedeuten würde, dass für Freizeit wenig Raum bleiben wird. Denn ein Bürgermeister hat keinen Feierabend, das sei ihm klar, sagt der zweifache Vater. „Ich habe mir vorgenommen, dass die Familie nicht zu kurz kommt, was vielleicht in der Vergangenheit das ein oder andere Mal passiert ist“, wie er auf die vergangenen Jahre zurückblickt. „Aber ich habe mir die Kandidatur gut überlegt, bin motiviert und meine Familie steht dahinter.“
Zur Person
Christian Burkhart wurde am 23. Mai 1983 in Landau geboren. Aufgewachsen ist er in Bruchweiler-Bärenbach. Nach dem Abitur studierte er ab 2002 an der Fachhochschule öffentliche Verwaltung (Fachbereich Polizei) mit Abschluss als Verwaltungswirt. Von 2005 bis 2017 war er als Polizeibeamter beim Präsidium Rheinpfalz mit Stationen in Speyer, Edenkoben und Landau tätig, bis er 2018 hauptamtlicher Bürgermeister der VG Annweiler wurde. Zudem ist der Christdemokrat Mitglied im Kreistag SÜW. Von 2014 bis 2017 war er Ortsbürgermeister von Waldhambach, wo der 41-Jährige mit seiner Familie lebt. Burkhart ist seit 2008 verheiratet, er hat zwei Kinder (7 und 15 Jahre). Ehrenamtlich engagiert ist er beim DRK Annweiler, Waldbauverein Trifels, Förderverein Wildpark Silz, bei der LAG Pfälzerwald plus, Energie Südpfalz und Verbandsversammlung Rhein-Neckar.