Kreis Südliche Weinstraße Angst vor Ansiedlung des Wolfes in der Südwestpfalz
Hintergrund: Ums Jahr 1850 galt er in Deutschland als ausgestorben, jetzt kehrt der Wolf zurück. Die Reaktionen sind geteilt. Vergangene Woche hat sich der Umweltausschuss des Bundestages mit dem Thema beschäftigt. Was würde passieren, sollten sich die Tiere im Landkreis ansiedeln?
Der Wolf breitet sich wieder aus in Europa und macht auch um Deutschland keinen Bogen. Vor allem in Niedersachsen und einigen ostdeutschen Bundesländern haben sich bereits Rudel angesiedelt. Und aus Italien und Frankreich, so prognostiziert es die Stiftung für Umwelt und Natur Rheinland-Pfalz, bestehe ein „Einwanderungsdruck“ auf unser Bundesland. Die Frage ist: Wie würde sich das beispielsweise auf den Landkreis Südliche Weinstraße auswirken, sollten die Tiere hier heimisch werden.
Keine Willkommenskultur für den Wolf
Eines ist bereits deutlich geworden: Eine so herzliche Willkommenskultur wie gegenüber dem Luchs wird dem Wolf nicht vergönnt sein. Weil er im Rudel lebt, anpassungsfähig ist und sich schnell vermehrt, sehen sich viele Tierhalter in ihrer Existenz bedroht. Unter welchen Umständen könnte die Rückkehr des Wolfes dennoch allgemein Akzeptanz finden? Das war die zentrale Frage im Umweltausschuss des Bundestages, der vergangene Woche zahlreiche Experten und Betroffene anhörte. Vertreter der Umweltverbände sehen den Wolf demnach als Bereicherung für die Artenvielfalt, der ab einer gewissen Population unter Umständen bejagt werden könnte. Schäfer fordern wiederum einheitliche Regeln für den Herdenschutz etwa mit Zäunen und Hütehunden, finanzielle Unterstützung für die Umsetzung plus Ausgleichszahlungen bei Verriss. Sie sehen den Wolf aber nicht primär als Schuldigen für ihren vom Aussterben bedrohten Berufsstand. Jäger sind sich nicht einig, ob der Wolf im Jagdgesetz verankert werden oder eigene Richtlinien genießen sollte. Für Carmen Schauroth, Leiterin der Regionalstelle Süd des Naturschutzbundes, kurz Nabu, mit Sitz in Mörzheim, ist klar, „dass der Wolf bereits vor der Tür steht“. Weil die Situation aber nicht akut sei, sieht sie noch keinen Handlungsbedarf in der Südpfalz. Es gebe aber bereits die deutschlandweite Nabu-Aktion „Willkommen Wolf“. Sie wolle Missverständnisse ausräumen, das schlechte Image der Wölfe verbannen und den Tieren durch konkrete Maßnahmen wie Grünbrückenbau, Vernetzung der Schutzgebiete und Verhinderung von Zersiedelung sichere Lebensräume schaffen, sagt Schauroth.
Schäfer würde Schafhof sofort aufgeben
„Zum Glück gibt es den Wolf bei uns noch nicht“, sagt Georg-Michael Ruppert, Inhaber des Schafhofs Ruppert in Schwanheim. „Unsere Vorfahren waren intelligent genug, um die Störfaktoren, die uns nichts bringen, auszuschalten. Und der Wolf tötet nur nach Lust und Laune“, meint der Herr über 50 Mutterschafe, der die Schäferei sofort aufgeben würde, „wenn der Wolf hier auftauchen sollte“. Schutzzäune seien nicht praxistauglich, Ausgleichszahlungen zu niedrig und mit viel zu viel Aufwand verbunden, wisse er von betroffenen Schäfern aus Ostdeutschland. Umweltschützern, die mit dem Wolf die Artenvielfalt wachsen sehen, hält der Schäfer entgegen, dass der damit verbundene Verlust der Weidewirtschaft auch Arten wie beispielsweise den Ameisenwiesenknopfbläuling vernichten würde. Verbittert stellt er fest: „Für die Artenvielfalt wäre es wichtiger, wieder Pest und Cholera einzuführen, damit all die Städter mit ihren romantischen Ideen auf der Strecke bleiben.“ Ganz so krass sieht das Rinderzüchter Tobias Schönung vom Rothenhof in Annweiler nicht, aber auch er ist „froh, dass wir den Wolf nicht mehr haben“. Wer in der freien Natur lebe und arbeite, sehe Raubtiere ganz allgemein mit Skepsis. „Meine Rinder bekommen ihre Kälber ganz alleine auf der Weide, da ist schon ein Fuchs, der vom Geruch der Nachgeburt angelockt wird, unheimlich.“ Einem Wolf, der hier leichte Beute hätte, könne man da nicht Herr werden – den fände man nur lieb und gut, solange er tief im Wald bleibe. Auch Schönung lehnt Weidezäune ab.
In Silz können Wölfe beobachtet werden
Im Wild- und Wanderpark Silz ist die Sache umgekehrt. Da laufen Ziegen und Hühner frei herum, und die Wölfe sind eingezäunt. Weil sie ein großes Gelände haben und im Rudel leben, kann Michael Müller, der den Wildpark leitet, ihr Verhalten fachkundig beobachten. Er weiß: Wölfe sind sehr sensibel, anpassungsfähig und schlau. Und sie holen sich ihre Beute dort, wo es für sie am einfachsten ist. Das könne der freilaufende Dackel im Wald sein, ein überfahrenes Wildschwein am Straßenrand oder die gerissene Beute eines anderen Raubtiers. Und weil Wölfe keine natürlichen Feinde hätten, werde er sich, so lange er unter Schutz steht, munter vermehren. Dennoch sei es grundsätzlich begrüßenswert, wenn der Wolf in seine alte Heimat zurückkäme. „Das Problem ist eher der Mensch, dem es leider anhaftet, kein gesundes Mittelmaß zu finden“, sagt Müller. So bestehe die Gefahr, „dass man die Geister, die man rief, nicht mehr los wird“. Um das Gleichgewicht der Natur zu wahren, sei es sinnvoll, den Wolf ab einer bestimmten Populationsdichte zu bejagen. „Aber wer soll das machen“, fragt Müller, selbst Jäger, beim Blick auf den zunehmend oberflächlichen Ausbildungsstand und das mangelnde Engagement des Zunftnachwuchses.