Annweiler
25 Bohrlöcher im Rathaus-Garten: Annweiler plant Wärmenetz mit Geothermie
Mitten im Vorgarten des Annweilerer VG-Rathauses hat die Energiewende schon ein Loch in die Erde gebohrt. Wobei, nicht nur eins. Dort, wo sonst Akten gewälzt werden, könnte bald das Herzstück eines neuen Wärmenetzes entstehen – gespeist aus Geothermie. Wer jetzt gleich Sorgenfalten und Schnappatmung bekommt: Nein, keine Sorge, es wird nicht mitten in der Innenstadt in kilometerlanger Tiefe wie bei den Geothermiekraftwerken in Landau und Insheim gebohrt, sondern es geht hier um oberflächennahe Geothermie. Das bedeutet, bis zu 150 Meter hinab in die Erde.
Grundsätzlich darf die übrigens jeder auf seinem Grundstück nutzen. Mit ein paar Genehmigungen können sich auch Privatleute solche Bohrlöcher in die Gartenerde rammen lassen, wie es die Verbandsgemeinde gerade auf ihrem Rasen getan hat. Doch was genau steckt nun hinter diesem Pilotprojekt im Trifelsland?
Bohrungen am Rathaus, Wärme für die Innenstadt?
Ein Jahr lang hat die Verbandsgemeinde zusammen mit dem Büro EWR Climate Connection eine Strategie für die Wärmewende im Trifelsland erarbeitet. Dabei wurde schnell klar: Ein flächendeckendes Wärmenetz aufzubauen, ist unrealistisch. Im Trifelsland mit seinen vielen kleinen, verstreuten Orten würde sich das nicht rechnen. Aber es gibt ein paar Stellen, an denen es ernst wird. Und die spannendste davon liegt im Stadtkern von Annweiler. Dort stehen Gebäude dicht beieinander, der Wärmebedarf ist gebündelt – und hinzukommt noch: Haus an Haus, ohne Garten – fehlt den Bewohnern die Möglichkeit, selbst eine Luftwärmepumpe zu installieren. Also will man ihnen eine Alternative bieten.
Dort testet die Verwaltung seit vergangenem Herbst, ob sich die Wärme aus dem Boden direkt am Rathaus anzapfen lässt. Die Probebohrungen sind beendet, die Daten ausgewertet. Und nach Einschätzung der Verwaltung sieht es vielversprechend aus. „Die Messdaten sind so, dass wir davon ausgehen, dass das Projekt wirtschaftlich sein wird“, sagt Bürgermeister Christian Burkhart. Die Energie aus der Tiefe könne im Winter zum Heizen und im Sommer zum Kühlen genutzt werden.
18 bis 25 Bohrungen auf wenigen Quadratmetern
Die Idee: Das Rathaus soll künftig über eine Sole-Wasser-Wärmepumpe versorgt werden – und perspektivisch vielleicht noch mehr als das. Doch allein für das Verwaltungsgebäude brauche man 18 bis 25 Bohrungen, erklärt Burkhart. Wohlgemerkt, alle auf den paar Quadratmetern Grünflächen rund ums Rathaus. Aber die Bohrlöcher bleiben nicht als offene Schächte zurück, sondern würden danach wieder verschlossen. „Da sieht man nichts mehr.“ Die Erdwärmesonden könnten nach dem Einbau unterirdisch über Sammelleitungen miteinander verbunden werden.
Der Plan dafür steht bereits. 1,3 Millionen Euro sind im Etat eingestellt – 900.000 Euro davon über Förderprogramme. Wobei das Geld nicht alleine für die Bohrungen draufgeht. In dieser Summe sind auch die Kosten für Planung, Wärmepumpe, neue Lüftungsanlage und Deckensanierung enthalten, die in dem Zusammenhang notwendig sind.
Erst öffentliche Anker, später vielleicht Private
Wenn sich das Modell als tragfähig erweist, könnte daraus ein kleines Wärmenetz für weitere große Abnehmer in der Innenstadt werden. Angedacht ist ein Netz entlang der Hauptstraße, die sowieso saniert werden soll. Im gleichen Aufwasch könnten die Leitungen verlegt werden. Zunächst sollen öffentliche Gebäude und verlässliche Partner ins Boot geholt werden – etwa Stadtwerke, Hohenstaufensaal, Grundschule, Sparkasse und das alte Klinikum. Wenn diese finanzielle Basis steht, könnten auch Privatleute eingeklinkt werden.
Die Verbandsgemeinde hat ihre Kommunale Wärmeplanung Anfang 2025 gestartet, Anfang 2026 abgeschlossen, nun soll sie in die Umsetzung gehen. Dabei richtet sie ihren Fokus neben dem Stadtkern von Annweiler auf zwei weitere – jedoch kleinere – Gebiete: Schule/Löwensteinhalle in Albersweiler und Kanalstraße/Hauptstraße in Ramberg. Mit Machbarkeitsstudien soll geklärt werden, ob dort ein Wärmenetz oder Mikronetz realistisch wäre.
Ganz so schnell geht das alles allerdings nicht. Laut Burkhart dürfte die Planungsphase noch bis 2028/2029 dauern. Und selbst danach werde es wohl noch vier bis sieben Jahre dauern, bis so ein Wärmenetz steht.