SÜW
Übergriffe in Kita: Kirche lässt Eltern Monate im Dunkeln
Beim Wickeln soll es passiert sein, in einem Raum in einer katholischen Kita im Landkreis Südliche Weinstraße. In diesem, so wird berichtet, soll eine Erzieherin etwas Auffälliges beobachtet haben. Etwas, was mit einem Erzieher zu tun hat. Sie erzählte das den Verantwortlichen der Einrichtung. Tags darauf folgte die Reaktion: Der Mann wurde vom Dienst freigestellt. So schildern Eltern der RHEINPFALZ den Vorfall, der als Übergriff an einem Kind gewertet wird und die Beteiligten der Einrichtung sowie die Behörden in Unruhe versetzt.
Das Geschehen soll sich im Oktober des vergangenen Jahres abgespielt haben. Das Kreisjugendamt machte Ende vergangener Woche öffentlich, dass es in einer Einrichtung einen Vorfall gab und nun Ermittlungen gegen einen Erzieher laufen. Das Bistum Speyer zog einen Tag später mit einer eigenen Pressemitteilung nach. Darin heißt es unter anderem, dass gegen den Erzieher Strafanzeige gestellt worden sei. Inzwischen gebe es Anhaltspunkte für weitere Übergriffe. Die Eltern würden Unterstützungsangebote erhalten, um die Vorkommnisse zu verarbeiten.
Elternschaft irritiert und verärgert
Aber: Die Kirchenvertreter räumen in ihrer Presseerklärung nicht ein, im Umgang mit dem Fall Fehler gemacht zu haben. Dies jedoch geht aus einem Schreiben an die Familien hervor, das der RHEINPFALZ vorliegt. Verfasst wurde es nach dem Elternabend, an dem die Mütter und Väter erstmals über die Vorkommnisse informiert wurden. Wohlgemerkt, das Treffen war am 9. Februar, also mehr als drei Monate nach dem angezeigten Vorfall. Das irritiert und verärgert die Elternschaft.
In dem Rundschreiben erklärt der Träger der Kita, wie es zu dieser zeitlichen Verzögerung kam. So habe das Verfahren der kirchlichen Interventionsstelle vorgesehen, sowohl den Beschuldigten anzuhören als auch die Person, die eine Kindeswohlgefährdung gemeldet hat. „Leider ist es auch aufgrund der Einschaltung eines Rechtsanwalts erst im Januar zu einer Anhörung gekommen“, heißt es. Anschließend habe man Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gestellt.
Kirchenvertreter bitten um Verständnis
„Leider wurde es vonseiten der Leitung und des Trägers versäumt, die Familie des betroffenen Kindes zeitnah zu informieren. Dass dies noch nicht geschehen war, ist erst im Januar deutlich geworden“, steht im Schreiben der Kirchenvertreter. Dieses Versäumnis sei nicht zu entschuldigen, und es sei allen Beteiligten bewusst, dass die Information im unmittelbaren Zusammenhang mit der Meldung des Vorfalls hätte erfolgen müssen.
Beim Elternabend habe man deutlich machen wollen, „dass dieser Vorfall und der mangelhafte Umgang mit der Information an die Eltern des betroffenen Kindes eine umfassende Aufarbeitung erfordert“. Man halte fest, dass sowohl die Elternschaft als auch die Mitarbeiter das Vertrauen in die Einrichtung verloren hätten, und sich Sorgen machen würden um die Sicherheit der Kinder und Familien. Deshalb werde nun mit dem Beratungsteam „Irritierte Systeme“ zusammengearbeitet, das bei Interventionen und Aufarbeitungen sexualisierter Gewalt agiert, „um die Situation für alle Beteiligten gut zu gestalten“.
Was sind die nächsten Schritte?
In dem Schreiben werden die nächsten Schritte skizziert. So soll unter anderem die Leitung gecoacht werden. Es sind Einzelgespräche mit den Mitarbeitern geplant. Darüber hinaus sollen regelmäßig Elternbriefe verschickt werden zum Verlauf und Fortschritt des Prozesses. Die katholische Kirche sichert den Eltern zu, dass der Erzieher nicht weiterbeschäftigt wird.
Inzwischen gab es einen zweiten Elternabend, bei dem sich nach RHEINPFALZ-Informationen der Unmut gegen die Verantwortlichen richtete.
